Ostfalia

Gender und Diversity als Schlüsselqualifikationen

Rollenbilder auf den Kopf gestellt

Zeitmanagement, Stimmtraining, Präsentationstechniken – wichtige Soft Skills vermittelt der Career Service kontinuierlich in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten den Studierenden der Ostfalia. Ein relativ neues Angebot ist das Seminar zu „Gender und Diversity als Schlüsselkompetenzen in der beruflichen Praxis“, welches der Career Service in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro im Januar diesen Jahres zum zweiten Mal erfolgreich angeboten hat.

Dr. Ing. Käthe Protze und Dipl.-Ing. Thomas Czekaj arbeiten als Gender- und Diversity-Berater/in. Sie vermittelten 16 Studierenden der Ostfalia aus unterschiedlichen Fachrichtungen einen ersten Überblick über das komplexe Thema. „Viele Studierende kommen mit einer diffusen Begriffsdefinition und Erwartungserhaltung zu unseren Seminaren“, berichtet Protze. „In einem ersten Schritt geht es darum, die Themen Gender und Diversity einzeln zu betrachten und mit Leben zu füllen. Im Weiteren ist es nötig zu beschreiben, wie sie in verschiedenen beruflichen Situationen sowohl strukturell als auch individuell wirken. Denn sowohl Geschlecht als auch Verschiedenheit sind oftmals Ursache für Benachteiligung.  Dies versuchen wir durch Theorie-Input und Praxisbeispiele verständlich zu machen.“ Czekaj ergänzt: „Ein wichtiger Part ist hierbei immer die Selbstreflexion der Teilnehmenden.  Deshalb machen wir mit den Teilnehmenden neben dem theoretischen Input einige Rollenspiele, um unbewusste Verhaltensweisen in beruflichen Situationen aufzuzeigen.  In der gemeinsamen Diskussion erarbeiten wir dann entsprechende Lösungsansätze, denn der Umgang mit Vielfalt und daraus entstehenden Konflikten innerhalb der Berufswelt soll frühzeitig gelernt werden.“

Die teilnehmenden Studierenden der Ostfalia haben schon oft erste Erfahrungen in der Berufswelt gesammelt, sei es in einer Berufsausbildung oder als PraktikantInnen in einem Unternehmen und bringen ihre Erlebnisse in das Seminar ein. Markus Meyer, Student der Fakultät Recht, berichtet: „Teams oder Arbeitsgruppen richtig zusammenzusetzen ist schon im Studium ein großes Thema, wir mussten oft Seminararbeiten gemeinsam bearbeiten. Im Berufsleben wird mich diese Aufgabe sicher weiterhin begleiten und ich möchte durch das Seminar ein wenig besser gewappnet sein für diese Dinge.“  Denn wo unterschiedliche Blickwinkel aufeinander treffen, entstehen nicht nur kreativere Lösungen und erfolgreichere Produkte, sondern auch Konflikte und Widersprüche. Dies erfuhren auch die Teilnehmer/innen in drei Workshop-Tagen. Während einigen einschlägige Fachbegriffe bereits geläufig waren, war es für andere eine „fremde Sprache“. Bei den Übungen und im gemeinsamen Austausch erlebten die Mitwirkenden eine Sensibilisierung für den Umgang mit Rollenzuschreibungen, Verschiedenheiten und deren Bedeutung innerhalb von Organisationsstrukturen, die sie als sehr bereichernd erlebten.

An der Ostfalia findet das Thema Gender- und Diversity Management zunehmend in der Lehre Berücksichtigung, auch eine neue  Professur für „Gender, Technik und Mobilität“ wird sich zukünftig der Vermittlung geschlechterkritischer Technikforschung widmen.

Die beiden Trainer und Berater Protze und Czekaj wünschen sich für die Zukunft eine feste Verankerung des Themas in der Schul- und Berufsausbildung in Deutschland. „Unser Seminar kann ein Anstoß für die Studierenden sein, in ihrem zukünftigen Berufsleben für das Thema sensibilisiert zu sein. Deshalb sollte es selbstverständlich werden, dass die Themen Diversity und Gender in die Lehrpläne der Fachausbildungen integriert werden. Denn grundsätzlich geht es darum, Benachteiligungen gar nicht erst entstehen zu lassen.“

Dr. Ing. Käthe Protze ist Landschaftsarchitektin und Mitinhaberin des Bremer Stadt- und Landschaftsplanungsbüros protze+theiling. Dipl. Ing. Thomas Czekaj ist Stadtplaner und Inhaber der Bremer Agentur Stadt|Medien|Kommunikation. Seit 2007 führen sie Beratungen durch und geben Trainings im Bereich Diversity Management und Gender Mainstreaming.

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Michaela Wurm | Thu Jan 24 16:08:00 CET 2013