Praxisorientierte, aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt
BRAUNSCHWEIG - Unter dem Schwerpunktthema "Forschung für die soziale Praxis" präsentierte sich am 15. Januar diesen Jahres der Braunschweiger Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel als Motor für Innovationen im sozialen Dienstleistungsbereich. Die Dekanin Prof. Roswitha Bender unterstrich in ihrer Begrüßung der 80 anwesenden Teilnehmer/-innen die Bedeutung der angewandten Forschung und Entwicklung für die praxisbezogene Lehre in der sozialpädagogischen Ausbildung und den Einfluss auf die spätere Berufsausübung. Im Grußwort des Präsidiums betonte Vizepräsident Prof. Dr. Winfried Huck das Gewicht der 2. Tage der Forschung, das dieser Veranstaltung beigemessen wurde. "Ihre Forschung kommt direkt den Studierenden zugute da sie sich an den Bedürfnissen der öffentlichen Sozialeinrichtungen sowie der freien Träger als Arbeitgeber ausrichtet."

Im Großen Saal des Gemeinschaftshauses Weststadt nahmen zahlreiche Besucher/-innen
an der Vortragsveranstaltung teil.
Die Vorstellung der aktuellen Forschungsergebnisse durch die Hochschulangehörigen geschah in Form von Vorträgen mit anschließender Diskussion. Im ersten Vortrag stellten Prof. Dr. Sabine Brombach und Dipl. Sozialpädagogin Claudia Schünemann dar, wie Sozialarbeiterinnen in Führungspositionen gelangen. Ziel dieser Untersuchung war es, einen Beitrag dazu zu leisten, Frauen, die sich nicht durch Barrieren, äußere Umstände und innere Hindernisse abschrecken lassen, Anregungen zu geben und Wege aufzuzeigen, im sozialen Bereich Karriere zu machen und von den Erfahrungen anderer Frauen zu profitieren.
Prof. Klaus Prenner stellte eine Zusammenfassung seiner Untersuchungen "Spiel- und Bewegungsräume in der Stadt" für Kinder und Jugendliche vor. Das Thema Spiel- und Bewegungsraum stellt eine Querschnittsaufgabe dar, denn es berührt verschiedene Fachdisziplinen; die Verkehrsplanung ist gleicherma-ßen beteiligt wie die Sozialplanung, pädagogische Disziplinen ebenso wie Finanzressorts. Diese Materie ist auch nicht nur auf Heranwachsende beschränkt, sondern es tangiert alle Altersgruppen und Stadtbewohner.

Freuten sich über das große Interesse in der Öffentlichkeit (von links):
Prof. Astrid Fricke, Prof. Dr. Karin Wilkening, Prof. Dr. Ansgar Marx,
Prof. Klaus Prenner, Prof. Dr. Sabine Brombach, Dipl. Sozialpädagogin
Claudia Schünemann, Vizepräsident Prof. Dr. Winfried Huck
Prof. Astrid Fricke erläuterte in ihrem Beitrag "Gewaltschutz und Kinderrechte" die Gesetzgebung, die den zivilrechtlichen und polizeirechtlichen Schutz vor Gewalt im sozialen Umfeld wie Familie, Schule und Nachbarschaft gewährleisten soll. Von dieser Gewalt sind insbesondere Frauen und Kinder betroffen. Während Frauen, die vom Ehemann oder Freund in der gemeinsamen Wohnung geschlagen werden, seit längerem im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, richtet sich das Augenmerk erst in jüngster Zeit verstärkt auf kindliche Opfer. Die gleichen Maßnahmen, mit denen sich Frauen gegen häusliche Gewalt wehren können, gelten nunmehr auch für Kinder. Die Jugendhilfe ist aufgerufen, den Schutz der Kinder vor häuslicher Gewalt zu verstärken und die Handlungsfelder "Schutz und Unterstützung von gewaltbe-troffenen Frauen“ und "Kinderschutz und Unterstützung“ weiter miteinander zu verzahnen.
In ihrem abschließenden Vortrag "Integration von Hospiz- und Palliativprinzipien in Alteneinrichtungen" ging Prof. Dr. Karin Wilkening insbesondere auf die Rahmenbedingungen eines "guten" Sterbens im Altenpflegeheimen ein. Ziel ist dabei weder die Lebensverlängerung noch vorzeitige Lebensverkürzung, sondern ein möglichst "natürliches" Sterben mit vermehrter psychosozialer Begleitung statt zunehmender Medizintechnik. "Leider sind Heime sowohl personell als auch konzeptionell kaum auf die Gestaltung des menschlichen, menschenwürdigen Sterbens eingestellt", bedauerte Wilkening.
Die Moderation hatte Prof. Dr. Ansgar Marx übernommen, der als Forschungsbeauftragter des Fachbereiches die Verbindung zu den einzelnen Vorträgen herstellte und die Diskussion fachkundig leitete.
Die Tagungsbroschüre ist unentgeltlich in der Technologietransfer-Kontaktstelle erhältlich, Telefon 05331 / 939 -1750, E-Mail: d.puchert@fh-wolfenbuettel.de
Text und Fotos: Detlef Puchert
