Der sanfte Anfang 2.0 - Interview mit dem Dekan
Frankenfeld: Herr Prof. Kuck, im letzten Sommersemester wurde an der Fakultät V erstmals ein spezielles Angebot im Sommersemester gemacht – „der sanfte Anfang“. Wie sind die Erfahrungen und wie sieht das Studienangebot für die Erstsemester im kommenden Sommer aus?
Kuck: Die Erfahrungen sind unterschiedlich und wir werden darauf Rücksicht nehmen. Konkret: Den Erstsemestern Thermodynamik I aus dem 2. Semester anzubieten, hat sich nicht bewährt. Zwar ist Thermodynamik I ein Fach, das auf Basis der Schulkenntnisse gelehrt werden kann. Aber auf der anderen Seite erfordert es doch eine ganze Menge Abstraktionsvermögen. Unsere Studierenden haben uns rückgemeldet, dass sie sich überfordert fühlten.
Die Grundidee, die Mathematik I (Lineare Algebra, Analysis) breit anzubieten, bleibt aber nach wie vor richtig und dies werden wir wiederholen, allerdings abgewandelt. Wir werden dieses Fach im Sommer 2010 ganz normal anbieten, aber flankiert von 4 weiteren Semesterwochenstunden Übung, in denen insbesondere auch Lücken der Schulmathematik geschlossen werden sollen, und 2 weiteren Semesterwochenstunden Tutorium, d.h. eigenes Üben in Kleingrupen.
Auf jeden Fall werden wir aus dem zweiten Semester technische Kommunikation anbieten, ein Fach, das keinerlei Voraussetzungen braucht und traditionell im ersten Semester lag.
Ein weiteres Fach aus dem ersten Semester könnte noch hinzukommen, vielleicht Werkstoffkunde oder Physik – hier planen wir noch.
Frankenfeld: Also: Das Grundkonzept bleibt – die Mathematik wird „breit angeboten“ bzw. gestützt, auf der anderen Seite gibt es nur ein reduziertes Angebot an den eigentlichen Erstsemesterfächern des Curriculums.
Kuck: So ist es. Man kann nicht alles haben. Das Stützen der Mathematik ist das Allerwichtigste am Anfang. Wir möchten wirklich dahin kommen, dass nach Möglichkeit alle Studierenden die erste Mathematikprüfung sofort bestehen. Allzu oft wird gerade diese Prüfung am Anfang „versägt“ und dann bis in höhere Semester mitgeschleppt. Das muss nicht sein.
Frankenfeld: Aber das bedeutet, dass jemand, der im Sommersemester anfängt, nicht in 6 Semestern fertig werden kann.
Kuck: Nicht grundsätzlich – es besteht immer die Möglichkeit, an Vorlesungen höherer Semester teilzunehmen und dort auch Prüfungen abzulegen. Aber für die meisten wird es so sein, ja.
Dennoch – den Vorteil für die Studierenden möchte ich noch einmal herausstellen: Wer im Sommersemester anfängt und, gestützt durch die oben genannten Maßnahmen, die Mathematik I sofort besteht, hat im darauffolgenden Wintersemester, wenn er oder sie sich mit all den anderen Erstsemesterfächern beschäftigt, eine große Sorge weniger. Und wenn er oder sie „Technische Kommunikation“ sofort besteht, fallen im darauffolgenden Sommersemester die ziemlich aufwendigen Übungen und Hausaufgaben zu diesem Fach weg. Das ist schon eine deutliche Entspannung, und führt hoffentlich dazu, dass der Rest des Studiums flüssig zu Ende absolviert wird.
Die Fragen stellte Kirsten Frankenfeld
