Fakultät Versorgungstechnik
2017_02_Timm_Portrait


Heutiger Interviewpartner ist Dipl.-Ing. (FH) Tobias Timm. Unser Absolvent hat den Studiengang Versorgungstechnik im Jahr 2002 erfolgreich abgeschlossen. Herr Timm stellt uns seine beruflichen Stationen bei "proKlima" - dem Klimaschutzfonds der Städte Hannover, Hemmingen, Laatzen, Langenhagen, Ronnenberg, Seelze sowie der Stadtwerke Hannover AG (enercity) - vor und gibt uns Auskunft über sein Tagesgeschäft als Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland.

Das Interview führte Dekanatsreferentin Katrin Peukert im Mai 2017.

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Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Tobias Timm

Peukert (Pe): Guten Tag, Herr Timm. Die Versorgungstechnik haben Sie ja bereits sehr früh für sich entdeckt. Wie kam es dazu?

Timm (Ti): Durch den elterlichen SHK-Betrieb hatte ich bereits schon von Kindesbeinen an Berührungspunkte mit dem ganzen Themenbereich der Versorgungstechnik. Nur haben sich meine handwerklichen Fähigkeiten immer sehr in Grenzen gehalten. So entschied ich mich nach dem Abitur für die Aufnahme des Studiums in Wolfenbüttel.

Pe: Wussten Sie zu Studienbeginn auch schon, welche Vertiefungsrichtung Sie konkret auswählen würden?

Ti: Ja, richtig. Mich haben damals schon sehr die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Versorgung von Gebäuden interessiert und so hatte ich gleich die Technische Gebäudeausrüstung, also die TGA, im Visier.

Pe: Wo haben Sie das damals obligatorische Praxissemester absolviert?

Ti: In den Semesterferien habe ich regelmäßig im Betrieb meines Vaters gearbeitet. Dort habe ich später auch mein Praxissemester abgeleistet. Dabei lag ein Schwerpunk meiner Tätigkeit  in der Planung eines Nahwärmenetzes für eine Einfamilienhaussiedlung in der Region Hannover.

Entwicklung von Qualitätsstandards für den hydraulischen Abgleich und Programmierung der Erstversion der Software „OPTIMUS“ - heute bundesweit genutzt

Pe: Wie ging es nach dem Praxissemester, also unmittelbar vor Studienende, weiter?

Ti: Ich wurde im siebten Semester von Herrn Prof. Wolff angesprochen, ob ich Interesse daran hätte, an der Entwicklung einer Software zur Berechnung eines hydraulischen Abgleichs im Gebäudebestand mitzuarbeiten. Es handelte sich dabei um eine Beauftragung des Instituts für Heizungstechnik durch den Klimaschutzfonds proKlima der Stadtwerke Hannover. Ich fand das Thema sehr spannend und habe daraufhin meine Studienarbeit und auch meine daran anknüpfende Diplomarbeit dafür verwendet, entsprechende Qualitätsstandards für den hydraulischen Abgleich zu entwickeln und anschließend zu programmieren. Entstanden ist daraus die erste Version der heute bundesweit genutzten Software „OPTIMUS“.

Pe: Wie verlief der Einstieg in das Berufsleben?

Ti: Das war einfach. Mit Abschluss meiner Diplomarbeit im Jahr 2002 habe ich direkt meine erste Stelle bei proKlima in Hannover gestartet. Es ging darum, ein Förderprogramm zur Heizungsoptimierung zu entwickeln und die programmierte Software einzuführen. Im Laufe der Jahre hat sich mein Aufgabenbereich bei proKlima immer weiter entwickelt. So habe ich mich z.B. intensiv mit dem Passivhausstandard in Wohn- und Nichtwohngebäuden beschäftigt und entsprechende Pilotprojekte betreut. Im Sommer 2011 bin ich dann nach Hameln gewechselt und habe als Geschäftsführer die Klimaschutzagentur Weserbergland aufgebaut.

Energiemanagement in den Kommunen der Region Weserbergland - auch internationale Projekte

Pe: Was ist Ihre Aufgabe? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ti: Als Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland leite ich ein Team von derzeit 12 Mitarbeitern. Zu unseren Aufgaben gehören zum einen die Öffentlichkeitsarbeit in den Bereichen Klimaschutz und Energieeffizienz. So führen wir z.B. Beratungskampagnen durch und sind auf verschiedenen Messen und Veranstaltungen mit einem Informationsstand bzw. Fachvorträgen vertreten.
Zum anderen betreuen wir aber auch einen technischen Zweig. Das heißt konkret, dass wir uns um das kommunale Energiemanagement der Region Weserbergland kümmern. Dafür erstellen wir Energiekonzepte für Wohn- und Nichtwohngebäude und führen z.B. Energieaudits in großen Unternehmen durch.
Darüber hinaus arbeiten wir an einigen bundesweiten und internationalen Projekten. Meine Aufgabe dabei ist es insbesondere, unsere Geschäftsstrategie mit den Gesellschaftern abzustimmen, eigene Projekte zu akquirieren und deren Umsetzung gemeinsam mit den jeweiligen Projektleitern zu begleiten.

Pe: Das klingt nach einem verantwortungsvollen und vielseitigen Job. Sind dafür Fortbildungen notwendig gewesen?

Ti: Generell sind Weiterqualifizierungen wichtig, um am Ball in der Fachwelt zu bleiben und besonders auch dann, wenn eine Tätigkeit eine besondere Qualifizierung verlangt. Beispielsweise ist dies bei der Arbeit als Energieauditor gefordert, um diese überhaupt wahrnehmen zu dürfen.

Versorgungstechnik: Der Schlüssel für die Energiewende

Pe: Wenn Sie auf Ihren bisherigen Berufsweg zurückschauen, würden Sie wieder Versorgungstechnik studieren oder lieber ein ganz anderes Studium wählen?

Ti: Es war eine gute Entscheidung, dass ich das Studium der Versorgungstechnik in Wolfenbüttel absolviert habe. Das war der Schlüssel dafür, um heute tatsächlich die Energiewende aktiv mitgestalten zu können und in einem absolut spannenden und abwechslungsreichen Bereich arbeiten zu dürfen. Das alles möchte ich nicht missen! Dennoch würde ich in einem zweiten Leben vielleicht auch noch mal einen ganz anderen Weg einschlagen.

Pe: Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: „Einen guten Ingenieur (m/w) zeichnet aus, dass sie/er…."

Ti: …neben ihrem/seinem technischem Know-how ein ebenso guter Querdenker ist!

Pe: Vielen Dank, Herr Timm. Damit sind wir schon am Ende des Interviews angelangt.