Fakultät Versorgungstechnik

36. Bälz-Seminar an der TH Köln

Zwei Studenten berichten

 

Die Fakultät Versorgungstechnik besuchte vom 6.-9. September 2017 das 36. regelungstechnische Seminar der Bälz-Stiftung in Köln. Insgesamt waren über 60 Teilnehmer/-innen aus ganz Deutschland angereist. Das Seminar dient dem fachlichen Austausch, der Erweiterung des Wissensstandes und darüber hinaus als Möglichkeit für die Studierenden, Kontakte mit Versorgungstechnikern anderer Hochschulen zu knüpfen. 2014 fand das Bälz-Seminar an der Fakultät Versorgungstechnik in Wolfenbüttel statt.

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Teilnehmer/-innen des Seminars vor der TH Köln (Quelle: TH Köln)

Die Bälz-Stiftung lädt jährlich jeweils drei Studierende und ihre Professor/-innen der 13 beteiligten Hochschulen ein. Die anfallenden Kosten für Anfahrt und Aufenthalt werden dabei übernommen. Die Fakultät Versorgungstechnik  wurde durch Herrn Prof. Boggasch und Herrn Prof. Heiser vertreten, die auch vorab die Auswahl für die mitgereisten Studenten getroffen hatten. Die Stiftung, dessen Träger die Beuth Hochschule für Technik in Berlin ist, wurde 1978 von der Firma W. Bälz & Sohn GmbH & Co. mit Sitz in Heilbronn gegründet. Neben dem Seminar findet jährlich ein Wettbewerb von Abschlussarbeiten auf dem Fachgebiet der Regelungstechnik in der Gebäudetechnik statt. Die Stiftung zielt darauf ab, werdende Ingenieure/-innen auf dem Fachgebiet der praxisorientierten Regelungstechnik zu fördern, da Jungingenieure/-innen mit diesen Fähigkeiten sehr begehrt sind.

Das Programm

Mittwoch, 6.9.2017
Am Mittwoch, dem Anreisetag, stand für abends eine Begrüßungsveranstaltung in der Gaststätte Lommerzheim auf dem Plan. Dabei wurden die Studierenden in Gruppen aufgeteilt und nach kurzer Kennenlernphase begann die Vorstellungsrunde, bei der man sein Gegenüber den Teilnehmer/-innen vorstellte. Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Band der Professor/-innen aus dem Arbeitskreis für Regelungstechnik in der Versorgungstechnik mit dem passenden Namen „Out of Control“.

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Ausklang des ersten Tages. Im Hintergrund ist die Band "Out of Control" zu sehen.

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Panoramafahrt auf dem Rhein mit Blick auf den Kölner Dom.

Donnerstag, 7.9.2017
Am Donnerstag
wurde das Seminar mit begrüßenden Worten des Vizepräsidenten für Forschung und Wissenstransfer der TH Köln, Prof. Dr. Klaus Becker, eingeleitet.
Das von Prof. Dr. Müller und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern, Max Both und Robin Nienhaus, organisierte Seminar stand unter dem Thema „Gebäudeautomation in Zeiten der digitalen Transformation“.
Den Einstieg in die wissenschaftlichen Vorträge übernahm der Sohn des Stifters der Bälz-Stiftung, Prof. Dr. Uwe Bälz zu dem Thema „Effiziente Kühlung durch eine neue Generation kompakter und flexibler Absorptionskälteanlagen“.
Das weitere Programm stand unter dem Aspekt „Industrie 4.0“. Dabei machte Prof. Dr. Ulrich Epple der RWTH Aachen die Bedeutung und den Einfluss auf die Gebäudeautomation deutlich. Danach erzählte Axel Scharp (Fa. Siemens) von der Zukunftschance „Digitalisierung in der Gebäudetechnik“ und stellte ihr cloudbasiertes, offenes IoT-Betriebssystem MindSphere vor. Im Anschluss trat CEO Nils Fritz (Fa. MBS) vor die Teilnehmer/-innen und sprach über Bussysteme im Umfeld von Industrie 4.0 und wie sie es schaffen, für Sicherheit in der Gebäudeautomation zu sorgen. Abschließend trug Stefan Schwan (Fa. Engie) über IoT-Innovation von Engie vor, bei der es vor allem um Vernetzung günstiger und einfacher Sensorik ging, um Einsparpotenziale zu identifizieren.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen stand für den Rest des Tages etwas Kultur auf dem Programm, dies begann mit einer Panoramafahrt auf dem Rhein. Anschließend gab es eine kleine Lücke im sonst straffen Zeitplan, sodass etwas Zeit zur freien Gestaltung zur Verfügung stand. Nächster Treffpunkt war das Hauptportal des Kölner Doms. Von da aus ging es zu einer Domführung auf dem Dach oder zur Grabungstour des Doms. Danach gab es, ebenfalls abhängig von der Gruppezugehörigkeit, vier verschiedene Altstadtführungen, die alle bei dem selben Ziel, dem Brauhaus Gilden im Zims, endeten.

Freitag, 8.9.2017
Für den Vormittag am Freitag war eine Besichtigung des DLR, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, vorgesehen. Dabei bekamen die Anwesenden unter anderem einen Einblick in das europäische Astronautenzentrum, den Solarofen und in die Gebäudeautomations-Leitwarte des Betriebsgeländes.
Der Solarofen erwies sich als besonders interessant, da dieser für Versuche innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde über 2000°C bereitstellen kann, wobei die Energiedichte ausreicht, um einen Stahlquader von einem Zentimeter Dicke innerhalb von 30 Sekunden zu durchlöchern.

Nachmittags wurden wissenschaftliche Vorträge zum Thema der anwendungsorientierten Zertifizierung gehalten. Eike Hinck (Gebäudewirtschaft der Stadt Köln) stellte dabei die Anforderungen an GA-Komponenten aus Sicht von Anwendern vor. Darauf aufbauend folgte Robin Niehaus (TH Köln) mit einem Entwurf und der Implementierung von Testszenarien zur anwendungsorientierten Zertifizierung.
Im Anschluss daran ging es mit dem Thema „Sicherheit in der Gebäudeautomation“ weiter.
Prof. Dr. Steffen Wendzel (Hochschule Worms) startete dafür mit einer Einführung in die IT-Sicherheit von Netzwerken und stellte damit die Grundlagen der Kryptographie dar. Später trug Jernej Tonejc vom BSI, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, über das Thema „Sicherheit für Netzwerke der Gebäudeautomation“ vor.
Darauf folgten ein Praktikum IT-Security, bei dem es darum ging, eigene Idee oder Ansätze zum Thema Sicherheit für bestimmte Problemstellungen zu finden und einer Übung, bei der eine simulierte Fabrik über Schnittstellen der Gebäudeautomation gehackt und die Kontrolle übernommen werden konnte.
Zum Abschluss des Tages gab es hervorragendes Essen in der französischen Brasserie Marie in Köln.

Samstag, 9.9.2017
Der letzte Seminartag startete mit Vorträgen zur IoT und Cloud-Anwendungen in der Gebäudeautomation, wobei Prof. Dr. Müller (TH Köln) Thesen aufstellte, ob die Gebäudeautomation Verwaltungsschalen benötigt. Der letzte Vortragende war Max Both (TH Köln), der über im Zuge der digitalen Transformation über neue Methoden, Modelle und Technologen in der Gebäudeautomation berichtete. Zum Abschluss wurden mehrere gut ausgestattete Labore der TH Köln besichtigt, bevor das Seminar während der Ausgabe von Lunchpaketen offiziell beendet wurde.

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RLT-Labor der TH Köln präsentiert die neu ausgeregelte Anlage mit Entrauchungsfunktion und  höchsteffizientem KVS (Kreislauf-Verbund-System).

Das Seminar bot eine exklusive Möglichkeit, einen Einblick in die stets wachsende Welt der Gebäudeautomation zu erlangen. Nicht nur die fachlichen Vorträge und die qualifizierten Redner konnten begeistern. Auch das Rahmenprogramm und die Vernetzung mit Studierenden und Professor/-innen anderer Hochschulen sind in der Form sicher nicht alltäglich.

Fotos: Prof. Dr. Ekkehard Boggasch

Text: Marcel Lüdecke und Robin Balte (Studierende)