Im Interview: Prof. Dr. Martin Frank

  • 12.05.20 08:24
  • Doris Zweck

Prof. Dr. Martin Frank erhielt seinen Ruf an die Ostfalia im September 2019. Seitdem ist er Professor für Gesundheitsökonomie sowie Studiendekan an der Fakultät Gesundheitswesen.  Zuvor war Prof. Dr. Martin Frank bereits einige Monate als Verwalter der Professur für Krankenhausmanagement an der Ostfalia tätig. Mehr über sich und seine Professur berichtet er im Interview mit der Ostfalia-Redaktion.

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Prof. Dr. Martin Frank

Was haben Sie vor Ihrem Ruf gemacht?

Das Gesundheitswesen war für mich schon immer spannend, daher habe ich meinen Zivildienst im Rettungsdienst verbracht. Schlussendlich habe ich dann aber doch Wirtschaftswissenschaften studiert. Nach meinem Studium war ich zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Nachwuchsgruppenleiter am Center for Health Economics Research Hannover tätig – einer Forschungseinrichtung in Trägerschaft der Leibniz Universität Hannover und der Medizinischen Hochschule Hannover. Vor meiner Berufung an die Ostfalia habe ich das Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen der Ärztekammer Niedersachsen geleitet und war dort mit den Themenfeldern Versorgungsplanung, Qualitätsmanagement und -sicherung sowie Patientensicherheit befasst. Hierbei habe ich auch die Ärztekammer Niedersachsen im Landeskrankenhausplanungsausschuss des Landes Niedersachsen vertreten. Dort ging es um die schwierige Frage, wie bei sehr knappen finanziellen Mitteln die Investitionsbedarfe der niedersächsischen Krankenhäuser möglichst gut gedeckt werden können.

 

Wo liegt der Fokus Ihrer Professur?

Als Professor lehre ich in unterschiedlichen Studiengängen und versuche dort das Wissen über die ökonomischen Grundlagen und Zusammenhänge zu vermitteln. Es geht um die Besonderheiten von Ökonomie im Gesundheitswesen – daher finde ich auch die Steuerung des Gesundheitswesens über die Gesundheitspolitik sehr spannend. Ich habe auch relativ frisch nach meinem Start an der Ostfalia das Amt des Studiendekans übernommen und verwende daher auch einen Teil meiner Zeit für die Sicherstellung und Verbesserung des Lehrangebots an der Fakultät Gesundheitswesen. Die Corona-Pandemie ist nicht nur für die Studierenden eine große Herausforderung, sondern fordert mich (und auch natürlich alle Lehrenden an der Fakultät) in ganz besonderem Maße. Aber auch wenn der plötzliche Umstieg auf Online-Lehrmethoden nicht immer einfach war und sicherlich noch an der einen oder anderen Stelle Schwierigkeiten aufwirft, glaube ich, dass wir alle viel hierbei Lernen und einen großen Schritt zur weitergehenden Digitalisierung der Hochschule machen.

 

Warum haben Sie sich für dieses Forschungs- und Lehrgebiet entschieden?

Das Gesundheitswesen wird immer komplizierter und mich interessiert die Frage, welcher ordnungspolitische Rahmen für die Menschen bzw. die Gesellschaft einen möglichst großen Nutzen stiftet und zudem möglichst wenig Kosten verursacht. Ökonomen finden eine marktwirtschaftliche Steuerung grundsätzlich ideal, aber gerade in der Gesundheitsversorgung sind auch planwirtschaftliche Ansätze notwendig. Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen Markt- und Planwirtschaft – mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen, die es abzuwägen gilt. Ganz konkret habe ich, als ich auf der Suche nach einem Thema für meine Diplomarbeit war, einen Artikel über die Probleme in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen gelesen. Hier könnte ich die Arzneimittelversorgung aufgreifen. Bei kleinen Patientenzahlen ist es häufig für die pharmazeutische Industrie nicht lukrativ in entsprechende Forschungsansätze zu investieren – der spätere Markt ist schlicht sehr klein. Trotzdem möchten wir auch für diese Menschen eine möglichst gute Arzneimittelversorgung und entsprechende Forschung. Ich wollte gerne die Frage beantworten, wie das Gesundheitssystem auch für diese Patientengruppe eine gute Versorgung gewährleisten kann.

 

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Professur?

Ich mag die Arbeit mit jungen Menschen und auch die Lehre macht mir Spaß. Nachdem ich bereits einige Jahre Lehraufträge an der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Universität Bielefeld übernommen hatte, kann ich nun hauptberuflich in der Lehre unterwegs sein. Zukünftig möchte ich auch wieder mehr forschen. Themen gibt es genügend. Da gibt es zum Beispiel die Frage der Vergütung von Gesundheitsleistungen – beispielsweise von Krankenhäusern. Gerade an dieser Stelle wird die Ökonomisierung der Medizin kontrovers diskutiert. Wir haben eine tatsächliche Knappheit von Arbeitskräften und bspw. in der Pflege einen massiven Fachkräftemangel – wie gehen wir hiermit um und welchen Beitrag kann hierbei die Ökonomie leisten? Wie können wir zukünftig eine Gesundheitsversorgung auf dem Land sicherstellen und wo brauchen wir bspw. ein Krankenhaus mit welchen Schwerpunkten? Oder schlussendlich eine Frage, die auch durch die Corona-Pandemie neue Relevanz erfährt: Welche Reservekapazitäten benötigen wir für die Gesundheitsversorgung und wo beginnen tatsächliche Überkapazitäten (bspw. in der Vorhaltung von Krankenhausbetten), die aus ökonomischer Perspektive zu vermeiden.

 

 

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