Empirische Sozialforschung

 

Interviews - Der Einstieg in die qualitative Sozialforschung

Ein Schwerpunkt der LeFoWerk ist die Unterstützung qualitativer Sozialforschung im Studiengang "Soziale Arbeit" (B.A.) durch die Bereitstellung der dafür benötigten Infrastruktur. Zum Einstieg in die qualitative Sozialforschung eignen sich Interviews, zumal hier auch Kenntnisse und Kompetenzen aus Gesprächstechniken und Beratungsansätzen angewendet werden können. Deswegen liegt hier ein Schwerpunkt, was die Ausstattung und Angebote der LeFoWerk angeht. Daneben gibt es weitere qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung wie die teilnehmende Beobachtung oder Gruppendiskussionen. Im Gegensatz zu quantitativen Methoden – wie zum Beispiel einer Befragung mit einem standardisierten Fragebogen – kann man in Interviews detaillierter und flexibler auf individuelle Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, Begründungszusammenhänge und Handlungsorientierungen der interviewten Person eingehen. Gleichwohl gibt es auch beim Interview bestimmte Gütekriterien, die bei der Planung, Durchführung, Transkription, Codierung und Auswertung erfüllt werden müssen. Auch gibt es viele verschiedene Interviewformen, zwischen denen man wählen kann, wenn man eine eigene empirische Untersuchung – zum Beispiel im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit – durchführen möchte.

Einen ersten Überblick über Interviews als Methode der empirischen Sozialforschung bieten folgende wissenschaftlichen Texte, die öffentlich zugänglich bzw. online verfügbar sind (Open Access):

 

Außerdem sind in der Bibliothek im Semesterapparat des LeFoWerks ein paar Hand- und Lehrbücher zur Einführung in die Thematik zusammengestellt.

 

An einigen Universitäten und Hochschulen gibt es Einrichtungen, die sich speziell mit empirischer Sozialforschung in Forschung und Lehre beschäftigen und über Webseiten mit interessanten Informationen für EInsteiger*innen verfügen.

 

Als Standard hat sich inzwischen durchgesetzt, dass man qualitative Interviews digital aufnimmt (Digitale Aufnahmegeräte können sich Studierende kostenfrei in der LeFoWerk ausleihen). In bestimmten Fällen ist es zwar auch möglich, auf eine Aufnahme zu verzichten und stattdessen Protokolle anzufertigen. Aber ein Mitschnitt des Interviews vereinfacht die anschließende Auswertung erheblich. Denn ein wichtiger Zwischenschritt zwischen Erhebung und Auswertung ist die Verschriftlichung des Interviews. Das nennt man in der qualitativen Sozialforschung Transkription.Ob man ein Interview ganz oder auszugsweise transkribiert und wie genau man die gesprochene Sprache in Textform überträgt, hängt häufig davon, für welches Auswertungsverfahren man sich entschieden hat. Das wiederum ist in der Regel mit einer bestimmten Interviewform verknüpft. In jedem Fall richtet sich die Entscheidung, welche Interviewform, welches Transkriptionssystem und welches Auswertungsverfahren zum Einsatz kommt, nach der Fragestellung und dem Erkenntnisinteresse, das der Untersuchung zugrunde liegt.

 

So wie es unterschiedliche Zitationssysteme gibt, gibt es auch unterschiedliche Transkriptionssysteme, die sich darin unterscheiden, wie detailliert die Interviewspassagen verschriftlicht werden.Für welches Transkriptionsystem man sich entscheidet hängt auch in erster Linie von der Fragestellung und dem geplanten Auswertungsverfahren, aber auch von den zur Verfügung stehenden zeitlichen Ressourcen ab.

 

Es gibt inzwischen mehrere Programme, die die Transkriptionsarbeit erleichtern. Zum Beispiel kann man ein Fußpedal (ebenfalls in der LeFoWerk erhältlich) an den Rechner anschließen, um die Aufnahme individuell zu stoppen und fortzufahren. Ein Fußpedal ist in der LeFowerk zum Ausleihen vorhanden. Das LeFoWerk verfügt außerdem über Lizenzen der Transkriptionssoftware F4 (ausleihbare USB-Sticks). Daneben gibt es aber auch brauchbare freeware-Lösungen.

 

Die Auswertung von Interviews erfolgt heutzutage ebenfalls vielfach computergestützt. Dabei unterstützen die Programme vor allem dabei, ausgewählte Interviewpassagen bestimmten Kategorien zuzuordnen, die man vor dem Interview festgelegt hat (deduktiv) oder die man aus dem Material heraus entwickelt (induktiv). Diesen Arbeitsschritt nennt man Codierung. Dadurch kann man die Interviewtexte später nach bestimmten Kategorien filtern, was gerade bei einer großen Zahl von Interviews oder bei sehr langen Interviews sehr hilfreich ist. Die LeFoWerk verfügt über Lizenzen von MAXQDA, die auf den Rechnern im LeFoWerk installiert sind und vor Ort für Codierungen genutzt werden können. Bei Bedarf können die studentischen Mitarbeiter*innen auch eine kurze Einführung in die Nutzung der Programme geben. Die eigentliche inhaltliche Auswertung - auch Interpretation genannt - kann man allein oder gemeinsam mit mehreren Personen im Rahmen sogenannter Forschungswerkstätten oder Interpretationsgruppen machen (Dafür kann man sich die LeFoWerk kostenfrei anmieten).

 

Außerdem gibt es bei Stud.IP eine Studiengruppe LeFoWerk, wo man ebenfalls Literatur in Form digital verfügbarer Aufsätze, Working Papers etc. findet, die eher kurz und kompakt gehalten und für Einsteiger*innen geeignet sind. Wer Mitglied der Studiengruppe werden möchte, schreibt einfach eine Email an: lefo-h@ostfalia.de