Empirische Sozialforschung

 

Um zum Beispiel im Rahmen von Wirkungs-, Nutzer:innen- oder Adresat:innenforschung neue Erkenntnisse etwa über die Akeptanz von Angeboten Sozialer Arbeit bei den Klient:innen, über die Qualität professionellen Handelns oder die lebensweltlichen Orientierungen von Klient:innen in Erfahrung zu bringen und für die eigene Arbeit nutzbar zumachen, wird auch innerhalb der Sozialen Arbeit Forschung betrieben. Dafür steht ein vielfältiges Methodenrepertoire zur Verfügung. Die wichtigsten Methoden der empirischen Sozialforschung werden hier in Kurzform und zum Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten vorgestellt.

Qualitative Interviews

Ein Schwerpunkt der LeFoWerk ist die Unterstützung qualitativer Sozialforschung im Studiengang "Soziale Arbeit" (B.A.) durch die Bereitstellung der dafür benötigten Infrastruktur. Das umfasst beispielsweise digitale Aufnahmegeräte oder spezielle Software für die  Transkription (f4) und Auswertung (MaxQda) von qualitativen Daten. Zum Einstieg in die qualitative Sozialforschung eignen sich Interviews, zumal auch Kenntnisse und Kompetenzen aus Gesprächstechniken und Beratungsansätzen der Sozialen Arbeit angewendet werden können. Deswegen liegt hier ein Schwerpunkt, was die Ausstattung und Angebote der LeFoWerk angeht. Daneben gibt es weitere qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung wie die teilnehmende Beobachtung oder Gruppendiskussionen.

Im Gegensatz zu quantitativen Methoden – wie zum Beispiel einer Befragung mit einem standardisierten Fragebogen – kann man in Interviews detaillierter und flexibler auf individuelle Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, Begründungszusammenhänge und Handlungsorientierungen der interviewten Person eingehen. Gleichwohl gibt es auch beim Interview bestimmte Gütekriterien, die bei der Planung, Durchführung, Transkription, Codierung und Auswertung erfüllt werden müssen. Auch gibt es viele verschiedene Interviewformen, zwischen denen man wählen kann, wenn man eine eigene empirische Untersuchung – zum Beispiel im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit – durchführen möchte. Damit sind dann häufig auch bestimmte Auswertungsverfahren verknüpft. Die Wahl für eine bestimmte Interviewform inkl. Auswertungsverfahren richtet sich nach Ihrem Erkenntnisinteresse und Ihrer Forschungsfrage. Zum Einstieg empfehlen sich problemzentrierte Interviews (nach Witzel) oder leitfadengestützte Interviews, die man mit Hilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse (nach Mayring) auswertet.

In der Regel werden Interviews face-to-face durchgeführt, aber durch die Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Bekämpfung der Corona-Pandemie gewinnen auch verstärkt telefonische oder online durchgeführte Interviews an Bedeutung. Eine kurze Einführung dazu findet sich hier:

 

Vorbereitung: Einstiegsliteratur online

Einen ersten Überblick über Interviews als Methode der empirischen Sozialforschung bieten folgende wissenschaftlichen Aufsätze, die öffentlich zugänglich bzw. online verfügbar sind (Open Access):

Außerdem sind in der Bibliothek im Semesterapparat des LeFoWerks ein paar Hand- und Lehrbücher zur Einführung in die Thematik zusammengestellt.

Es gibt bei Stud.IP eine Studiengruppe LeFoWerk, wo man ebenfalls Literatur in Form digital verfügbarer Aufsätze, Working Papers etc. findet, die eher kurz und kompakt gehalten und für Einsteiger*innen geeignet sind. Wer Mitglied der Studiengruppe werden möchte, schreibt einfach eine Email an: lefo-h@ostfalia.de

 

Durchführung: Aufzeichnung und Transkription

Als Standard hat sich inzwischen durchgesetzt, dass man qualitative Interviews digital aufnimmt (Digitale Aufnahmegeräte können sich Studierende kostenfrei in der LeFoWerk ausleihen). In bestimmten Fällen ist es zwar auch möglich, auf eine Aufnahme zu verzichten und stattdessen Protokolle anzufertigen. Aber ein Mitschnitt des Interviews vereinfacht die anschließende Auswertung erheblich. Denn ein wichtiger Zwischenschritt zwischen Erhebung und Auswertung ist die Verschriftlichung des Interviews. Das nennt man in der qualitativen Sozialforschung Transkription.Ob man ein Interview ganz oder auszugsweise transkribiert und wie genau man die gesprochene Sprache in Textform überträgt, hängt häufig davon, für welches Auswertungsverfahren man sich entschieden hat. Das wiederum ist in der Regel mit einer bestimmten Interviewform verknüpft. In jedem Fall richtet sich die Entscheidung, welche Interviewform, welches Transkriptionssystem und welches Auswertungsverfahren zum Einsatz kommt, nach der Fragestellung und dem Erkenntnisinteresse, das der Untersuchung zugrunde liegt.

So wie es unterschiedliche Zitationssysteme gibt, gibt es auch unterschiedliche Transkriptionssysteme. Diese unterschieden sich darin, wie detailliert die Interviewspassagen verschriftlicht werden.Für welches Transkriptionsystem man sich entscheidet hängt auch in erster Linie von der Fragestellung und dem geplanten Auswertungsverfahren, aber auch von den zur Verfügung stehenden zeitlichen Ressourcen ab.

Es gibt inzwischen mehrere Programme, die die Transkriptionsarbeit erleichtern. Zum Beispiel kann man ein Fußpedal (ebenfalls in der LeFoWerk erhältlich) an den Rechner anschließen, um die Aufnahme individuell zu stoppen und fortzufahren. Ein Fußpedal ist in der LeFowerk zum Ausleihen vorhanden. Das LeFoWerk verfügt außerdem über Lizenzen der Transkriptionssoftware F4 (ausleihbare USB-Sticks). Daneben gibt es aber auch brauchbare freeware-Lösungen.

 

Auswertung: Codierung und Interpretation

Die Auswertung von Interviews erfolgt heutzutage ebenfalls vielfach computergestützt. Dabei unterstützen die Programme vor allem dabei, ausgewählte Interviewpassagen bestimmten Kategorien zuzuordnen, die man vor dem Interview festgelegt hat (deduktiv) oder die man aus dem Material heraus entwickelt (induktiv). Diesen Arbeitsschritt nennt man Codierung. Dadurch kann man die Interviewtexte später nach bestimmten Kategorien filtern, was gerade bei einer großen Zahl von Interviews oder bei sehr langen Interviews sehr hilfreich ist. Die LeFoWerk verfügt über Lizenzen von MAXQDA, die auf den Rechnern im LeFoWerk installiert sind und vor Ort für Codierungen genutzt werden können. Bei Bedarf können die studentischen Mitarbeiter*innen auch eine kurze Einführung in die Nutzung der Programme geben. Die eigentliche inhaltliche Auswertung - auch Interpretation genannt - kann man allein oder gemeinsam mit mehreren Personen im Rahmen sogenannter Forschungswerkstätten oder Interpretationsgruppen machen (Dafür kann man sich die LeFoWerk kostenfrei anmieten).

 

Verschriftlichung

Es kann hilfreich sein, sich ein paar Beispiele anzuschauen, wie man die Ergebnisse einer Interviewstudie zu Papier bringen kann. Da Sie sich im Rahmen einer Bachelorarbeit nicht im Bereich der Grundlagenforschung, sondern im Bereich der anwendungsorientierten Forschung bewegen, sind hier ein paar Beispiele von Interviewstudien verlinkt, die man diesem Bereich zuordnen kann und somit als Orientierungshilfe dienen können.

 

Datenschutz

Qualitative Sozialforschung ist Vertrauenssache. Die Anonymität der Interviewpartner*innen ist im Prozess der Erhebung, Verarbeitung und Veröffentlichung von Daten stets zu wahren. Audioaufzeichnungen müssen zur dem Zugriff Dritter geschützt und zur Überprüfung sicher archiviert werden. Das erfordert einen vertraulichen und sorgfältigen Umgang mit den Daten. Auch im Zusammenhang mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind dabei einige Dinge zu beachten. Informationen dazu sowie eine Mustervorlage und eine Checkliste finden Sie bei audiostranskription.de.

 

Weiterführende Informationen

An einigen Universitäten und Hochschulen gibt es Einrichtungen, die sich speziell mit empirischer Sozialforschung in Forschung und Lehre beschäftigen und über Webseiten mit interessanten Informationen für Einsteiger*innen verfügen.

Standardisierte Befragungen

Insbesondere wenn Projekte, Angebote und Maßnahmen der Sozialen Arbeit evaluiert werden, kommen häufig standardisierte Fragebögen zum Einsatz, z.B. im Rahmen von Mitarbeiter*innen- oder Nutzer*innenbefragungen. Die Verwendung von Fragebögen hat mehrere Vorteile. Sie sind bei der Erhebung und Auswertung weniger zeit- und personalintensiv als z.B. qualitative Interviews. Aufgrund des standardisierten Formats (d.h. alle Fragen sind für alle Befragten identisch formuliert) können ohne nennenswerten Mehraufwand auch sehr große Personengruppen (Stichproben) befragt und die erhobenen Daten dann statistisch ausgewertet werden. Häufig kann man bei der Erstellung von Fragebögen auf bereits erprobte Skalen zurückgreifen. Beim Einsatz von Onlineumfragen entfällt der Druck und Versand von Fragebögen, der Einsatz von Interviewer:innen und viele Codierungs- und Auswertungsschritte erfolgen automatisiert. Allerdings benötigt man bei einer standardisierten Befragung eine höhere Zahl an Teilnehmenden als bei einer qualitativen Interviewstudie, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen, und man muss sich ein statistisches Grundwissen aneignen. Mit der zunehmenden Digitalisierung haben Online-Umfragen stark an Bedeutung gewonnen. Deswegen liegt hier auch der Schwerpunkt auf Online-Umfragen.

 

Vorbereitung

In der Hochschulbibliothek gibt es mehrere Lehrbücher (Printversion und/oder digitale Version), die einen guten Einstieg in die Konzipierung, Umsetzung und Auswertung von standardisierten Befragungen bieten:

  • Schaffer, H., & Schaffer, F. (2020). Empirische Methoden für soziale Berufe: eine anwendungsorientierte Einführung für die qualitative und quantitative Sozialforschung. Freiburg im Breisgau: Lambertus. SG Ah 037
  • Porst, R. (2014). Fragebogen. Ein Arbeitsbuch. 4., erweiterte Auflage. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-02118-4
  • Häder, M. (2019). Empirische Sozialforschung: Eine Einführung. 4. Auflage. Wiesbaden: Springer.  https://doi.org/10.1007/978-3-658-26986-9
  • Schneider, A. (2013). Fragebogen in der Sozialen Arbeit. Stuttgart: UTB. SL Af 065
  • Schumann, S. (2019). Repräsentative Umfrage. Praxisorientierte Einführung in empirische Methoden und statistische Analyseverfahren. 7., überarbeitete und ergänzte Auflage. Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg. https://doi.org/10.1515/9783110596533
  • Jacob, R., Heinz, A., & Décieux, J. (2019). Umfrage: Einführung in die Methoden der Umfrageforschung. Berlin: De Gruyter Oldenbourg. https://doi.org/10.1515/9783110597387

Im Internet findet man – ergänzend zur Fachliteratur – auch einige brauchbare Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Erstellung und/oder Auswertung von (Online-)Umfragen:

Eine kurze Einführung in Online-Umfragen inkl. einer Literaturliste ist hier erhältlich:

Die Umfragesoftware LimeSurvey steht allen Mitarbeiter*innen sowie Studierenden der Ostfalia zur Verfügung. Notwendig ist nur ein gültiges Nutzerkonto vom Rechenzentrum der Ostfalia, um damit Online-Umfragen erstellen, durchführen und auswerten zu können (Umfrage-Administrator*in). Für Studierende ist die Nutzung im Rahmen ihres Studiums für Lehre und Forschung erlaubt. Alle anderen Nutzungsberechtigten nutzen das Angebot für Umfragen in Verwaltung, Studium, Lehre und Forschung. LimeSurvey ist auf Servern der Ostfalia installiert, die im Serverraum des Rechenzentrums stehen. Die Daten werden ausschließlich auf Speicher- und Backupsystemen der Ostfalia gespeichert.

Die Fakultät Handel und Soziale Arbeit verfügt über eine Lizenz von Netigate, die man ebenfalls auf Antrag über eine lehrende Person für eine Onlineumfrage erhalten kann. Netigate bietet für die Einarbeitung in das Programm mehrere Videotutorials an.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Anbietern, die eine kostenlose Basisversion Ihrer Software zur Verfügung stellen. Meistens ist dabei jedoch die Zahl der Fragen und/oder Fragebögen begrenzt.

Allerdings sind hier neben einem eingeschränktem Funktionsumfang auch datenschutzrechtliche Aspekte zu prüfen, was etwa die Speicherung von Daten angeht. Eine Übersicht über die Funktionen und Features sowie Vor- und Nachteile von den kostenlosen Online-Umfrage-Anbietern Sosci-Survey, LimeSurvey, Umfrageonline und Survey Monkey ist hier verfügbar:

Insbesondere, wenn man plant, eine Umfrage an Schulen und/oder mit minderjährigen Probanden zu machen, gibt es einige Besonderheiten, über die man sich zu Beginn informieren sollte.

Konzipierung

Wie bei jeder wissenschaftlichen Ausarbeitung wird auch zu Beginn einer standardisierten Befragung das Erkenntnisinteresse festgelegt. Daraus werden eine oder mehrere Hypothesen gebildet, die mithilfe der Befragung bestätigt (verifiziert) oder widerlegt (falsifiziert) werden sollen. Entsprechend werden nicht nur offene Fragen formuliert, wie z.B. in einem Interviewleitfaden, sondern auch oder fast ausschließlich geschlossene Frageformate, bei denen die Befragten zwischen zwei oder mehreren vorgegebenen Antwortoptionen wählen können. Das alles wiederum setzt voraus, dass in der Fachliteratur schon einiges über den Untersuchungsgegenstand bekannt ist, sodass man möglichst viele der möglichen Antwortoptionen im vornherein schon antizipieren kann. Für viele interessierende Merkmale existieren bereits erprobte und (ohne Lizenzgebühren) frei verwendbare Befragungsinstrumente. Die Verwendung solcher bewährten Fragen bzw. Fragenbatterien bietet mindestens zwei Vorteile: der Aufwand für die Eigenentwicklung von Fragen entfällt und es besteht eine Vergleichbarkeit mit Ergebnissen aus anderen Befragungen. Eine große Auswahl frei zugänglicher Befragungsinstrumente finden Sie u.a. hier:

Wenn man eigene Fragen, Kategorien und Antwortoptionen entwirft und später codiert, gibt es ein paar Grundregeln bzgl. Trennschärfe und Vollständigkeit zu beachten. Einige davon werden hier anhand von konkreten Beispielen veranschaulicht.

Dabei wird zwischen unterschiedlichen Skalenniveaus unterschieden, die hier kurz und knapp beschrieben werden.

Nicht zuletzt gilt es auch, die Fragen im Fragebogen angemessen zu formulieren. Bei der Überprüfung können diese beiden Checklisten hilfreich sein:

Im Zuge der Entwicklung des Erkenntnisinteresses muss auch die Zielgruppe, die befragt werden soll (Grundgesamtheit), definiert werden (z.B. „alle aktuell berufstätigen Sozialarbeiter*innen in Niedersachsen mit mindestens zweijähriger Beratungstätigkeit”). In einem nächsten Schritt muss dann überlegt werden: Wie viele Personen aus dieser Grundgesamtheit muss ich befragen, um mit der vorgesehenen Auswertungsmethode verlässliche Ergebnisse zu erhalten? Wie kann ich Vertreter*innen der Grundgesamtheit gut erreichen? Wie stelle ich sicher, dass genügend Befragte auch tatsächlich den Fragebogen ausfüllen und abschicken (Rücklaufquote)? Wie stelle ich sicher, dass meine Stichprobe kein verzerrtes Abbild der Grundgesamtheit ist (Repräsentativität)?

Neben der Konzipierung der Frageformulierungen und Antwortmöglichkeiten gehört auch ein Anschreiben/Begrüßung zur Konzipierung einer standardisierten Befragung dazu. Darin werden Zweck und Ziel der Befragung sowie die beteiligten Institutionen und Ansprechpartner*innen genannt. Auch Hinweise auf Anonymität, Nutzung nur für wissenschaftliche Zwecke, Datensicherung, Datenschutz (DGSVO) und Freiwilligkeit der Teilnahme gehören hierher. Wenn die Frageformate komplex sind, kann man auch einzelne Fragenblöcke einleitend mit zusätzlichen Vorbemerkungen und Hinweisen zum Ausfüllen des Fragebogens versehen. Es kann sich auch anbieten, im Fragebogen sogenannte Filterführungen einzubauen, d.h. Teilgruppen von Befragten werden an für sie irrelevanten Fragen „ vorbeigefiltert“ (Beispiel: "Studieren Sie derzeit? Ja/Nein”. Die nachfolgende Fragen, die sich auf das Studium beziehen, werden nur denen angeboten, die “Ja” angekreuzt haben).

 

Durchführung

Um sicherzugehen, dass man keine relevante Antwortkategorie vergessen, die Antwortoptionen überschneidungsfrei ausgewählt, die Fragen verständlich formuliert und die Bearbeitungszeit für die Beantwortung des Fragebogens realistisch angesetzt hat, sollte man einen Probedurchlauf machen (Pretest), indem der Fragebogen einer kleinen Zahl an Personen vorgelegt wird, die die vorläufige Endfassung des Fragebogens ausfüllen. Anhand der Rückmeldungen der Teilnehmenden und dem Antwortverhalten kann der Fragebogen ggf. noch ein letztes Mal überarbeitet werden, bevor dann die finale Version verschickt, verteilt oder im Internet hochgeladen/freigeschaltet wird.

Beispiele für quantitative Fragebögen:

Um die Rücklaufquote zu erhöhen, empfiehlt es, einen Befragungszeitraum von mindestens zwei Wochen zu wählen und etwa eine Woche vor Fristende eine freundliche Teilnahmeerinnerung zu verschicken (Reminder). Förderlich für eine ausreichende  Rücklaufquote ist weiterhin ein gut und abwechslungsreich gestalteter Fragebogen, den man mit Hilfe einer verständlichen Anleitung in kurzer Zeit ausfüllen kann

 

Aufbereitung

Wenn man die Datenerhebung abgeschlossen hat, kann man mit der Auswertung der Daten beginnen. Zunächst müssen jedoch die Daten für die statistische Auswertung vor- und aufbereitet werden. Zur statistischen Analyse von quantitativen Daten stehen mehrere kostenfreie Programme zur Verfügung, z.B.

  • Excel (Campus-Lizenz im Rahmen von Office 365)
  • R
  • PSPP

In der Grundlagenforschung wird überwiegend mit SPSS und Stata gearbeitet. Beide Programme erfordern aber eine angeleitete Einarbeitung und eine kostenpflichtige Lizenz, die an der Ostfalia nicht standardmäßig zur Verfügung steht. Für viele statistische Auswertungen (z.B. Häufigkeitsauszählung, Mittelwerte, Prozentwerte usw.) ist keine professionelle Statistik-Software nötig. Für Einsteiger*innen in die empirische Sozialforschung empfiehlt es sich, zunächst Excel (oder vergleichbare Freeware-Programme wie OpenOffice Calc oder LibreOffice Calc) für statistische Analysen zu benutzen.

Für den Einstieg in Excel eignen sich folgende online verfügbare Arbeitshilfen:

Um die Daten für die statistische Analyse aufzubereiten, gilt es zunächst, die Rohdaten in eine sogenannte Datenmatrix zu überführen. Dies ist eine Tabelle, in der sich in den Zeilen die Fälle (= für jede befragte Person eine Zeile) und in den Spalten die Variablen (= für jede gestellte Frage oder Teilfrage eine Spalte) befinden. In der ersten Zeile werden die Variablenbezeichnungen platziert (=Überschriften), die in der Regel nummeriert und einheitlich abgekürzt werden (z.B. 01_geschlecht). Online-Umfragetools bieten die Möglichkeit, die Befragungsdaten bereits in Form einer solchen Datenmatrix als Exceldatei zu exportieren, wobei auch hier noch einige Arbeitsschritte anfallen. Zum Beispiel kann es sich anbieten, den kompletten Zellenbereich der Datenmatrix in eine Tabelle mit eigener Formatvorlage zu konvertieren. Es ist weiterhin häufig erforderlich, in einem weiteren Tabellenblatt einen Codeplan (auch Codebuch genannt) anzulegen. Dies kann man bereits tun, sobald der Fragebogen verschickt bzw. online gestellt worden ist. In einem Codeplan wird für alle Fragen aufgeschrieben, welche Antwortoption mit welchem Code versehen wird (z.B. Antwort „weiblich“=1).  Dies erfolgt systematisch und angelehnt an die Variablenbezeichnungen/-abkürzungen (z.B. Variable „Geschlecht“, Antwort „weiblich“ = 1, „männlich“ = 2, „divers“ = 3, "keine Angabe" = 9). 

Beispiele für ein Codebuch:

  

Auswertung

Nachdem die „Datenmatrix“ und der „Codeplan“ in der Exceldatei als Tabellenblätter eingerichtet sind, kann man mit der Analyse der Daten auf weiteren anzulegenden Tabellenblättern beginnen. Für den Anfang bietet es sich an, dabei mit Formeln zu arbeiten. Excel stellt eine Vielzahl an Formeln für die Auswertung von Daten zur Verfügung. Damit Excel weiß, dass es sich bei dem Inhalt einer Zelle um eine Formel (und nicht um einen Text oder eine Zahl) handelt, muss ein „=“ vorangestellt werden.

Die folgenden drei Formeln eignen sich für eine deskriptivstatistische Auswertung:

  • MITTELWERT: Es wird das arithmetische Mittel aus den Zahlen eines festgelegten Zellbereichs ermittelt. Beispiel: Durchschnittsalter der 98 Befragten. Formelbeispiel: =MITTELWERT(A2:A99)
  • ZÄHLENWENN: Es wird ermittelt, welcher vorher festgelegte Wert (z.B. 1=weiblich) in einem festgelegten Zellbereich wie häufig vorkommt. Beispiel: Zahl der weiblichen Befragten. Formelbeispiel: =ZÄHLENWENN(A2:A99;1)
  • ZÄHLENWENNS: Es wird ermittelt, wie häufig eine Kombination aus zwei Werten in einem vorher festgelegten Zellbereich vorkommt. Beispiel: Zahl der weiblichen Befragten unter 18 Jahren. Formelbeispiel: =ZÄHLENWENNS(A2:A99;1; B2:B99;“<18“)

Die Buchstaben kennzeichnen die Spalten, die Zahlen die Zeilen. Somit kann jede Zelle in Excel zweifelsfrei bestimmt werden (Beispiel: A1=erste Zelle links oben). Wenn man auf Werte in einem anderen Tabellenblatt verweisen will, muss man den Namen des entsprechenden Tabellenblattes in der Formel nennen und ein Ausrufezeichen dahinersetzen, z.B. =ZÄHLENWENN(Datenmatrix!A2:A99;1). Will man die Werte einer ganzen Spalte in die Formel einbeziehen, kann man auf die Angabe der Zeilen(nummern) verzichten, z.B. =ZÄHLENWENN(Datenmatrix!A:A;1)

Um die Ergebnisse anschaulich darzustellen, kann man zwischen verschiedenen Diagrammtypen wählen. Im Rahmen einer Häufigkeitsauszählung kann man daraus ein Diagramm anfertigen. Die Antwortmöglichkeiten werden dann in Form einer Legende aufgeführt. Diagramme eignen sich,

  • um die prozentuale Verteilung darzustellen (Kreisdiagramm). Beispiel: Zahl der Befragten nach Geschlecht
  • um eine Entwicklung über mehrere Zeitpunkte darzustellen (Liniendiagramm). Beispiel: Tatverdächtige in Deutschland 2010-2020
  • um die Ausprägung verschiedener Antwortmöglichkeiten zu mehreren Fragen (Säulendiagramm gruppiert) oder um die Verteilung der Antwortmöglichen zu einer Frage (Säulendiagramm gestapelt) darzustellen

Daneben stößt man in manchen Umfragen auf sogenannte „offene“ Fragen. Hier haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, Freitextantworten zu schreiben. Entsprechend ist dafür eine andere Herangehensweise bei der Auswertung erforderlich, die eher den Auswertungen von Interviews ähnelt.

Beispiel für Auswertung offener Antworten:

 

Verschriftlichung

Anschließend erfolgt die grafische Aufbereitung der Ergebnisse für den Bericht (z. B. in Form von einheitlich formatierten Tabellen und Diagrammen). Nachdem die Daten aufbereitet sind, geht es anschließend darum, auf der Grundlage der Analyseergebnisse einen Bericht anzufertigen. Die erstellten Grafiken und Tabellen dienen dazu, die Ergebnisse zu veranschaulichen, entbinden aber nicht davon, die Ergebnisse in ausformulierten und verständlichen Sätzen zu Papier zu bringen. Es kann hilfreich sein, sich ein paar Beispiele anzuschauen, wie man die Ergebnisse einer standardisierten Befragung in Berichtsform verschriftlichen kann, wobei hier Beispiele aus der anwendungsorientierten Forschung als Orientierungshilfe herangezogen werden.

 

Glossare

In der empirischen Sozialforschung wird viel mit Begriffen gearbeitet, mit denen z.B. bestimmte Rechen- oder Auswertungsverfahren bezeichnet werden. Eine Übersicht mit kurzen Definitionen von statistischen Begriffen sind jeweils hier verfügbar:

Literaturarbeit

Im Rahmen des Bachelorstudiums sollen die Studierenden zum wissenschaftichen Arbeiten und Schreiben befähigt werden. Spätestens in der Bachelorarbeit sollen diese Fähigkeiten unter Beweis gestellt werden. Dabei steht die kritische Auseinandersetzung mit einem Thema anhand von Literatur im Mittelpunkt. In diesen sogenannten Literaturarbeiten ("Reviews") wird einer selbst formulierten Fragestellung nachgegangen, die mit Hilfe von Fachliteratur beantwortet werden soll. Es ist auch möglich, eine theoretische Arbeit vorzulegen oder eine eigene empirische Untersuchung durchzuführen, z.B. mit qualitativen Interviews oder mit einer standardisierten Befragung. Aber auch einer eigenen Studie geht eine Aufarbeitung der Fachliteratur voraus, die regelmäßig in einem gesonderten vorgelagerten Kapitel erfolgt ("Stand der Forschung").

 

[ wird in Kürze fortgesetzt ]

 

Podcast

How to Podcast

Ein Podcast ist eine Audiodatei (oder Videodatei), die man sofort abspielen oder herunterladen, mitnehmen und genau dann hören kann, wenn Zeit dafür ist. Man ist also nicht auf bestimmte Sendezeiten wie beim Radio angewiesen und kann sich gezielt Podcasts für bestimmte Themen aussuchen. Immer mehr Menschen hören regelmäßig Podcast, in Deutschland sind es mittlerweile 38% (Quelle: Statista, 2021). Somit wird dieses Medium auch für die Öffentlichkeitsarbeit und für die Vermittlung von Bildungsinhalten und Informationen immer wichtiger und attraktiver.

 

Vorbereitung

Ist der Entschluss gefasst, einen Podcast zu produzieren, sind die ersten drei Fragen, die es zu beantworten gilt:

  • Um was soll es im Podcast gehen? (Thema, Zielsetzung)
  • Wer soll damit erreicht werden? (Zielgruppe)
  • Welches Format soll der Podcast haben? (Genre, Anzahl, Länge und Turnus der Folgen)

Wenn man einen Podcast im Team produziert, bietet sich zu Beginn eine Rollenklärung an, weil die einzelnen Tätigkeiten im Produktionsprozess unterschiedliche Kompetenzen erfordern:

  • Wer recherchiert?
  • Wer macht Interviews?
  • Wer macht die redaktionellen Arbeiten?
  • Wer schneidet das Material und bearbeitet evtl. nach?
  • Wer übernimmt die Sprecher:inrolle?

 

W-Fragen

Unabhängig davon, ob im Team oder allein gearbeitet wird, ist es im Rahmen der Vorbereitung empfehlenswert, nicht nur die nächste, sondern auch weiteren Folgen durchzuplanen.

  • In welcher Episode soll welche Facetten des Themas wie behandelt werden?
  • Welche und Wieviel Recherchearbeiten sind im Vorfeld notwendig?
  • Welche Interviewpartner:innen eignen sich für welche Episode und müssen angesprochen werden?
  • Wie groß sollen die eigenen redaktionellen Beiträge sein? (Manuskript und/oder freie Rede? Diskussion, Dialog oder Monolog?)
  • Sollen die Aufnahmen „vor Ort“ oder in einem Online-Meeting stattfinden?

Sind diese W-Fragen (Was, Wie, Wer, Wann, Wo, Warum) definiert, geht es um den Titel und das Logo. Bei der Entscheidung für Titel und Logo sollte man sich ausreichend Zeit lassen, denn der erste Eindruck entscheidet meist darüber, ob sich jemand den Podcast anhört oder nicht. Und der Wiedererkennungswert ist wichtig. Dazu gehören auch Jingles. Das sind kurze musikalische Melodien, die zum Beispiel als Intro und Outro sowie zum Übergang zwischen einzelnen Segmenten und für bestimmte Rubriken genutzt werden.

 

Aufbau

Ein klassischer Aufbau für einen Podcast könnte so aussehen:

  • Intro (Musik und kurze Vorstellung des Podcast)
  • Einleitung (kurze Vorstellung, was die Zuhörenden in der Folge erwartet)
  • Hauptteil (Darstellung des Themas, ggf. nochmals unterteilt in wiederkehrende Segmente)
  • Schluss (Zusammenfassung, Ausblick, Infos über Shownotes)
  • Outro (Abschied und Ausblick auf die nächste Folge, Musik)

Für den gesamten Produktionsprozess lohnt es sich, regelmäßig eine Frage immer wieder selbstkritisch zu beantworten: Würde ich mir selbst diesen Podcast anhören?

 

Technik

Für die Produktion eines Podcasts muss ein gewisses technisches Equipment vorhanden sein. Allerdings lassen sich auch schon mit einem Smartphone und im Internet verfügbarer Freeware brauchbare Ergebnisse erzielen. Neben einem PC/Notebook benötigt man als Podcaster:in folgende Basisausrüstung:

  • Aufnahmegerät/ Smartphone mit Aufnahmefunktion zum Aufnehmen/Speichern des Rohmaterials
  • Schnittprogramm, um aus dem Rohmaterial die Folgen nach den gesetzten Vorstellungen zu produzieren
  • (transportables) Mikrofon für Aufnahmen in und außerhalb des (Home)-Studios
  • Kopfhörer

  

Durchführung

Nachdem die notwendigen Vorbereitungen und Vorkehrungen getroffen sind, geht es in den Produktionsprozess, der sich grob in drei Phasen unterteilen lässt.

 

Aufnahme

Das Herzstück des Podcast, die Aufnahme. Um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen (Nebengeräusche, Rauschen, Knacken etc.), empfiehlt es sich, einige Probeaufnahmen zu machen. Auch fällt einem dann häufig schon auf, wenn jemand zu schnell oder undeutlich spricht oder Lautstärke und Klangqualität bei den Interviewpartnern zu stark voneinander abweichen. Bei der Verwendung des USB-Mikrofons (aus der Lehr-Forschungswerkstatt) ist es möglich, direkt mit dem Schnittprogramm aufzunehmen. Für die Aufnahme unterwegs (Bsp: Interview in der Schule) funktioniert die Kombination aus Aufnahmegerät und Lavaliermikrofon (Ansteckmikrofon) gut. Als "Standards" bei der Aufnahme von Podcasts gelten das Aufnahmegerät Zoom H6 und das Mikrofon Rode NT.

 

Schnitt und Nachbearbeitung

Sind die Aufnahmen fertig, wird durch das anschließende Schneiden alles aus einzelnen Teilen zusammengeführt zu einem großen Ganzen. Dabei können Versprecher oder zu lange Sprechpausen herausgeschnitten werden. Auch die Lautstärke und Klangfarbe kann im Nachhinein angepasst werden. Der Schnitt bietet also vielfältige Verbesserungsmöglichkeiten und hat großen Einfluss auf die Soundqualität und Attraktivität des späteren Audiofiles für die Hörer:innen. Trotzdem gilt: Wer ausreichend Zeit in die Vorbereitung investiert, spart Zeit für die Nachbereitung.

 

Veröffentlichung

Zur Veröffentlichung des Podcast wird üblicherweise ein sogenannter Host benötigt. Dort kann man die Episode, eine Kurzbeschreibung und das Logo hochladen. Anschließend kann man den Podcast auf Plattformen wie spotify, apple music, deezer, itunes etc. veröffentlichen. Über diesen Host sind auch Statistiken zur Anzahl der Hörenden einsehbar. Eine andere Möglichkeit ist, die Episoden bei Youtube zu veröffentlichen und das Logo als „Standbild“ zu nutzen.

 

Podcasts in der Sozialen Arbeit

Podcasts werden auch im Bereich der Sozialen Arbeit immer beliebter. Es gibt inzwischen mehrere Podcasts, die sich einzelnen Aspekte oder Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit widmen.

 

Podcasts zum wissenschaftlichen Arbeiten

Auch was das wissenschaftliche Arbeiten betrifft, steigt die Zahl an Podcasts, die unterschiedliche Methoden der empirischen Sozialforschung oder bestimmte Verfahren des wissenschaftlichen Arbeitens vorstellen und thematisieren.

  • Methoden:koffer. Menschen aus der Forschungspraxis berichten, wie Forschung funktioniert.
  • Qualitative Sozialforschung. In diesem Podcast, der sich an Studierende richtet, geht es speziell um qualitative Sozialforschung.
  • Die Fakten dicke! In diesem Podcast von GESIS wird erklärt, wie Wissen durch Forschung entsteht.
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