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Ostfalia – eine Hochschule mit Clownswohnung in Wolfenbüttel

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Sozialpädagogin Simone Weiss mit einer kleinen Teilnehmerin

Vielstimmiges, helles Kinderlachen dringt aus der Erdgeschosswohnung im Kiefernweg 22 in Wolfenbüttel. Offensichtlich stört dies niemanden, denn trotz zahlreicher Nachbarn, hat sich in der „Ahlumer Wohnsiedlung“ noch niemand beschwert. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass es sich um eine Clownswohnung handelt“, sagt Sozialpädagogin Simone Weiss von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – und schmunzelt ein wenig.

Eine Clownswohnung an einer Hochschule, das ist in Deutschland wohl einzigartig. Hier wohnt zwar kein Clown, jedoch werden Themen wie Humor als Arbeitsmittel in der Sozialen Arbeit, Grundlagen des Clownspiels und der Einsatz von pädagogischen und Clinik-Clowns in sozialen Arbeitsfeldern im Projekt „Clownswohnung“ behandelt.

Die „Clownswohnung Wolfenbüttel“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadtjugendpflege Wolfenbüttel und der Ostfalia Hochschule nach einer Idee von Clown Fidolo. Im richtigen Leben ist er Erzieher und heißt Horst Schneider. Fidolo „bewohnt“ bereits seit 2004 eine Clownswohnung in Hannover. Montags zieht es ihn in die Dreizimmerwohnung in Wolfenbüttel, um hier mit Studierenden der Fakultät Soziale Arbeit der Ostfalia kleine und große Gäste zu begrüßen und mit ihnen zu arbeiten. Dem spielerischen Umgang in einem interaktiven und sehr anregenden Lernumfeld kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Die gezielt eingesetzten Späße der Clowns, das Zusammenspiel von Farben und Ausstattung der Räume sowie das Angebot, durch Verkleidung und Schminke in eine andere Rolle zu schlüpfen, fördern die aktive Teilnahme des Publikums. „Die Wohnung weckt die Lust der Kinder, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Alle finden hier ihren Platz und für alle gibt es etwas zu tun. Durch die vielfältige Gestaltung der Räume können Kinder mit ganz unterschiedlichen Interessen und Talenten künstlerisch aktiv sein und kreativ ihren Eindrücken einen Ausdruck geben. Jedes Kind hat die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen mit seinem Talent, seiner Idee oder eigenen Inszenierung zu zeigen und diesem zutiefst menschlichen Bedürfnis nach Selbstdarstellung Raum zu geben. Die Resonanz des Publikums vermittelt das Bewusstsein eigener Stärken und damit Selbstbewusstsein und Lebensfreude“, erläutert Clown Fidolo zusammenfassend. „So lernen die Teilnehmenden Gefühle zuzulassen und gegebenenfalls eine andere Seite von sich zu zeigen. Wir haben in der Clownswohnung sehr viele gute Erfahrungen mit schüchternen Kindern gemacht und mit solchen, denen es schwer fällt, Regeln einzuhalten“, erklärt Simone Weiss.

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Von links: Die Clowns Fidolo und Lolly mit Kindern aus einem Wolfenbütteler Kindergarten

Zielgruppe des Projekts sind vorrangig Kinder von 5-12 Jahren, gefolgt von den Zielgruppen Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, sowie Seniorinnen und Senioren und Menschen mit Migrationshintergrund. "Wir haben uns aufgrund einer vorliegenden Sozialraumanalyse der Stadt und des Landkreises Wolfenbüttel für die Wohnung in der Ahlumer Siedlung entschieden. Zum einen finden wir genau hier unsere Zielgruppen und zum anderen ergänzen wir hier das Angebot der Stadt für diese Zielgruppen und diesen Stadtteil. Ein weiterer Punkt war die Busanbindung und die größtmögliche Barrierefreiheit zum Zugang der Clowswohnung“, so Simone Weiss. Beides war in der Wohnung im Kiefernweg der Ahlumer Siedlung gegeben.

Die Wolfenbütteler Baugesellschaft hat die Wohnung mietfrei zur Verfügung gestellt, lediglich die anfallenden Ausstattungs- und Nebenkosten müssen von den Projektpartnern getragen werden. Geöffnet hat die Clownswohnung montags von 10 bis12 Uhr und 15 bis 17 Uhr von September bis Juni. Weitere Informationen gibt es bei der Stadtjugendpflege Wolfenbüttel unter Telefon 05331) 86-240, www.jugendpflege-wf.de

Evelyn Meyer-Kube/07.05.2012