Willkommen an der Fakultät Soziale Arbeit


Kommentierte Lehrangebote

In dieser Rubrik erhalten Sie inhaltliche Angaben zu einzelnen Lehrveranstaltungen mit Modulzuordnung und Semesterlage.

Modul 3

3. Semester


Bockisch | Geschichte der Sozialen Arbeit

Die Geschichte Sozialer Arbeit mit ihren Entwicklungssträngen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit ist geprägt durch eine Pluralität von Gegenstandsbestimmungen, Prinzipien und Leitsätzen, die das aktuelle (Selbst-)Verständnis Sozialer Arbeit geprägt haben. Anhand der Ideen und Programme namhafter Theoretiker/innen werden Entwicklungslinien der Theorie und Praxis Sozialer Arbeit erarbeitet und hinsichtlich ihres Einflusses auf die Soziale Arbeit der Gegenwart untersucht. 

Die Entstehung Sozialer Arbeit vollzog sich im Kontext gesellschaftlicher, staatlicher und kirchlicher Einrichtungen als Handlungsrahmen für sozialarbeiterische Hilfekonzepte und sozialpädagogische Erziehungsprogramme. In der Veranstaltung werden die historischen Entwicklungen und Ausdifferenzierungen dieser Institutionen und der in diesem Rahmen konzeptionierten klassischen Methoden Sozialer Arbeit erarbeitet.


Modul 6

2. Semester


Brenssell | Grundlagen der Psychologie für die Soziale Arbeit

Die Psychologie ist keine einheitliche Wissenschaft, es gibt sehr unterschiedliche – und gar sich widersprechende - psychologische Theorien und Denkrichtungen - und diese enthalten unterschiedliche Menschenbilder. Jeder psychologischen Theorie, jeder Methode liegen implizite Grundannahmen über den Menschen zugrunde, das hat großen Einfluss auf unser (Alltags)Denken und auf die Soziale Arbeit. In der Vorlesung erhalten Sie einen Einblick in verschiedene Theorien, Praxen und Menschenbilder der Psychologie und ihre Relevanz für die Soziale Arbeit.
Eine Frage an Sie als Studierende der Sozialen Arbeit: „Welches Bild vom Menschen prägt Ihr persönliches Denken?“ Die Vorlesung schafft auch dafür einen Reflexionsraum.


Modul 7

2. Semester


Baur | Bildung und Erziehung auf dem Prüfstand – Reproduktion sozialer Ungleichheit im Bildungssystem und Reformkonzepte

Erziehungs- und Bildungsinstitutionen in Deutschland sollen laut Verfassung allen Heranwachsenden Chancengleichheit durch Bildung gewähren. Thematisiert werden in dieser Lehrveranstaltung die Ursachen und Folgen davon, dass dieser Auftrag verfehlt wird, z. B. durch den bisher ungenügenden Ausbau der Einrichtungen frühkindlicher Bildung und Erziehung, die Selektionsfunktion der Schule, die ungleiche Ressourcenverteilung in verschiedenen Bildungsinstitutionen und durch strukturelle und pädagogisch-konzeptionelle Versäumnisse.

Aktuelle bildungspolitische und pädagogische Maßnahmen und Konzepte u. a. für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse im Bildungssystem (überwiegend Geflüchtete) werden vorgestellt. Sie werden diskutiert unter den Fragestellungen, ob und wie sie der Reproduktion von Ungleichheit im Bildungssystem begegnen können und welchen Herausforderungen sich pädagogische Professionen stellen müssen.


Figlestahler | Problemdiskurse über Jugend – Wer gilt warum als problematisch?

Jugend wird in öffentlichen Diskursen häufig mit pauschalen Problematisierungen wie „kriminell“, „radikal“ oder „faul“ verknüpft. Aus der Perspektive der Soziologie sozialer Probleme stellen sich dabei die grundlegenden Fragen, wie diese Problematisierungen entstehen und welche gesellschaftlichen Strukturen und Problemlagen damit in Verbindung stehen. Vermeintliche Problemgruppen werden nicht als gegeben verstanden, sondern es wird untersucht, wer eigentlich warum als problematisch gilt.

In dem Seminar erarbeiten wir uns zunächst eine soziologische Sichtweise auf Jugend mit Fokus auf Problemdiskurse über Jugend und die Perspektive der Soziologie sozialer Probleme. In einem zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit verschiedenen problematische Zuschreibungen an junge Menschen wie z.B. „benachteiligte Jugendliche“ oder „kriminelle Jugendliche“.

Derartige Problemzuschreibungen bieten Anlass für sozialpädagogisches Handeln mit dem Anspruch, Benachteiligungen junger Menschen auszugleichen bzw. Unterstützung in problematischen Lebenslagen zu leisten. Durch die Verwendung von problematisierenden Kategorien besteht jedoch das Risiko der pauschalen Zuschreibung von Defiziten. Daher werden wir im Rahmen des Seminars auch diskutieren, welche Spannungsfelder sich aus dem Umgang mit problematischen Zuschreibungen für Soziale Arbeit ergeben.


Hunold | Stadtsoziologie - Theorie und Praxis für die Soziale Arbeit

Die Stadt ist das zentrale Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit. Sie bietet viele Vorteile und Gelegenheiten für das alltägliche Leben von Stadtbewohner*innen. Allerdings werfen das Zusammenleben vieler verschiedener Menschen auf engem Raum sowie die Rahmenbedingungen städtischer Gesellschaft auch einige soziale Probleme auf, welche Gegenstand verschiedener Tätigkeitsfelder der Sozialen Arbeit sind. Die Veranstaltung bietet einen Überblick zu zentralen Themen der Stadtsoziologie, welche sich mit den sozialen Bedingungen städtischen Lebens auseinandersetzt. dabei werden zentrale theoretische Konzepte aus dem Bereich der Stadtsoziologie sowie die gegenwärtigen Trends im Bereich der Sozialraum- und Stadtentwicklung behandelt und ein Praxisbezug zur Sozialen Arbeit hergestellt. 


Küchler-Hendricks | Bildung und Biographie in der Sozialen Arbeit

Im Mittelpunkt des Seminars stehen zunächst erfahrungsbasierte und theoretische Annäherungen an die erziehungswissenschaftlichen Kernkategorien Bildung und Biographie. Ausgehend davon werden anhand exemplarischer Phänomene (z.B. „abweichendes Verhalten“) und Adressat*innengruppen (z.B. Menschen mit Behinderung) die Relevanzen bildungs- und biographiegestützer Konzepte (z.B. Biographiearbeit) für die Soziale Arbeit erörtert.


Rost | Gewalt. Soziologische Perspektiven und gesellschaftlicher Umgang mit Gewalt

Gewalt ist ein Phänomen, das sich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und in verschiedensten Formen manifestiert. Um Gewaltphänomene und entsprechende Probleme erkennen und angemessen bearbeiten zu können, bedarf es daher einer Begrifflichkeit, die in der Lage ist, die Komplexität der Formen von Gewalt zu erfassen und deren Vielfalt zu unterscheiden. Ausgehend von einer Erörterung verschiedener Gewaltbegriffe blickt die Blockveranstaltung auf eine Reihe von Gewaltformen, die von Mikrogewalt (in einzelnen Interaktionen) bis hin zu Makrogewalt (organisierter Gewalt) reichen. Der Blick auf Prozesse des Ausübens, Erleidens und Betrachtens von Gewalt (in kriegerischen Konflikten, in Institutionen, in Interaktionen wie bei Gewalt unter Jugendlichen, häuslicher Gewalt…) verbindet sich dabei mit einer Erörterung des gesellschaftlichen Umgangs mit diesen Gewaltphänomenen und -problemen bzw. von Ansätzen der Problembearbeitung (z.B. Gewaltprävention, Opferhilfe, Täterarbeit…). Somit zielt die Veranstaltung auf die Vermittlung eines Überblicks über die Komplexität des Gewaltphänomens.


Modul 8

3. Semester


Jung | Basiswissen Psychiatrie

Basiswissen zur allgemeinen Krankheitslehre seelischer Störungen, zu Grundprinzipien der psychiatrischen Diagnostik sowie zur multiprofessionellen Therapie. Häufige Krankheitsbilder: Depressionen und Manien, Psychosen, Belastungsreaktionen und Traumafolgen sowie Umgang mit psychiatrischen Krisen und Notfällen.


Motzek-Öz | Einführung in die klinische Sozialarbeit

Klinische Sozialarbeit fokussiert soziale Aspekte von Gesundheit, Krankheit und Beeinträchtigung. Als Teildisziplin bringt sie diagnostisches und methodisches Wissen in oft multiprofessionelle (klinische) Behandlungs- und Beratungssettings ein. Ziel ist es, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, Belastungen zu reduzieren und Bewältigungsressourcen auszubauen. Im Seminar wird in grundlegende Begriffe und Konzepte eingeführt. In Fallarbeit und Übungen lernen Sie exemplarisch Methoden kennen und gewinnen ein Bild von zentralen Kompetenzen der klinischen Sozialarbeit.

Prüfungsleistung: Klausur


Voigt-Kehlenbeck | Kritische Behindertenpädagogik

Basiswissen zur Behindertenhilfe und zu den aktuellen Veränderungen, die verbunden sind mit einem Paradigmenwechsel im Rahmen der Inklusion.

Grundlagen der Förderung von Menschen mit Unterstützungsbedarf im Sinne des Empowerments, zum Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit Beeinträchtigung und spezifischen Perspektiven der Betroffenengruppen unter dem Eindruck eigener Forschungsanliegen (disability studies). 


Modul 9

3. Semester


Boeckh | Sozialpolitik I - Armut und soziale Ausgrenzung

In der Veranstaltung beschäftigen wir uns mit Fragen von Armut und sozialer Ausgrenzung. Die Veranstaltung schließt an die Inhalte der Ringvorlesung an und vertieft vor allem theoretische Konzepte der Armutsforschung sowie die Frage, warum sich Armut und soziale Ausgrenzung „sozial“ vererben. Die theoretischen Zugänge werden wir nicht nur empirisch ausarbeiten sondern auch auf die Praxis Sozialer Arbeit übertragen.


Stölner | Ist der Kapitalismus am Ende?!

Ausgehend von dieser zentralen Frage, wird seine Geschichte, seine Funktionsweise und seine Auswirkungen als moderne Vergesellschaftungsform einer Kritik unterzogen. Dabei werden Klassiker wie Karl Marx und Max Weber sowie das Geld als zentrales Medium des Kapitalismus besprochen. Zudem wird das Wachstumsparadigma kritisch hinterfragt (Stichwort: Klimawandel, Ressourcenausbeutung, Umweltverschmutzung etc.). Begleitet wird die kritische Reflexion mit der Beschäftigung alternativer Wirtschaftsformen (allerdings kein Schwerpunkt des Seminars) und mit seinem sozialen Pendant: dem Sozialstaat.


Zgonc | Projektentwicklung

Die Kompetenz, zielgerichtet Projektentwicklung betreiben zu können ist für die meisten Bereiche Sozialer Arbeit heute unabdingbar. Daher werden in diesem Seminar Projektmanagementtechniken vorgestellt und erprobt.


Zgonc | Wie geht Sozialpolitik?

Soziale Arbeit dreht sich um die Frage von Ausschluss und Teilhabe, Durchsetzung von Rechten und Chancen. Aber wer hat Einfluss darauf und wie wird Einfluss genommen? Sozialpolitik setzt zum einen den Rahmen für die Bearbeitung sozialer Probleme, zum anderen ist die Ausgestaltung des sozialen Sicherungssystems ein zentraler Faktor für die Verursachung bzw. Verstetigung sozialer Ausgrenzungsprozesse. In diesem Seminar setzen wir uns mit politischem Handeln in der Sozialen Arbeit auseinander, erkunden Möglichkeiten von Einflussnahme auf sozialpolitische Entscheidungsprozesse und deren Grenzen.


Modul M11

Modul M11e


Voigt-Kehlenbeck | Praxisforschung: Behindertenhilfe unter dem Eindruck von Corona

In diesem Seminar geht es um eine Variation des Vertiefungspraktikums (offene Option).

In diesem Format arbeiten die Studierenden zur Situation der Menschen mit Beeinträchtigungen unter dem Eindruck der Corona Krise im Sinne angewandter Praxisforschung.

Was genau ist zu tun? Die Studierenden sichten den Fachdiskurs zum Thema, führen selbst Fachgespräche mit Kolleginnen und Kollegen in Leitungsfunktionen der Behindertenhilfe und ermitteln so ein Bild zu den Bewältigungsanforderungen in einer Pandemie. Es wird nicht die letzte Pandemie sein, die wir zu bewältigen haben. Deshalb ist es wichtig und wertvoll, die Lösungen und Schwierigkeiten zu ermitteln und kritisch zu erheben, was für das Handlungsfeld der Behindertenhilfe für die Zukunft daraus zu lernen ist.

Die Studierenden zeichnen die Situation in der Praxis der Behindertenhilfe während der Corona Krise nach und erheben Fragen und Nachdenklichkeiten auf der Basis von Studien und Fachveröffentlichungen zum Thema.

Dieses Seminar kann nur gewählt werden als Weiterführung des Projektes Inklusion – Teilhabe – Selbstbestimmung.
Termine: Vorbesprechung: Montag 21. Juni 2021- voraussichtlich in Präsenz – 10-12 Uhr (weitere Termine werden dort bekannt gegeben).


Modul 12a

4. Semester


Jahn | Sozialberatung

Oftmals benötigen Personen, die sich in prekären Lebenslagen / Situationen befinden, eine parteiliche Unterstützung, um ihre sozialrechtlichen Ansprüche durchsetzen zu können. Sozialberatung ist sowohl als autarkes Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit zu sehen, als auch als Teilgebiet personenbezogener sozialer Dienstleistung.

In dem Seminar werden die Grundlagen der Sozialberatung erarbeitet – in Bezug zu den sozialleistungsrechtlichen Sachverhalten. Zusätzlich wird auf das Verfahren vor den Behörden und das methodische Vorgehen hingewiesen. Diverse Fallanalysen und der Transfer in die Praxis runden das erworbene Grundlagenwissen ab.

Das Rechtsdienstleistungsgesetz sowie die materiellen Leistungen nach dem SGB II und XII sind ein weiterer Schwerpunkt des Seminars.


Richter | Mediation in besonderen Lebenslagen

Ärgernisse und Lebenskatastrophen münden vielfach in zwischen-menschliche Konflikte, die häufig auch noch ein rechtliches Nachspiel haben können. Für die Soziale Arbeit besonders einschlägig ist der Bereich der strafrechtlichen Konflikte. In diesem Bereich liegt besonders viel Brisanz, da die Konfliktparteien nicht mehr „allein“ sind, sondern u. U. die Polizei und Justiz eingeschaltet haben.

Welche Konfliktlösungsmöglichkeiten gibt es dennoch? Wie ist mit strafrechtlichen Konflikten lösungsorientiert umzugehen, dass die Parteien ihren Konflikt eigenständig regeln können? Hier greift die  Mediation im Strafrecht, die ein interessantes Berufsfeld für die Soziale Arbeit darstellt. Sie erfordert eine besondere Form der Konfliktmoderation, die in der Veranstaltung vorgestellt wird. Die Rahmenbezüge der Konfliktlösungsmöglichkeiten werden erörtert und Übungen zum Umgang mit Konflikten und zur Konfliktmoderation praktiziert.


Modul 12b

4. Semester


Iltzsche | Suizidalität und Suizidprävention

Suizide und Suizidversuche sind für die Betroffenen oft ein letzter ‚Lösungsversuch‘ in sonst als ausweglos wahrgenommenen Situationen. Es sind sehr wirkmächtig Ereignisse, die sich auch auf andere beteiligte Personen, die in einer persönlichen oder beruflichen Beziehung zu den Betroffenen stehen, gravierend auswirken können. Darüber hinaus können Suizide und Suizidversuche sogar eine Legitimationsbedrohung für die Institutionen (wie Schulen, Psychiatrien, Heime, Gefängnisse etc.) sein, in denen sie geschehen.

Suizidalität ist ein machtvolles, stets auch kommunikatives Mittel, auf das gesellschaftlich ebenfalls mit viel Macht geantwortet wird. Nicht zuletzt begründen alle Psychisch-Kranken-Gesetze die Möglichkeit einer Zwangseinweisung mit der Gefahr, die eine Person für sich oder andere darstellt. Doch schon in Hinblick auf die kontroverse Debatte der Sterbehilfe zeigt sich, dass das Feld der Suizidprävention einen sehr hohen Komplexitätsgrad hat und die Frage, ob es jedes Leben, zur Not auch gegen den Willen der Betroffenen, zu bewahren und zu erhalten gilt, nicht immer so leicht zu beantworten ist.

Dieses Seminar soll eine Einführung in psychiatrische, psychologische und soziologische Modelle der Suizidalität und in die diversen Mittel und Wege der Suizidprävention bieten. Weiterhin sollen die Themenbereiche der „Suizidprävention in der Sozialen Arbeit“, der „Interventionsmöglichkeiten“ (wie Zwangsmaßnahmen und Non-Suizid-Verträgen) sowie der besonderen „Schwierigkeiten und Grenzen der Suizidprävention“ (wie der Suizidcluster und der Suizidalität am Lebensende) vertiefend betrachtet und diskutiert werden. Das Seminar will eine Diskussion der Fachliteratur mit den Erfahrungen und Beispiele aus der beruflichen Praxis verbinden.

 Kontakt zum Dozenten: r.iltzsche@gmail.com


Maier / Römmling-Wasserthal | Gewalt gegen Frauen - Psychosoziale Versorgung

Wie lässt sich Gewalt gegen Frauen im gesellschaftlichen Kontext verstehen?
Es werden die sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen betrachtet, durch welche Gewalt gegen Frauen mitausgelöst und aufrechterhalten wird. Die psychosoziale Versorgungslage und der gesellschaftliche Umgang mit den Folgen der Gewalt und den von Gewalt betroffenen Frauen werden kritisch diskutiert. Zudem wird im Seminar in die Debatte um medizinisch-psychiatrisches Krisen- und Krankheitsverständnis und deren Ausblendungen eingeführt. Es werden alternative Ansätze aufgezeigt und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit diskutiert.


Mölders / Matthies | Multiloog: Verständigung über Alltagserfahrungen und psychosoziale Krisen in Theorie und Praxis

Wie können psychosoziale Krisen im Alltagssprachgebrauch verständlich werden. Seit zwanzig Jahren werden im Multiloog - Projekt  Erfahrungen dazu gesammelt und verarbeitet.

Im Blockseminar werden Arbeitsschritte aus diesem Projekt in Theorie dargestellt und in der Praxis (interaktiv) eingeübt. Es werden Grundlagen der subjektwissenschaftlichen Herangehensweise der Kritischen Psychologie vermittelt, insbesondere zum Thema der sozialen Selbstverständigung im Rahmen alltäglicher Lebensführung und ihre Anwendung in der Praxis.

Es werden Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt und praktiziert, um eigene Erfahrungen mit Krisen im Alltagsleben zu verbalisieren und diese als Grundlage für die zukünftige berufliche Praxis zu reflektieren.


Möller | Drogenmissbrauch im Jugendalter. Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsansätze - Suchtverhalten als Selbstmedikation!?

Sucht begleitende Krankheitsbilder bei jungen Menschen 

Drogenmissbrauch im Jugendalter ist ein wachsendes Problem. Die Erstkonsumenten werden immer jünger. Adäquate Versorgungsstrukturen fehlen.

In einem Blockseminar soll auf mögliche Ursachen und Auswirkungen des Drogenmissbrauchs eingegangen werden, wobei auch entwicklungspsychologische Aspekte berücksichtigt werden. Auf die aktuelle Situation wird bezuggenommen, wie die Frage nach der Schädlichkeit von Cannabis und den Alkopops. Mit der Therapiestation Teen Spirit Island ist ein spezielles kinder- und jugendpsychiatrisches Konzept entwickelt worden in Kooperation mit einer Drogenberatungsstelle und einer Jugendhilfeeinrichtung, das vorgestellt und diskutiert wird. Auf spezielle sozialarbeiterische Aspekte wird Bezug genommen. 

Bei Suchtstörungen einschließlich Mediensucht finden sich häufig begleitende, sog. komorbide Störungen, wie z.B. ADHS, Depression, Psychosen, Essstörungen oder Traumafolgestörungen.

Um die Symptomatik zu lindern werden Drogen (z.B. Cannabis oder Alkohol) von den jungen Menschen häufig als Selbstmedikation benutzt. Da besonders Sozialarbeiter*innen in sehr vielen Arbeitsbereichen mit Drogen konsumierenden Jugendlichen konfrontiert sind, ist es erforderlich, dass gut informierte Fachleute rechtzeitig Gefährdeten und ihren Eltern geeignete ambulante oder stationäre Hilfen anbieten können. Auch in der Jugendhilfe und anderen Kontexten tätige Sozialarbeiter*innen müssen sich mit den komorbiden Kinder- und Jugendpsychiatrischen Störungsbildern auseinandersetzen. 

In diesem Seminar soll sich intensiv mit der Suchtproblematik einschließlich Mediensucht und den komorbiden Störungsbildern befasst werden. Darüber hinaus werden Therapiemöglichkeiten (einschließlich Anamneseerhebung, Diagnostik, Einzel- und Gruppentherapie, -Methoden) erörtert. Da es, wenn keine ausreichende Selbstfürsorge getroffen wird, auch Helfer*innen treffen kann, wird über das Thema Burnout gesprochen. Auch Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche (z.B. HALT-Projekt), aber auch für Helfer*innen, sollen besprochen werden. 

Die Zahl der Seminarteilnehmer*innen ist auf 25 begrenzt. 

Die Teilnehmer*innen werden um aktive Mitarbeit gebeten (in Form von Impulsvorträgen). Teil des Seminarangebotes ist die selbständige Ausarbeitung eines Themas, das während des Seminares als Impulsvortrag (ca. 20 Minuten) vorgetragen wird. Das Thema kann auch in einer kleinen Gruppe von 2-3 Personen erarbeitet werden. Zu Beginn des Seminares soll das gewählte Thema vorbereitet sein.

WICHTIG: Die Themenliste findet sich in der angelegten Lehrveranstaltung in Stud.IP (Wiki). Um Doppelvergaben der Themen zu vermeiden, tragen Sie sich dort bitte bis spätestens 12.05.2021 ein.

Bitte Laptop mitbringen. Beamer ist vorhanden.

Prüfungsleistung: Klausur


Motzek-Öz | Psychosoziale Arbeit mit Geflüchteten

Mit Fluchtmigration gehen vielfältige subjektive Erfahrungen einher. Biographische und familiäre Brüche und Verluste, Gewalt vor und während der Flucht sowie massiv eingeschränkte Lebensbedingungen im Asylkontext können zu starken psychosozialen Belastungen und Beeinträchtigungen, wie z.B. posttraumatischen Belastungsstörungen, führen. Im Seminar beschäftigen wir uns mit den Bewältigungsvorstellungen und -kompetenzen und den oft transnationalen Lebenswelten geflüchteter Personen und Familien. Vor diesem Hintergrund werden Öffnungsprozesse der psychosozialen Regelversorgung und Ansätze der psychosozialen Beratung von geflüchteten Menschen diskutiert. Berücksichtigt werden z.B. Aspekte von Traumasensibilität, Mehrsprachigkeit und der Bedeutung von Kultur und Rassismus für psychosoziale Arbeit.

Prüfungsleistung: mündliche Prüfung


Seifert / Focke | Sucht – Ursachen, Auswirkungen, Therapie

Abhängigkeitserkrankungen zählen zu den häufigsten seelischen Erkrankungen, die nahezu alle Tätigkeitsbereiche der Sozialen Arbeit flankieren. Sucherkrankungen werden allerdings oft viel zu spät erkannt. Die Folgen sind für Betroffene, Angehörige aber auch die Gesellschaft / Wirtschaft fatal. Die Versorgung suchtkranker Menschen ist dabei nicht einheitlich und abgestimmt geregelt. Dem akutversorgenden System, welches primär durch die Krankenkassen finanziert ist, steht das klassische Suchthilfesystem mit der Rehabilitation als zentrales und durch die Deutsche Rentenversicherung finanziertes Behandlungsangebot gegenüber. Dabei werden im Reha-System langfristig deutlich bessere Behandlungsergebnisse erzielt als in der Akutversorgung (erheblich bessere Abstinenzquoten). Fatalerweise wird aber nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen (ca. 3%) in stationären Suchtrehabilitationseinrichtungen behandelt. Es dauert zudem im Schnitt fast 13 Jahre, bis ein suchtkranker Mensch eine Rehabilitationsbehandlung antritt, obgleich gemäß den aktuellen ärztlichen Leitlinien die Rehabilitation die anzustrebende Behandlung der Wahl sein sollte. Ursächlich für diese lange Zeitspanne sind zum einen die artifizielle Trennung der Kostenträgerstruktur (Krankenkasse vs. Rentenversicherung) mit den entsprechenden Barrieren an den Schnittstellen. Zum anderen trägt aber auch das „Wesen“, oder besser die Neurobiologie der Suchterkrankung, mit einem hohen Maß an Verleugnung und Abwehr wesentlich zur ungünstigen Versorgungslage bei.

Im Rahmen der angebotenen Lehrveranstaltung werden daher folgende Inhalte vermittelt:

  • Neurobiologische Grundlagen der Suchtentstehung und deren Bedeutung für die Behandlung (Neuroanatomie, Funktionsweise des Gehirns, wie entsteht Sucht?)
  • Überblick über die wesentlichen legalen und illegalen Suchtmittel sowie stoffungebundene Süchte (geschichtliche Hintergründe, Wirkungen, Folgen)
  • Vorstellung des Suchthilfesystems (Prävention, Rehabilitation, Nachsorge, Selbsthilfe, gesetzliche Grundlagen, ICF, bio-psycho-soziales Krankheitsmodell)

Im Rahmen einer praktischen Übung können Studierende ihr erworbenes Wissen im letzten Abschnitt der Vorlesung dann in Form von Patientengesprächen in Kleingruppen von 2-3 Studierenden anwenden (Suchtanamnese erstellen; individuelle Hintergründe der Suchtentstehung und deren Folgen eruieren). Wegen des Patientenkontaktes findet die Vorlesung in Blockform in der Fachklinik Erlengrund in Salzgitter Ringelheim statt.

Die Fachklinik ist über den Bahnhof in SZ-Ringelheim (ca. 10 Minuten Fußweg) auch gut mit der Bahn zu erreichen. Für die Mittagspausen (12.15 – 12.45 Uhr) besteht die Möglichkeit, in der Fachklinik für 4 € ein Mittagessen zu bestellen.

Das Seminar findet im SoSe 2021 online statt!

Teilnehmerbegrenzung: 24 Studierende
Die Anwesenheit während des gesamten Seminars wird erwartet.

Seminartermine am Freitag, 12.03., 19.03., 26.03. jeweils von 09:00 bis 15:00 Uhr

Prüfungsleistung: Bitte kontaktieren Sie die Dozierenden direkt!


Modul 12c

4. Semester


Aust | Berufliche Rehabilitation

Im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und dem Leitgedanken der Inklusion sollen alle Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit erhalten, ihrem Recht auf Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachzugehen. Dennoch wird die berufliche Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung in Deutschland nach wie vor primär durch Werkstätten für behinderte Menschen ermöglicht. Die menschenrechtliche Zulässigkeit der Werkstätten wird vermehrt infrage gestellt. Alternativen zu Werkstätten und aktuellen Entwicklungen werden u.a. in dieser Lehrveranstaltung unter Einbezug verschiedener Praxisstellen der Region beleuchtet. Außerdem wird die Eingliederung in den Beruf nach Erkrankungen (Betriebliches Eingliederungsmanagement) und die begleitete Umschulung in Berufsförderungswerken vorgestellt.


Motzek-Öz | Gesundheitsförderung im Kontext von Migration und Flucht

Das Seminar beschäftigt sich mit den komplexen sozialen Prozessen, die mit Migration und Flucht einhergehen und ihren Auswirkungen auf Gesundheit. Anhand von empirischer Forschung wird Migration in ihren biographisch-lebensweltlichen Zusammenhängen sowie mit Blick auf (familiäre) Generationen- und Geschlechterdynamiken betrachtet. Als Gesundheitsressourcen und -belastungen werden dabei nicht nur Migrationsursachen und -verläufe, sondern auch migrationsgesellschaftliche Aufnahme- und Teilhabebedingungen in Deutschland in den Blick genommen. Die Studierenden erarbeiten sich migrationsbezogene Kenntnisse und die Fähigkeit, in migrationsgesellschaftlichen Settings Potentiale für die Gesundheitsförderung auszumachen.

Prüfungsleistung: Hausarbeit


Sodomann | Gebärdensprache

In diesem Kurs wird die Welt der Gebärdensprache und die speziellen Eigenschaften der Gehörlosigkeit erlernt. Auch wird die deutsche Gebärdensprache mittels körperlichen, gestischen und mimischen Ausdrucksmöglichkeiten nähergebracht. Spezielle Anforderungen sind nicht notwendig, "aktive Mitarbeit" ist wünschenswert. Diese Lehrveranstaltung ist auf Initiative des FARA in das Lehrangebot aufgenommen worden. Sie soll prinzipiell für Studierende aller Semester zugänglich sein.


Modul 13a

5. Semester


Stölner | Sozialer Wandel und seine Auswirkungen auf AWO, Caritas, Diakonie & Co.

Im Seminar werden historische und theoretische Grundlagen, Fragen der Steuerung, organisatorische Strukturen sowie europäische Entwicklungen im Bereich der Sozialen Dienste behandelt. Darüber hinaus wird die Bedeutung sozialer Dienste in zentralen Politikfeldern skizziert sowie die Dienstleistungsbeziehungen aus der Perspektive der Professionellen und der Klienten bzw. Konsumenten betrachtet.


Modul 13c

5. Semester


Brenssell | Partizipative Praxisforschung in der Sozialen Arbeit

Partizipative Forschungsansätze folgen zwei Grundsätzen:
1. forschen „mit“ statt „über“ Menschen, d.h. sie beteiligen Menschen als Akteure am Forschungsprozess. 
2. Sie verfolgen einen emanzipatorischen Anspruch, d.h. sie wollen diskriminierende/ausschließende gesellschaftliche Bedingungen verändern.
Welche Möglichkeiten partizipativer Forschung gibt es? Wie lassen sich Methoden wie „ Photovoice“ im Rahmen des Studiums oder eine Abschlussarbeit umsetzen? Worin liegen Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen partizipativer Praxisforschung in der Sozialen Arbeit? In dem Seminar lernen Sie unterschiedliche Methoden und Projekte partizipativer Forschung kennen. Sie können Ideen für eigene Forschungsprojekte – z.B. im Rahmen Ihrer BA Arbeit - bekommen und diese im Rahmen des Seminars weiterentwickeln.  Oder wir können als Seminar gemeinsam ein kleines partizipatives  Forschungsprojekt entwickeln. 2017 zum Beispiel haben wir im Seminar zur Frage „Was denkst Du?“ gemeinsam eine Aktionsforschung an der Fakultät initiiert, aus der der Arbeitskreis Kritische Sozialarbeit hervorgegangen ist; 2018/19 haben wir einen OPEN SPACE zum Thema „Plastik und Soziale Arbeit“ veranstaltet.


Rost | Die Praxis qualitativer Forschung – Planung, Datensammlung und Analyse

Die Blockveranstaltung bietet eine Einführung in Grundlagen der qualitativen Sozialforschung sowie die Einübung elementarer Vorgehensweisen des qualitativen Forschens. Im Einzelnen umfasst das die methodologischen Grundlagen und die Planung des Forschungsprozesses (1. Tag), die Formen der Datenerhebung (2. Tag) und die Auswertung qualitativer Daten (3. Tag).

Die Teilnehmenden lernen, Ansprüche und Ergebnisse qualitativer Forschung angemessen einzuschätzen sowie eigene qualitative Forschungsprojekte – z.B. im Rahmen der Bachelorarbeit – planen und durchführen zu können.


Modul 14

4. Semester


Brenssell | Auswirkungen der Globalisierung auf die Soziale Arbeit

Noch vor kurzem wurde viel über drei transnationale Freihandelsabkommen diskutiert – CETA TTIP und TISA – die auch die Bedingungen Sozialer Arbeit nachhaltig beeinflussen würden.  Auch „Der Paritätische“ beteiligt sich an den Protesten und war auf der größten bundesweiten Demonstration gegen die geplanten Freihandelsabkommen 2015 präsent (http://www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/ceta-ttip-tisa-co/faq-zu-ceta-ttip-jefta-co/). Freihandelsabkommen sind nur ein Beispiel für globale Formen von Macht, die die Bedingungen und Spielräume der Sozialen Arbeit mitbestimmen.  Im Seminar lernen Sie internationale Akteure und Institutionen wie IWF, Weltbank, transnationale Konzerne kennen und wir werfen einen Blick auf die großen aktuellen Krisen – Finanzkrise, ökologische Krise, Klimakrise, Ernährungskrise … - um ihre globalen Zusammenhänge zu verstehen.

Was sind globale treibende Kräfte, Akteure und Konstellationen und wie gewinnen sie Einfluss auf die Soziale Arbeit? Anhand von Filmen und Texten gehen wir im Seminar folgenden Fragen nach:  welche lokalen sozialen Konsequenzen hat globale Politik? Welche Kritik wird formuliert, etwa vom Weltsozialforum oder von der globalisierungskritischen Bewegung? Welche Alternativen gibt es? Was wollen Bewegungen wie „Fridays for future“ „De-Growth“, „ Care-Revolution“, das „Weltsozialforum“ oder Nichtregierungsorganisationen wie „attac“ erreichen und wie deckt sich dies mit Zielen der Sozialen Arbeit? Das Seminar führt ein und greift aktuelle Themen auf.


Homuth | "... das ist doch Frauenarbeit" - Feministinnen, Pionierinnen und soziale Mütter. Frauen als Gründerinnen der Sozialen Arbeit.

Die Gründungsgeschichte der Sozialen Arbeit ist – nicht nur in Deutschland – maßgeblich von Frauen beeinflusst worden. Drei bedeutende Gründerinnen werden im ersten Teil des Seminars vorgestellt: Bertha Pappenheim (Frankfurt a.M.), Alice Salomon (Berlin) und Jane Addams (Chicago). Sie alle eint der Grundgedanke, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes besonders befähigt zur Sozialen Arbeit sind. In welcher Form sich der Einfluss von Weiblichkeit in der Profession allerdings zeigt – darauf geben sie unterschiedliche Antworten.

Im zweiten Seminarteil werden die historischen Ansätze einer kritischen Revision unterworfen: welchen Rolle spielt Geschlecht heute in der Sozialen Arbeit und sind geringe Entlohnung, niedriger Berufsstatus und unzureichender politischer Einfluss Folgen der ursprünglichen Betonung von Weiblichkeit in unserem Berufsfeld? Im Seminar werfen wir einen Blick auf die historische und soziokulturelle Situation, in der unsere Profession entwickelt wurde, um zu verstehen, warum die Gründerinnen Geschlecht, Weiblichkeit und soziale Mütterlichkeit als hilfreiche und wirkmächtige Dimensionen nutzten.

Prüfungsform: Referat


Küchler-Hendricks | Inklusion, Intersektionalität, Intersexualität: Diversität in der Sozialen Arbeit

Gesellschaft ist vielfältig und diese Vielfalt bezieht sich auch auf die Vielfalt der Identitäten, Lebens- und Liebesweisen. Vielfalt sollte ‚Normalfall‘ sein. Doch wie sehen die vielfältigen Realitäten unserer Klientel in der Sozialen Arbeit aus? Die Seminarstruktur sieht eine aktive Auseinandersetzung der Seminarteilnehmer*innen mit den Kategorien Bildung und Anerkennung hinsichtlich der Potentiale und Grenzen für die Gestaltung von Lern-, Entwicklungs- und Bildungsprozessen unter Inklusionsanspruch vor, der die Anerkennung von Gender, ethnischer Herkunft, religiöser Bindung, etc. thematisiert.


Stopczynski | Zwischen Wahn und Wirklichkeit, Internationale Kunst – Psychose – Kreativität

Wahn und Normalität bezeichnen Kategorien, durch die unsere Gesellschaft zur qualitativen Einordnung von menschlichen Verhaltensmustern gelangt. Was die Norm konstituiert und damit simultan ihr Pendant, den Wahnsinn, wird gesellschaftlich stets verhandelt und unterliegt keinen objektiven und festgelegten Definitionen. Im Gegenteil, die Sozialgeschichte lehrt uns, dass der „Wahnsinn“ stets dem Duktus der vorherrschenden Gesellschaft unterlag – ob als „nützlicher Wahnsinn“ in der Antike oder „unnütze Bedrohung“ der neuen rationalen Ordnung im 18.Jahrhundert. Erst durch die institutionelle Definition von Normalität konnte Wahnsinn als außergewöhnliches Phänomen menschlichen Verhaltens Beachtung finden: Bezeichnung durch Entgrenzung. Betrachtet man daher die Geschichte der Pathologie im Hinblick auf den Wahnsinn, so lässt sich eine stetige Grenzverschiebung bis hin zu der diskutierten Auflösung von Norm und Wahn als antagonistische Kategorien feststellen. Die Kunst hat sich diese Grenzverschiebung seit jeher zu Eigen gemacht und konventionelle Verhaltensmuster Sichtweisen und soziale Rollen (Gender etc.) hinterfragt und aktive verändert. Ihre entgrenzende gesellschaftliche Funktion hat der Volksmund durch die Bezeichnung „ verrückter Künstler“ oder „wahnsinniges Genie“ stets Rechnung getragen. In der Kunst haben sich so Methoden entwickelt diese Grenzüberschreitungen zu provozieren – oftmals wird gerade daran der Grad der Kreativität oder der Wert des Künstlerischen bemessen. Diese Kreativität findet sich ebenfalls in bildnerischen Arbeiten psychisch erkrankter Menschen wieder, welche aber aus der Kunstwelt eine andere Beurteilung erfahren. Anhand dieser Widersprüchlichkeit bekommt der komplexe theoretische Diskurs eine Zugänglichkeit.

In diesem Seminar werden wir verschiedene aktuelle Organisationsformen der bildnerisch tätigen Menschen mit psychischer Erkrankung untersuchen, um die Herausforderungen und Schwierigkeiten des aktuellen Diskurs zur Ausgrenzung psychisch kranker Menschen zu thematisieren. In Betrachtung einzelner Fallbeispiele, wie der „Die Schlumper“ in Hamburg, Atelier „Zinnober“ in Magdeburg, Radio „La Colifata“ in Buenos Aires, „ Shobu Gakuen“ in Japan und der Einrichtung „Kaos“ in Brüssel werden wir einen internationalen Überblick verschiedener Herangehensweisen im Umgang mit Art Brut gewinnen und über die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung sprechen.


5. Semester


Baur | Schulsozialarbeit im Aufwind

Der Ausbau der Schulsozialarbeit erfolgt bundesweit und bildet damit ein expandierendes Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit ab. Die Trägerstruktur zeigt sich allerdings in den Bundesländern unterschiedlich. Mit Einführung des Erlasses „Soziale Arbeit in schulischer Verantwortung“ hat in Niedersachsen eine umfassende Strukturreform der Schulsozialarbeit eingesetzt, die eine Landesverantwortung für den Ausbau signalisiert. In der Lehrveranstaltung wird danach gefragt, wie sich die multiprofessionelle Kooperation an den Schulen zeigt, welche diversitätssensiblen Handlungsansätze entwickelt werden und wie die Qualitätsentwicklung an Schulen durch Schulsozialarbeit vorangetrieben wird.

Expert*innen aus der Praxis, der Landesschulbehörde und der kommunalen Jugendhilfe in Niedersachsen sind geladene Gäste in der Lehrveranstaltung und bringen ihre Perspektiven auf die Handlungsfelder, Kooperationen und Entwicklungsmöglichkeiten in der Schulsozialarbeit ein.


Brombach | Toxische Männlichkeit - verklärte Weiblichkeit! Geschlechterzuschreibungen und ihre Folgen für die Soziale Arbeit

Geschlechterrollen sind weiterhin in unserer Gesellschaft erlebbar! Trotz rechtlicher Gleichstellung werden Menschen unterschiedlichen Geschlechts ‚geschlechtstypische‘ Eigenschaften zugeschrieben, ‚geschlechtsadäquate‘ Funktionen erteilt und damit soziale Ungleichheiten geschaffen. Nicht allein der 'Gender pay gap' auch die Verteilung von Fürsorgearbeiten (care) auf Frauen und berufliche Tätigkeiten im technisch-naturwissenschaftlichen Arbeitsfeld (MINT) auf Männer geben hierfür Beispiele. 

Ausgehend von eigenen Erfahrungen und anknüpfend an literaturgestützter Erarbeitung ausgewählter Gendertheorien (z.B. Bourdieu, Bönisch/Funk, Brückner, Butler, u.a.) soll in diesem Seminar exemplarisch an den Themen Gewalt, Transkulturalität und Gleichstellung der Einfluss von gender und diversity erarbeitet werden. Geladene Praktiker*innen aus diesen Arbeitsfeldern werden mit uns in eine Theorie-Praxis-Reflexion eintreten.

Das Seminar findet an drei Blocktagen statt.

Prüfungsform:  Referat


Eckhardt | Postkoloniale und Dekoloniale Perspektiven auf Soziale Arbeit

Nach Castro Varela und Jusuf (2020) kann eine postkoloniale Perspektive den Blick für globale, transnationale Exklusionsprozesse eröffnen und somit einen in den Sozialwissenschaften und Sozialarbeitswissenschaften sehr verbreiteten methodologischen Nationalismus überschreiten:

Postkoloniale und Dekoloniale Theorien können auf vielfältige Weise zur Untersuchung von Ausschließung produktiv gemacht werden. Sowohl in der deutsch- als auch englischssprachigen Forschungsliteratur existieren aber bislang kaum systematische Auseinandersetzungen mit sozialen Ausschlüssen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Diskurse über und Praktiken von Ausschließung anhand postkolonialer Theorien zu fokussieren und folgerichtig auf ihre Beziehung zu aktuellen gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen hin zu befragen.

In diesem Seminar werden wir uns postkolonialen und dekolonialen Theorien auf gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen erarbeiten und ihre Relevanz für die Soziale Arbeit diskutieren.

Prüfungsform:  Referat


Kresimon | Transnationale Perspektiven auf Integration und Inklusion

In der sozialen Arbeit spielen die Themen der Integration und Inklusion eine herausragende Rolle. In den verschiedenen Ländern Europas hat die jeweils spezifische kulturelle, soziale und politische Entwicklung der gesellschaftlichen und ökonomischen Kontexte zu unterschiedlichen Ansätzen und Strategien sozialer Arbeit und der Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit und Ausgrenzung geführt.

In einer zunehmend interkulturellen Gesellschaft ist es ist für uns nicht nur wichtig sondern auch hilfreich und spannend, Modelle sozialer Arbeit kritisch vergleichen zu können und diese als bereichernd in unsere Kompetenzen und Handlungsansätze zu integrieren.

Insbesondere in den Bereichen der Inklusion von behinderten Kindern in das normale Schulsystem, wie auch der Inklusion von Menschen mit psychiatrischen Problemhintergründen, kann Italien auf eine rund 40 jahrelange Tradition zurückblicken, weit vor den Forderungen der UN Behindertenkonvention von 2006.

Diese Geschichte, wie auch die Methoden (z.B. Sozialraumorientierung, Inklusionsförderung in Schulen) und Instrumente (z. B. soziale Unternehmen – Kooperativen zur Arbeitsintegration) die dort entstanden sind, werden wir in dem Blockseminar näher betrachten und deren Bedeutung auch für die soziale Arbeit in Deutschland analysieren.


Mouratidis | Interkulturelle Kommunikation und Beratung im Praxisfeld der Sozialen Arbeit

Zunehmend erforderlich ist die Interkulturelle Kommunikation in der Sozialarbeit, in der schulischen sowie in der beruflichen Bildung. Das alltägliche Zusammentreffen von Deutschen und Zugewanderten ist längst Realität. Wir leben - insbesondere in den städtischen Ballungsräumen - in einer multikulturellen Gesell-schaft.

Die Studierenden sollen interkulturelle Kommunikation verstehen, entwickeln und in ihrer Arbeit anwenden. Durch die theoretische als auch praktische Auseinandersetzung sollen die Teilnehmer/innen unterstützt werden, in der Arbeit mit den Klient/innen einen vorurteilsfreien und offenen Umgang zu erreichen. Dazu wird eine Reihe von Übungen durchgeführt die in der interkulturellen Beratung Anwendung finden. Im ersten Drittel des Seminares erfolgt die Vermittlung von literaturgestützter Theorie (Vortrag durch Power Point, Gruppenarbeit, Verteilung von Handouts), im zweiten Drittel erfolgen die Übungen (Sensibilisierung für interkulturelle Aspekte, Meine Wurzeln, Stereotyp und Vorurteile, Kommunikation und Handeln im interkulturellen Kontext). Im letzten Drittel erfolgt eine Reflexion der gewonnen Erkenntnisse.


Modul 15

6. Semester


Diverse Lehrende | Qualitätsentwicklung durch supervisionsorientierte Verfahren

Supervisionsorientierte Verfahren dienen der Reflexion professionellen Handelns von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. In der Lehrveranstaltung stehen Selbstwahrnehmung und Selbsterfahrung der Studierenden im Mittelpunkt, da persönliche Reflexionsfähigkeit in der Praxis für gute Soziale Arbeit unerlässlich ist. Die im Seminar besprochenen Themen werden entsprechend der supervisorischen Verschwiegenheitsverpflichtung vertraulich behandelt.

Neben grundlegenden Informationen erhalten Sie einen Einblick in die Arbeitsformen Supervision, Coaching und Kollegiale Beratung. Erwartet wird eine verbindliche aktive Mitarbeit. Die Inhalte der Lehrveranstaltung sind Bestandteil der Modulprüfung M 15.


Jahn | Berufsspez. Fallseminar - Betriebssozialarbeit

In der Arbeitswelt spielt die Betriebssozialarbeit eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten. In dem Seminar werden der Nutzen der Betriebssozialarbeit, das abwechslungsreiche Aufgabengebiet für Sozialpädagog*innen / Sozialarbeiter*innen und die vielfältigen Methoden- und Interventionsmöglichkeiten in und für Betriebe aufgezeigt.

Die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche in der Betriebssozialarbeit werden u.a. auch durch den Einbezug diverser Praxisvertreter (VW, SZST, KMU) zusätzlich zu den Themen Beratung, Coaching, Supervision vorgestellt. Ergänzend wird ein geschichtlicher Einblick geboten und die Messbarkeit der Wirkung von Betriebssozialarbeit hinterfragt. Aktuelle Themenbetrachtungen der Personalentwicklung, des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) sowie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) runden das Seminarangebot ab.

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