Teilhabe- und Versorgungsforschung

Das Forschungsfeld zeichnet sich durch interdisziplinäre Forschung in den Bereichen Soziales, Technik, Gesundheit, Recht und Ökonomie aus. Besondere Forschungsschwerpunkte sind Versorgung im Gesundheitswesen (Strukturen, Prozesse und Ergebnisse), sowie technische und soziale Lösungen zur Unterstützung der Teilhabemöglichkeiten von vulnerablen Personen und Organisationen.

 

Aktiv in dem Forschungsfeld sind:

Fakultät Elektrotechnik

Fakultät Gesundheitswesen

Fakultät Informatik

Fakultät Soziale Arbeit

  

   Zitat   Wir sind alle Querdenker

Sie kommen aus unterschiedlichen Fächern und haben doch vieles gemeinsam: die Professorinnen Sandra Verena Müller (Fakultät Soziale Arbeit), Ina Schiering (Informatik) und Martina Hasseler (Gesundheitswesen). Im Interview erzählen die drei, was sie eint, was das Ziel des Forschungsfelds Teilhabe- und Versorgungsforschung ist – und warum ihre Forschung gerade jetzt besonders wichtig ist.

Teilhabe- und Versorgungsforschung im Interview


Gesundheitswesen, Soziale Arbeit, Informatik und Elektrotechnik – in der Teilhabe- und Versorgungsforschung arbeiten diese vier Ostfalia-Fakultäten Hand in Hand. Warum lösen sich hier die Grenzen der Fächer auf?

Martina Hasseler: Weil wir nur so auf neue Ideen kommen können. Wir arbeiten an technischen und sozialen Lösungen, um die Versorgung im Gesundheitswesen und die Teilhabemöglichkeiten von – wie wir in der Wissenschaft sagen – vulnerablen Menschen zu verbessern. Und das gelingt uns nur, indem wir uns mit Forschern umgeben, die anders denken als wir selbst. In der Teilhabe- und Versorgungsforschung sind wir alle Querdenker.

Ina Schiering: Wir sind Teil eines Generationswechsels. Die Hochschule erfüllt heute eine andere Rolle als noch vor ein paar Jahren. Viele gesellschaftlichen Probleme können wir nur dann in den Griff bekommen, wenn wir keine Scheuklappen tragen und interdisziplinär arbeiten.

 


Viele Techniker wie Ingenieure, Informatiker und Elektrotechniker arbeiten unter Ihrem Forschungsdach. Was sind die Gründe dafür?

Ina Schiering: Die fortschreitende Digitalisierung und der Siegeszug des Smartphones. Die technischen Anwendungen bieten uns in der Teilhabe- und Versorgungsforschung viel Potenzial. Ein einfaches Beispiel: Mit der Smartwatch können wir Menschen mit Störungen der Exekutivfunktionen, also ihrer Handlungsplanung, helfen, die alltäglichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Indem die Uhr ihnen das Signal gibt, ihren Einkauf zu erledigen oder den nächsten Bus zu erreichen.

 


Was verbindet Sie drei und Ihre Forscherkolleginnen und -kollegen miteinander?

Sandra Verena Müller: Das gemeinsame Ziel. Wir wollen mehr Menschen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglichen: dass sie ihren Alltag selbstständig organisieren, einem Beruf nachgehen können oder am kulturellen Leben teilnehmen können. Unsere Zielgruppen sind sehr unterschiedlich, beispielsweise Schlaganfall-, Tumor- und Schädel-Hirn-Trauma-Patienten und Menschen mit geistiger Behinderung.

 


Was ist eines Ihrer Projekte?

Sandra Verena Müller: Wir haben erstmalig in Deutschland ein Verfahren zur Demenzfrüherkennung und Verlaufsdiagnostik für Menschen mit geistiger Behinderung entwickelt. Die Kenntnis einer Demenz oder des Verdachts ermöglicht sowohl den Erkrankten als auch ihren Angehörigen und den Mitarbeitern der Einrichtungen, in denen sie leben, sich auf die Situation einzustellen und ihnen somit eine angemessene Behandlung zukommen zu lassen.

 


Sie forschen mit Menschen für Menschen. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Ina Schiering: Als Informatikerin sind IT-Sicherheit und Datenschutz mein Fachgebiet. In Deutschland gilt das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Das heißt, Menschen entscheiden selbst darüber, was mit ihren persönlichen Daten passiert. Weil wir mit sensiblen Informationen arbeiten, die nicht nach außen dringen dürfen, ist es meine Aufgabe, die Rechte der Menschen zu stärken – zum Beispiel, indem wir datensparsam arbeiten und Daten möglichst anonymisieren oder pseudonymisieren.

Sandra Verena Müller: Die Senatskommission für Forschungsethik, deren Vorsitzende ich bin, begutachtet jeden Forschungsantrag, ob er den ethischen Kriterien entspricht: Ob die Teilnehmer der Studie richtig über ihre Rechte aufgeklärt werden, welche Daten erhoben und wie sie weiterverarbeitet werden. Wenn der Antragsteller die Kriterien nicht erfüllt, stellen wir Nachforderungen.

Martina Hasseler: Wir arbeiten mit Menschen zusammen, die aufgrund ihrer körperlichen und seelischen Konstitution besonders verletzlich sind. Umso wichtiger ist es, dass wir das Forschungsdesign wohlüberlegt planen.

 


Warum ist Ihre Forschung gerade jetzt besonders wichtig?

Martina Hasseler: Immer mehr Menschen im Bereich der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung erfahren Qualitätsdefizite. Stichwort: Fachkräftemangel. Dass die Unterversorgung in der Langzeitpflege nicht nur eine Vorstellung, sondern Wirklichkeit ist, lässt sich nur durch unsere Studien feststellen. Wir betreiben angewandte Forschung und wollen mit unseren Projekten beitragen, dass die Gesundheitsversorgung besser wird.

 


Verändert Ihre Forschung die Gesellschaft?

Martina Hasseler: Wir nehmen die Trends der Gesellschaft auf. Um die Gesellschaft dann, im Idealfall, zu verändern.

Sandra Verena Müller: Wir antizipieren Veränderungen und reagieren darauf. Vom demografischen Wandel bis zur Migration kommen viele Herausforderungen auf uns zu. Wir beschäftigen uns jetzt schon damit, wie wir in zwanzig Jahren leben wollen.  

 


Warum ist die Ostfalia ein guter Ort, um zu forschen?

Sandra Verena Müller: Weil die Ostfalia sehr forschungsfreudig ist...

Martina Hasseler: …und mich meine Hochschule mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fakultäten zusammenbringt.

Ina Schiering: Interdisziplinarität ist unser Erfolgsfaktor.

 


Zu guter Letzt: Wie erklären Sie mit einem Satz, warum Ihnen Ihre Arbeit Spaß macht?

Sandra Verena Müller: Weil ich mich jeden Tag mit wichtigen gesellschaftlichen Themen befasse und Erkenntnisse gewinne, die den Menschen nutzen.

Ina Schiering: Weil ich den Menschen helfen kann, ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrzunehmen – und weil ich im Umfeld Hochschule mit vielen jungen und interessanten Leuten zu tun habe.

Martina Hasseler: Das Wissen in meinem Fachgebiet erweitern und gleichzeitig die Gesundheitsversorgung verbessern – das ist meine Motivation.

  

Laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte

  • Demenzarbeit bei geistiger Behinderung - Maßnahmen zur Begleitung und Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz (DAGBE)

  • Einschätzung gesundheitlicher und pflegerischer Bedarfe von Menschen mit geistigen und/oder mehrfachen Behinderungen in stationären und ambulanten Wohneinrichtungen - Entwicklung und Testung eines Einschätzungsinstrumentes (EIBeMeB)

  • Gemeinsamer HausbEsuch von HausaRzt und amBulanter Pflegekraft zur REduktion von Re-HospiTalisierung bei älteren Patienten mit Pflegebedarf – HERBERT

  • IT-basiertes Human-Ressource Management im regionalen Klinikverbund, Teil I und Teil II

  • Lebenslanges Lernen an Hochschulen: ein Trainings-Programm für nicht-traditionell Studierende (ToPntS)

  • Aufbau berufsbegleitender Studienangebote in den Pflege- und Gesundheitswissenschaften (PuG)

  • Regionale Weiterbildungspotenziale als Basis für die Kopetenzetwicklung von Gesundheitsfachpersoal (regioWB - Folgeprojekt: KeGL)

  • Verbundprojekt: Kompetenzentwicklung von Gesundheitsfachpersonal im Kontext des lebenslangen Lernens - KeGL; Teilvorhaben: Regionale Weiterbildungspotenziale für die Kompetenzentwicklung von Gesundheitsfachpersonal

  • Wissenschaftliche Begleitung des Nationalen Aktionsplans für Menschen mit Seltenen Erkrankungen - Entwicklung und Implementierung eines Evaluationskonzepts (WB-NAPSE)

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