Premierministerin Sanae Takaichi hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Japan einen Erdrutschsieg eingefahren. Gibt es nun gute Gründe für einen Dialog mit den Finanzmärkten?
Nach der Wahl in Japan halten die Märkte auf jeden Fall erst einmal still, der Yen wertet ein wenig auf. Die Zinsen langfristiger japanischer Staatsanleihen liegen weiter unter dem Crash Niveau am Tage der Ankündigung von Neuwahlen und Steuersenkungen im Januar.
Ist das die Ruhe vor dem Sturm oder schlicht das Kalkül, dass (die Schlagzeugerin) Takaichi nach so vielen Schlägen auf die Pauke jetzt nach dem Erdrutschsieg die lauten Töne gar nicht mehr so nötig hat und ihr Programm im Dialog mit den Märkten durchsetzen will?
Ob dieses Kalkül aufgehen kann, hat Prof. Dr. Olaf Schlotmann in der 17. Ausgabe seines Videocast analysiert.
Wer jedenfalls wie Takaichi die japanische Zentralbank dazu auffordert, im Alleingang weiter negative Realzinsen zu fahren, kann damit mittelfristig kaum eine stärkere Währung herbeireden. Der schwache Yen diktiert die notwendige Zinspolitik der japanischen Zentralbank, die allein fast 2 Jahre gebraucht hat, um den Zins überhaupt auf 0,75% zu hieven. Die Physik kennt den Begriff der kommunizierenden Röhren; der Ökonom Rudiger Dornbusch nutzte die Zusammenhänge für sein Modell zur Erklärung überschießender Wechselkurse.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die EZB jüngst in einer ganz anderen Situation darauf hingewiesen hat, dass eine weitere Aufwertung des Euros gegenüber dem USD auch noch einmal Zinssenkungen auslösen könnte, wenn die Inflationsrate in der Eurozone als Folge der Aufwertung weiter fiele.