Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft würdigt am 11. Februar die Rolle von Mädchen und Frauen in Wissenschaft und Technologie. Im Interview gibt Prof. Dr. Ina Schiering, Vizepräsidentin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Einblicke in ihren persönlichen Werdegang als Frau in der Wissenschaft. Vor diesem Hintergrund gibt sie Tipps und Anregungen für junge Mädchen und Frauen, die ebenfalls eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben.
Vera Huber, Ostfalia-Redaktion: Welche Bedeutung hat der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft für Sie?
Prof. Dr. Ina Schiering: Aus meiner Sicht ist es wichtig, für Frauen und Mädchen – und im Rahmen der Diversität auch für andere unterrepräsentierte Gruppen – die Chancen erlebbar zu machen, mit Wissenschaft und Technologie unsere Gesellschaft zu gestalten. Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft bietet eine Plattform, um diese Chancen zu betonen und Vorbilder zu präsentieren, die junge Frauen inspirieren können.
Karrieretipps für Mädchen und Frauen in der Wissenschaft
Welche Tipps können Sie Frauen und Mädchen geben, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben?
Prof. Schiering: Sie sollten ihren eigenen Weg gehen und es sich dabei trauen, auch ungewöhnliche Themen zu adressieren oder Themen anders zu denken. Wichtig ist es dabei, sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein und Erfahrungen zu sammeln. Die Basis aus meiner Erfahrung ist dabei ein tragfähiges, stabiles Netzwerk. Netzwerken und der Austausch mit anderen können wertvolle Unterstützung und Inspiration bieten.
Wie würden Sie selbst den Verlauf Ihrer Karriere beschreiben?
Prof. Schiering: Zentral für mich in meiner beruflichen Entwicklung ist die Neugier und der Wunsch zu gestalten. Besonders die Arbeit in interdisziplinären Teams und die Chance, in neuen für mich relevanten Themengebieten und Kontexten zu forschen und zu arbeiten, macht meine Arbeit spannend. Mein Forschungs- und Lehrgebiet IT-Sicherheit und Datenschutz bietet dazu viel Potenzial. Der Wechsel zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die Einarbeitung in neue interdisziplinäre Anwendungsgebiete und seit kurzem meine Rolle als Vizepräsidentin ergeben für mich Chancen zur persönlichen Weiterentwicklung.
Mehr Sichtbarkeit für Frauen in MINT-Fächern
Wie kann es gelingen, die Teilhabe von Mädchen und Frauen in der Wissenschaft zu erhöhen?
Prof. Schiering: Hier bin ich neugierig, welche Ansätze und Ideen dazu erfolgreich erprobt wurden und würde mich freuen, Neues auszuprobieren. Trotz vieler Maßnahmen, um mehr Mädchen und Frauen für technische Fächer zu interessieren, sind die Anteile der weiblichen Studierenden und Wissenschaftlerinnen in MINT-Fächern in den letzten Jahren nicht signifikant gestiegen. Dieser Trend beginnt bereits in der Schule und setzt sich bei der Studien- und Berufswahl fort. Es ist wichtig, frühzeitig Interesse zu wecken und Vorbilder zu schaffen, die zeigen, dass eine Karriere in Wissenschaft und Technologie erreichbar ist.
Was hat Sie selbst für eine Karriere in Wissenschaft und Technologie motiviert?
Prof. Schiering: Während meines Studiums der Informatik und der anschließenden Promotion hat mich die große Bandbreite der Themen und Anwendungsbereiche von Informatik und Technologien allgemein begeistert. Die Digitale Transformation hat bis heute das Potenzial, Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten. Im Anschluss an meine Promotion in Theoretischer Informatik habe ich bewusst als Beraterin und Projektleiterin Praxiserfahrung in der Wirtschaft gesammelt. Durch Projekte in verschiedenen Branchen und internationale Kontakte konnte ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Die Möglichkeit, Theorie und Praxis zusammenzudenken, mich immer wieder mit Innovationen zu beschäftigen und meine Erfahrungen an Studierende weiterzugeben, hat mich motiviert, im Rahmen der Hochschule diese Themen in Forschung, Lehre und Transfer voranzubringen.
Gibt es eine Person, die Sie in diesem Zusammenhang besonders inspiriert hat?
Prof. Schiering: Im Bereich der Wissenschaft hat mich mein Doktorvater besonders inspiriert. Er hat alle Personen in unserer Arbeitsgruppe individuell und mit viel Empathie bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt und sich immer für Nachwuchswissenschaftler*innen engagiert. Daneben haben mich viele Menschen aus meinem beruflichen Netzwerk in Wissenschaft und Praxis teilweise über viele Jahre begleitet. Von diesen Menschen bekomme ich viele wichtige Impulse und kann Themen diskutieren und kritisch reflektieren.
Die Ostfalia unterstützt Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere – beispielsweise als Professorin – anstreben. Weiterührende Informationen sowie Kontakt für einen persönlichen Austausch gibt es hier