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Ostfalia-Campus Suderburg: Fotoreihe über soziale Unterschiede

Aktuelles , , Fakultät Handel und Soziale Arbeit , Von: Britta Radkowsky

Die Fotos von Magdalena Bausch, die vom 19. bis 29. Mai am Campus Suderburg gezeigt werden, veranschaulichen, wie schnell wir Menschen nach Herkunft einordnen.

Soziologin Magdalena Bausch betrachtet ihre Bilder.
Anlässlich des Diversity Tages: Die Fotoreihe über soziale Unterschiede Soziologin Magdalena Bausch werden am Campus Suderburg gezeigt. Foto: Caroline Haubold/Ostfalia

Die Ausstellung “Klassismus sichtbar machen”, die im Rahmen des Diversity Tages (19. Mai 2026) an der Ostfalia gezeigt wird, machte zunächst am Campus Wolfsburg Station und ist jetzt am Campus Suderburg zu sehen. Die von der Soziologin Magdalena Bausch im Rahmen einer Forschungsarbeit entwickelte Fotoreihe basiert auf Pierre Bourdieus Studie “Die feinen Unterschiede” und macht soziale Ungleichheit sowie Klassismus über inszenierte Bildwelten erfahrbar. Wohnhäuser, Interieurs und Porträts werden dabei so gegenübergestellt, dass sie alltägliche Zuschreibungen und Vorurteile sichtbar machen. Die Ausstellung lädt dazu ein, eigene Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen und die Mechanismen sozialer Einordnung kritisch zu reflektieren.

Organisiert wurde die Ausstellung von einer hochschulübergreifenden Vorbereitungsgruppe aus den Bereichen Gleichstellung, Diversity, Personalentwicklung und Lehre. Zu ihr gehören Kyra Jantzen (dezentrale Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät G in Wolfsburg), Yvonne Neuse (Lerncoaching Suderburg), Caroline Haubold (Personalentwicklung, Gesundheitsmanagement und Hochschulsport), Timo Schreiner (Diversity-Beauftragter und Professor für Kinder- und Jugendhilfe an der Fakultät Soziale Arbeit in Wolfenbüttel) sowie Regina Schwichtenberg (Gleichstellungsbüro).

Wir haben mit Kyra Jantzen, dezentrale Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät Fakultät Gesundheitswesen, gesprochen und ihr einige Fragen gestellt.

Britta Radkowsky, Ostfalia-Redaktion: Was macht die Ausstellung "Klassismus sichtbar machen" gerade im Hochschulkontext besonders relevant?

Kyra Jantzen: Als Bildungsinstitution ist Hochschule ein Ort, an dem gesellschaftliche Gleichheit und Ungleichheit reproduziert wird. Einerseits weil der Zugang zu hochschulischer Bildung reglementiert wird, andererseits weil wir mit den von uns vergebenen Abschlüssen Türen für berufliche Entwicklung öffnen oder verschließen.

Gleichzeitig wird an Hochschulen eine ganz eigene Sprache gesprochen. Es gibt ‘versteckte’ Regeln, die aber nicht transparent mitgeteilt werden. Durch diese ‘Codes’ werden mitunter Menschen ausgeschlossen, die in ihrem bisherigen Leben noch keinen Kontakt hatten mit dieser Sprache und mit diesen Regeln. Das macht es für manche Studierende schwer, sich in der Hochschule zurecht zu finden und sich zugehörig zu fühlen. Eine große Gruppe dieser Studierenden sind ‘First Generation Students’, also all jene Studierende, die die ersten in ihrer Familie sind, die ein Studium beginnen.

Die Ausstellung 'Klassismus sichtbar machen' kann einen Rahmen bieten, in dem wir darüber nachdenken, welche Alltagsbilder wir gewohnt sind, welche wir weniger gewohnt sind, was wir vor diesem Hintergrund für uns als 'Normal' verstehen und wo wir aus dieser Gewohnheit heraus andere als unsere eigene Lebensrealität übersehen und nicht mitdenken.

Die Fotoreihe spielt bewusst mit unseren spontanen Zuschreibungen: Was sollen die Besucher*innen beim Betrachten über sich selbst lernen?

Kyra Jantzen: Die Ausstellung kann uns erleben lassen, wie schnell wir Urteile über die gesellschaftliche Position einer Person fällen. Von diesem Punkt aus können wir beginnen darüber nachzudenken, wie diese Urteile unser Denken und Handeln prägen.

Klassismus wird oft weniger sichtbar diskutiert als andere Diskriminierungsformen. Warum ist es wichtig, dieses Thema stärker in den Fokus zu rücken?

Kyra Jantzen: Wir stimmen zu, dass Klassismus mitunter wenig Sichtbarkeit erfährt. Vielleicht auch, weil es eben nicht so leicht ‘sichtbar’ ist. Dabei gilt jedoch: Wir alle positionieren uns in der Gesellschaft, verfügen über unterschiedliche Ressourcen und treffen unsere Entscheidungen aus der Logik unserer eigenen Position heraus. Tun wir dies als Hochschule unreflektiert, bedeutet es, dass wir viele kluge Menschen aus unserer Institution ausschließen, weil wir den Zugang sehr erschweren. Gleichzeitig entsteht schnell der Eindruck, dass die eigene soziale Positioniertheit das Ergebnis eigener Entscheidungen wäre. Über Klassimsus nachzudenken kann dabei helfen, zu verstehen, dass die Art, wie wir Aufwachsen einen sehr großen Einfluss darauf hat, welche Türen sich im Laufe unseres Lebens für uns öffnen und warum manche Türen verschlossen bleiben.

Die Ausstellung war erst in Wolfsburg und ist nun weiter nach Suderburg gewandert – welche Bedeutung haben solche standortübergreifenden Formate für die Gleichstellungsarbeit?

Kyra Jantzen: Neben den Auststellungsorten Wolfsburg und Suderburg schaffen wir am 28.04.2026 mit der hybriden Ausstellungseröffnung auch die Möglichkeit der digitalen Teilnahme. Wir möchten einerseits möglichst niedrigschwellig vielen Menschen ermöglichen, die Ausstellung zu sehen. Gleichzeitig bedeutet diese standortübergeifende Arbeit für uns als Ostfalia auch, dass wir es als Teil unseres Auftrags verstehen, die Vielfalt von Lebensrealitäten sichtbar zu machen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Wie in Wolfsburg wird es auch in Suderburg einen Gallery Walk geben: Was erwartet die Teilnehmenden dabei und wie kann diese Führung den Blick auf die Ausstellung verändern?

Kyra Jantzen: Die Gallery Walks bieten die Möglichkeit, gemeinsam mit einer Gruppe eigene Eindrücke zu reflektieren, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen. Sie bieten die Möglichkeit, noch etwas tiefer in das Thema Klassismus einzusteigen und können dazu einladen, einen eigenen Zugang zu den Bildern zu finden.

Ausstellungszeiten und Veranstaltungen

19.05. – 29.05. | Suderburg | Gebäude G, Mensafoyer | Herbert-Meyer-Str. 7

27.05., 12:15 Uhr Impulsvortrag und Gallery Walk mit Professor Dr. Jörg Plöger

Hintergrundinformationen

Einen Einblick in die Arbeit von Magdalena Bausch bietet der Beitrag auf Baden TV Süd (externer Link, öffnet neues Fenster).  

In seiner Studie “Die feinen Unterschiede” untersucht der französische Soziologe Pierre Bourdieu soziale Unterschiede anhand des Analysegegenstands Geschmack, den er als verinnerlichte Prägungen und Ausdruck der sozialen Herkunft von Menschen versteht. Nach Bourdieus Kapitaltheorie sind die gesellschaftliche Position, Erfolg und Einfluss einer Person maßgeblich durch die Anhäufung und Verkörperung ("Inkorporation") verschiedener Kapitalsorten bestimmt. Darunter zählt er neben ökonomischem auch kulturelles, soziales und symbolisches Kapital. Die verschiedenen Kapitalsorten können sich dabei gegenseitig verschränken, sich verstärken und auch ineinander umgewandelt werden. Anhand des Konzepts des Habitus, das Bourdieu als verinnerlichtes und verkörpertes Kapital entwirft, beschreibt und analysiert er die Prägung und Weitergabe der sozialen Position von Individuen über Generationen durch die soziale Herkunft.
 

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