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„Ich hätte mir selbst nie zugetraut, zu studieren, aber jetzt stehe ich kurz vor dem Abschluss“

Aktuelles , , Fakultät Verkehr-Sport-Tourismus-Medien , Von: Mandy Fleer

Vom Realschulabschluss über Rückschläge zum Studium: Matthew Brewster berichtet offen von Zweifeln, Rückschlägen und dem Mut, neu zu starten.

Porträt von Matthew Brewster
Aus der Logistikpraxis ins Studium: Matthew Brewster studiert Logistikmanagement an der Ostfalia, um beruflich mehr Perspektiven zu haben. Foto: Matthew Brewster/privat

Matthew Brewster (29) studiert Logistikmanagement am Ostfalia-Campus Salzgitter. Sein Weg ins Studium war alles andere als geradlinig: Realschulabschluss, Ausbildung, mehrere Jobs in der operativen Logistik, Zweifel, Rückschläge und schließlich der Schritt ins Studium. Heute hat er alle Prüfungen bestanden, sein Praxissemester bei Bosch abgeschlossen und startet jetzt mit seiner Bachelorarbeit. Im Interview erzählt Matthew offen von seinem Weg, seinen Sorgen und warum sich der Mut zum Studium gelohnt hat. 

Matthew, wie war dein Weg von der Schule bis zum Studium an der Ostfalia

Ziemlich holprig, ehrlich gesagt. Ich habe nach der Realschule versucht, aufs Gymnasium zu gehen, bin dort aber überfordert gewesen. Danach war ich auf einer Berufsfachschule, aber das habe ich auch nicht geschafft. Ich habe dann eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik gemacht und mehrere Jahre in dem Beruf gearbeitet. Ich habe ganz gutes Geld verdient, aber die Arbeit war oft monoton und ich habe gemerkt: Das kann es noch nicht gewesen sein.

Gab es einen bestimmten Wendepunkt?

Ja, Corona. Mein befristeter Vertrag wurde nicht verlängert, ich war plötzlich wieder auf dem Arbeitsmarkt und habe erlebt, wie wenig Perspektiven ich ohne weitere Qualifikationen habe. Über einen Freund kam dann die Idee auf, auch ohne Abitur zu studieren. Anfangs war ich extrem skeptisch, vor allem wegen Mathe und Informatik, aber ich dachte mir, ich probiere es einfach mal. 

Mit welchen Sorgen bist du dann ins Studium gestartet?

Ganz klar: Versagensangst. Die Angst, wieder abzubrechen und die Scham, was ist, wenn ich es wieder nicht schaffe. Außerdem war es finanziell eine große Umstellung vom festen Gehalt in eine WG mit BAföG. 

Was hat dir den Einstieg ins Studium erleichtert?

Die Erstsemesterwoche. Durch Spiele und gemeinsame Aktionen lernt man schnell Leute kennen. Für mich als sozialer Mensch war das extrem wichtig. 

Gab es etwas, das dich am Studium überrascht hat?

Die Vielfalt der Menschen. Das Umfeld war viel offener, bunter und reflektierter, als ich es aus meinen früheren Jobs kannte. 

Was hat dir am Studium besonders gefallen?

Ich habe unglaublich viel gelernt. Nicht nur fachlich, sondern vor allem auch über mich selbst und über den Umgang mit Herausforderungen. Man lernt, Probleme zu strukturieren, eigenständig Lösungen zu finden und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Diese Entwicklung, gerade mit Mitte/Ende 20, war für mich größer als alles, was ich in den zehn Jahren davor erlebt habe. 

Hast du einen Lieblingsort auf dem Campus?

Ja! Das Dach des B-Gebäudes in Salzgitter. Man kann dort hochgehen und hat einen Blick über das Tal. Morgens mit einem Kaffee dort zu stehen und kurz durchzuatmen, war der perfekte Start in den Tag. 

Du stehst jetzt kurz vor dem Ende deines Studiums. Fühlst du dich gut darauf vorbereitet, wieder in die Arbeitswelt zurückzukehren?

Ich würde sagen, grundsätzlich ja. Theorie und Praxis unterscheiden sich natürlich. Die wirklichen Erfahrungen sammelt man im Unternehmen. Aber das Studium hat mir das nötige Denken, Hinterfragen und Strukturieren beigebracht, um mich im Job zurechtzufinden. Das habe ich auch im Praxissemester gemerkt. 

Welche Tipps hast du für Studieninteressierte – besonders ohne Abi?

Informiert euch gut, lest Modulhandbücher, aber lasst euch nicht abschrecken. Wenn ihr andere Studis kennt, sprecht mit ihnen und schreibt euch all eure Fragen auf. 

Möchtest du zum Schluss noch etwas loswerden?

Gerade für Menschen, die schon gearbeitet haben und überlegen, den zweiten Bildungsweg zu gehen: Wenn der Gedanke an ein Studium immer wiederkommt, dann sollte man es ernsthaft in Erwägung ziehen. Ja, man verzichtet eine Zeit lang auf Geld, aber die persönliche Entwicklung und die neuen Perspektiven sind es absolut wert.