Wie muss ein Roboter sprechen, damit Menschen ihn akzeptieren? Und wie erkennt er, welche Informationen sein Gegenüber wirklich interessieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Human-Centered Robotics Lab (HCR-Lab) (externer Link, öffnet neues Fenster) der Fakultät Informatik an der Ostfalia. Ein aktuelles Forschungsprojekt bringt diese Arbeit direkt zu den Menschen: Im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig begleitet der Museumsbot Carl Besucher*innen durch die Ausstellung „Cabinet of Wonders. Lothar Osterburg back from Brooklyn (externer Link, öffnet neues Fenster)“ und liefert wertvolle Erkenntnisse für die Forschung zur Mensch-Roboter-Interaktion.
Individuell statt Skript
Im Mittelpunkt des Projekts steht nicht allein die Technik, sondern der Mensch. „Wir beschäftigen uns mit Mensch-Roboter-Interaktion. Also wie kommuniziert der Roboter mit Menschen, sodass sie sich angesprochen fühlen und ihn als Gefährten akzeptieren?“, erklärt Prof. Dr. Tobias Dörnbach vom HCR-Lab der Ostfalia.
Carl führt die Besucher*innen nicht einfach mit einem festgelegten Skript durch die Ausstellung. Durch den Einsatz großer Sprachmodelle kann Carl auf individuelle Fragen reagieren und Informationen je nach Alter und Interesse des Gegenübers anpassen. „Carl versucht über die Zeit zu erkennen, was das Gegenüber haben möchte und sich auf sein Gegenüber einzustellen“, sagt Dörnbach. Dadurch unterscheidet sich der Roboter deutlich von klassischen Audioguides, die einen festen Text herunterspulen.
Das Museum als Reallabor
Für die Forschung bietet das Herzog Anton Ulrich-Museum eine ideale Testumgebung. Hier begegnet Carl Menschen unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen Interessen und Vorkenntnissen. Diese Vielfalt hilft den Forschenden dabei, ihre Systeme unter realen Bedingungen weiterzuentwickeln. „Das ist ein sogenanntes Reallabor“, erklärt Tobias Dörnbach. „Für uns ist es nicht nur wichtig, ein Gerät zu entwickeln, sondern wir brauchen Rückmeldungen von echten Nutzer*innen, die in der echten Welt mit diesem Gerät interagieren.“
Die Zusammenarbeit zwischen Ostfalia und dem Museum entstand bereits 2023 beim Salon der Wissenschaft. Dort lernte Dörnbach die Ausstellungs- und Veranstaltungsmanagerin Dr. Sarah Babin kennen. Aus einer gemeinsamen Idee wurde ein Forschungsprojekt, das nun erstmals für die Öffentlichkeit erlebbar ist.
Neue Zielgruppen für das Museum
Auch für das Herzog Anton Ulrich-Museum bietet Carl neue Möglichkeiten. Der Roboter ergänzt das bestehende Vermittlungsangebot und spricht insbesondere Menschen an, die sich für neue Technologien interessieren. „Der Roboter bietet eine gute Chance, technikaffine Menschen, junge Menschen und Schüler*innen ins Museum zu bringen“, sagt Sarah Babin. „Man muss in einem Museum immer Anreize schaffen, warum Menschen hereinkommen. Das ist eine Möglichkeit.“
Zugleich ermögliche Carl eine individuellere Form des Museumsbesuchs. „Durch den kleinen Roboter kann man die Ausstellung individuell besuchen. Man kann Fragen stellen und fühlt sich vielleicht etwas freier, als wenn eine Person vor einem steht“, sagt Babin.
Feedback und Zukunft
Die bisherigen Rückmeldungen auf Carl sind überwiegend positiv. Viele Besucher*innen seien überrascht, wie viele Fragen der Roboter beantworten könne. Besonders spannend sei für das Forschungsteam jedoch, welche Fragen überhaupt gestellt werden. „Das liefert auch für die Zukunft wichtige Hinweise darauf, wie sich die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter weiter verbessern lässt“, so Tobias Dörnbach.
Für Sarah Babin ist klar, dass Technologien wie der Museumsbot Carl zukünftig die Museumsarbeit prägen werden: „Museen waren schon immer bestrebt, mit den neuesten technischen Entwicklungen zu arbeiten. Das wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen.“
Museumsbot selbst erleben
Wer Carl selbst ausprobieren möchte, hat dazu noch bis einschließlich 8. August 2026 Gelegenheit. Der Museumsbot ist freitags und samstags von 11 bis ca. 16 Uhr im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig unterwegs. Jede Interaktion hilft den Forschenden dabei, soziale Roboter weiterzuentwickeln und gibt Besucher*innen zugleich einen Einblick in die Zukunft der Vermittlungsarbeit in Museen.