Fehl- und Totgeburten betreffen viele Menschen. Trotzdem wird kaum darüber gesprochen. Genau diesem gesellschaftlichen Tabu widmete sich Laura Knop in ihrer Masterarbeit im Studiengang Mediendesign am Ostfalia-Campus Salzgitter. Für ihre Arbeit wurde die 25-Jährige mit dem Ostfalia-Medienpreis ausgezeichnet.
„Seit meiner Bachelorarbeit ist mir das Thema nicht mehr aus dem Kopf gegangen“, erzählt Laura. Damals lernte sie eine Therapeutin kennen, die Frauen nach Fehl- und Totgeburten begleitet. „Sie hat mir geschildert, wie viele Vorurteile es noch gibt und wie groß die Wissenslücken in der Gesellschaft sind. Das hat mich sehr beschäftigt.“
Gespräche mit Betroffenen
Für ihre Masterarbeit führte Laura zahlreiche Interviews mit Betroffenen, Hebammen und Sozialarbeiter*innen. Die Suche nach Gesprächspartnerinnen war zunächst schwierig. Über die Organisation „Leere Wiege“ in Hannover fand sie schließlich Frauen, die bereit waren, ihre Erfahrungen zu teilen.
„Viele waren unglaublich dankbar, dass sich überhaupt jemand mit dem Thema auseinandersetzt“, sagt Laura. Die Gespräche seien oft emotional gewesen, hätten ihr aber auch gezeigt, wie groß der Bedarf an Aufklärung und Austausch ist.
Kommunikationsdesign gegen gesellschaftliches Tabu
Im theoretischen Teil ihrer Arbeit untersuchte sie, wie Kommunikationskampagnen dazu beitragen können, gesellschaftliche Tabus aufzubrechen. Im praktischen Teil entwickelte sie eine umfangreiche Kampagne mit Plakaten, Social-Media-Posts, City-Cards und einem Website-Prototypen.
Besonders wichtig war ihr dabei, die Perspektive der Betroffenen sichtbar zu machen. „Viele Frauen haben mir erzählt, dass sie Sätze hören mussten wie: ,Du bist doch noch jung‘ oder ,Es war ja noch kein richtiges Baby‘“, berichtet sie. „Oft sind solche Aussagen nicht böse gemeint, können aber sehr verletzend sein.“ Dabei müsse man oft gar nicht unbedingt die richtigen Worte finden – ein offenes Ohr zu haben und zuzuhören könne eine viel größere Unterstützung sein.
Auf den Plakaten stehen deshalb echte Aussagen aus den Interviews im Fokus. Ergänzt werden diese durch Handlungsempfehlungen für Angehörige und das persönliche Umfeld sowie durch Informationen zu medizinischen Hintergründen.
Ausgezeichnete Arbeit mit Wirkung
Dass ihre Masterarbeit mit dem Medienpreis ausgezeichnet wurde, kam für Laura überraschend: „Ich hätte nicht gedacht, dass ein so schwieriges gesellschaftliches Thema so viel Aufmerksamkeit bekommt.“ Umso mehr freut sie sich darüber, dass sie bereits Anfragen von Einrichtungen in der Region bekommen hat, die Teile ihrer Kampagne ausstellen wollen. Denn so kann ihre Abschlussarbeit einen Beitrag dazu leisten, dass dieses gesellschaftliche Tabuthema weiter aufgebrochen wird.