Begleitet von zehn Lehr- und Betreuungskräften und unterstützt von etwa 40 Studierenden der Sozialen Arbeit wurden ihre Stärken in Teamarbeit, Kommunikation und Problemlösen auf die Probe gestellt. Das gemeinsame Projekt von Schule und Hochschule – vernetzt durch den Landkreis Uelzen – soll allen Jugendlichen unabhängig von ihren Voraussetzungen bessere Chancen auf einen passenden Bildungs- und Berufsweg eröffnen.
Profil AC Niedersachsen: Berufsorientierung zum Anfassen
Grundlage des Projektes ist das Analyseverfahren „Profil AC Niedersachsen“. Diese Maßnahme zur Berufsorientierung wird an Schulen eingesetzt, um überfachliche Kompetenzen einzuschätzen. Schülerinnen und Schüler bearbeiten dabei verschiedene Einzel- und Gruppenaufgaben, während geschulte Beobachterinnen und Beobachter wichtige Kompetenzen einschätzen, etwa Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit oder Problemlösekompetenz.
An der Ostfalia Hochschule übernahmen diese Rolle Studierende des 6. Semesters der Sozialen Arbeit. Sie beobachteten die Jugendlichen während der Übungen und hielten ihre Eindrücke in standardisierten Beobachtungsbögen fest. Für eine zweite Beobachtungswelle war die Ostfalia dann zu Gast an der Oberschule.
Ein Beispiel aus dem Aufgabenpool: Die Schülerinnen und Schüler sollten in kleinen Teams aus Papierblättern und Klebeband eine Murmelbahn konstruieren. Was spielerisch aussieht, verlangt in Wirklichkeit eine Menge: planen, Ideen abstimmen, Kompromisse finden, flexibel reagieren, wenn etwas nicht funktioniert. Genau diese Kompetenzen stehen im Mittelpunkt der Beobachtung. Die Besonderheit: Die Studierenden kennen die Jugendlichen nicht. Dadurch wird der Blick von außen objektiver. Später gehen die ausgefüllten Beobachtungsbögen an die Lehrkräfte der Apollonia Oberschule zurück. Sie dienen als fundierte Grundlage für weitere Gespräche zur Berufsorientierung und zur individuellen Förderung.
Win-win-Situation für Schule und Hochschule
Von der Kooperation zwischen der Apollonia Oberschule und der Ostfalia Hochschule profitieren beide Seiten: Die Lehrkräfte erhalten eine zusätzliche, professionelle Fremdeinschätzung zu den Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler. Das erleichtert es, passende Förderangebote und berufliche Wege zu besprechen.
Die Studierenden der Sozialen Arbeit können ihr theoretisch erworbenes Wissen direkt in der Praxis anwenden. Projektkoordinatorin Laura Risse von der Ostfalia Hochschule betont: „Die Arbeit der Studierenden in diesem Projekt ist etwas, das direkt in der Praxis sinnvolle Verwendung findet. Die Selbstwirksamkeit ist hoch und das Studienerlebnis wird zum realen Erlebnis späterer beruflicher Aufgabenstellungen.“
Die Beobachtungssituation ähnelt dabei sehr den Bedingungen, wie sie später zum Beispiel in der Schulsozialarbeit vorkommen: Jugendliche in Gruppen, alltagsnahe Aufgaben, begrenzte Zeit, und die Notwendigkeit, schnell ein Bild von Stärken und Unterstützungsbedarfen zu gewinnen.
Forschung zu inklusiver Berufsorientierung
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Björn Hermstein, Professor für Bildungssoziologie an der Ostfalia Hochschule, wird die Zusammenarbeit mit der Apollonia Oberschule Uelzen forschend begleitet. Gemeinsam mit Oliver Homann-Stahl, Lehrer und Beauftragter für Berufsorientierung an der Apollonia Oberschule, werden Prozesse rund um den Übergang von der Schule in Ausbildung oder weitere Bildungsgänge analysiert und weiterentwickelt. „Wir untersuchen, wie wir noch besser auf die unterschiedlichen Orientierungsbedürfnisse der Jugendlichen eingehen können“, erklärt Prof. Dr. Björn Hermstein. „Eine inklusive Berufsorientierung ist entscheidend; sowohl für die individuelle Entwicklung junger Menschen als auch für die Fachkräftesicherung in unserer Region.“
Für die Beteiligten ist besonders interessant, welche Erkenntnisse sich aus den Beobachtungen im Profil-AC-Verfahren für das Thema inklusive Berufsorientierung ableiten lassen: Wie können Schulen und außerschulische Partner sicherstellen, dass wirklich alle Jugendlichen – auch jene mit besonderen Unterstützungsbedarfen – passende Angebote zur Berufsorientierung erhalten?
Starke regionale Partnerschaft
Unterstützt wird das Projekt vom Landkreis Uelzen. Bildungskoordinatorin Odette Lindhorst, im Bildungsbüro zuständig für den Bereich Berufliche Orientierung, hat die Zusammenarbeit maßgeblich mit angestoßen. Durch diese enge Kooperation zwischen Schule, Hochschule und Landkreis entsteht eine starke regionale Bildungs- und Unterstützungsstruktur. Jugendliche erhalten frühzeitig Orientierung, Lehrkräfte werden bei der Einschätzung von Kompetenzen unterstützt, Studierende können praxisnah lernen und die Region stärkt langfristig ihre Fachkräftebasis.