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CompanionApp

App-gestütztes Routentraining

Wie finden Menschen mit Orientierungsstörungen selbstständig den Weg – im Alltag, zur Arbeit oder im Museum? Die CompanionApp kombiniert landmarkbasiertes Routentraining mit Augmented Reality: Statt abstrakter Karten orientieren sich Nutzende an real sichtbaren Objekten in ihrer Umgebung. Entwickelt wurde die App in einem partizipativen Co-Creation-Prozess, an dem Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen, pädagogische Fachkräfte und Wissenschaftler:innen gemeinsam beteiligt waren.

Was ist die CompanionApp?

Räumliche Orientierung ist eine Grundvoraussetzung für Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe – im Straßenverkehr, in Bildungsangeboten oder beim Besuch eines Museums. Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen sind besonders häufig von räumlichen Orientierungsstörungen betroffen. Klassische Navigations-Apps sind für sie meist zu abstrakt, zu komplex oder nicht barrierearm. 

Die CompanionApp wurde deshalb als digitale Assistenztechnologie entwickelt, die auf einem landmarkgestützten Routentraining und Augmented Reality (AR) basiert. In einem agilen, mehrphasigen Co-Creation-Prozess arbeiteten Wissenschaftler*innen aus der Informatik, Soziale Arbeit, Museumspädagogik, pädagogische Fachkräfte und Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen eng zusammen – von der ersten Idee über Mockups und Prototypen bis zu umfangreichen Evaluationen. Ziel ist es, Wege zunächst mit App-Unterstützung zu erlernen und perspektivisch möglichst selbstständig zurücklegen zu können.

Grafische Darstellung der 'CompanionApp' zur räumlichen Orientierung: Eine Hand hält ein Smartphone vor ein historisches Backsteingebäude (TU Braunschweig, Altgebäude). Auf dem Display des Smartphones ist das gleiche Gebäude zu sehen, ergänzt um eine hervorgehobene blaue Markierung, die eine Augmented-Reality-Funktion für das Training der räumlichen Orientierung visualisiert.

Hintergrund und Motivation

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beginnt im Kleinen: den Weg zur Arbeit finden, Freund*innen besuchen, an Freizeit- oder Kulturangeboten teilnehmen. All das setzt räumliche Orientierung und kognitive Fähigkeiten voraus, etwa Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planung und Problemlösung. Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen erleben hier besondere Hürden:

  • Störungen der räumlich-topographischen Orientierung schränken den Aktionsradius massiv ein. Daraus resultiert häufig eine Abhängigkeit von betreuenden Personen.
  • Gängige Landkarten/Stadtpläne sind oft aufgrund des nötigen mentalen Transfers nicht nutzbar. Pläne oder beschriftete Hilfsmittel nicht adaptiv, unhandlich und umständlich.
  • Klassische Navigationsdienste überfordern durch komplexe Eingabemasken und erfordern einen mentalen Transfer von 2D-Karte in die 3D-Umgebung – etwas, das für viele Menschen mit Orientierungsstörungen kaum möglich ist. 
  • Gleichzeitig werden diese Zielgruppen in der Forschung oft vernachlässigt, weil ihre Beteiligung zeitaufwändiger und methodisch anspruchsvoller ist.
    Ziel ist eine digitale Lösung, die:
    • nicht nur „anleitet“, sondern Wege über markante Landmarken erlernbar macht,
    • sowohl für Nutzer:innen mit Beeinträchtigung als auch für Betreuende einfach und verständlich ist,
    • die selbstbestimmte Teilhabe im Alltag und im kulturellen Kontext stärkt.

Methodik

Das Bild zeigt einen Screenshot aus der CompanionApp, welcher zeigt, dass das Ziel zu dem die App eine Person führen soll erreicht wurde. Zu sehen ist das Haus der Wissenschaft mit einigen Informationen dazu.

Auf Grundlage analoger Designentwürfe entstand in einem iterativen Co-Creation-Prozess ein erster digitaler Prototyp. Wissenschaftler:innen aus Informatik und Sozialer Arbeit entwickelten die App gemeinsam mit Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen – als aktive Partner:innen auf Augenhöhe. Zu mehreren Zeitpunkten und Entwicklungsstadien wurden Studien zu Usability und Barrierefreiheit durchgeführt, deren Ergebnisse jeweils direkt in die Weiterentwicklung einflossen.

Dieses Vorgehen folgt den Prinzipien agiler Softwareentwicklung: iterative Verbesserung statt starrem Plan, Fokus auf funktionierende und wirklich nutzbare Lösungen. Die Verbindung aus Beteiligung von Nutzenden und flexibler, schrittweiser Entwicklung – kurz: Agile Partizipation – ist dabei selbst ein zentrales Forschungsergebnis des Projekts. Neben der Navigations- und Routentrainingsfunktion bietet die CompanionApp außerdem die Möglichkeit, als Vermittlungsmedium eingesetzt zu werden, etwa für Routenführungen durch Museen mit Außengelände und Inhalte in Einfacher Sprache zu einzelnen Exponaten.

Zahlen und Daten

Projektergebnisse und Materialien

Wissenschaftliche Publikationen

2025

  • Lorenz, T., Förster, K., Münch, L., Böhm, T., Schiering, I., Müller, S. V. & Schilling, R. (2025). Partizipation von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bei einer App-Entwicklung mit dem Co-Creation-Ansatz. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik. https://doi.org/10.1365/s40702-025-01221-4
  • Lorenz, T., Förster, K., Münch, L., Böhm, T., Schiering, I. & Müller, S. V. (2025). Agile Participation in Interdisciplinary Projects. https://doi.org/10.18420/INF2025_37

2024

  • Müller, S. V., Lorenz, T. & Schiering, I. (2024). Augmented-Reality-gestütztes Landmark-Training für Menschen mit räumlichen Orientierungsstörungen. In: Kahle, U. & Schädler, J. (Hrsg.), Digitale Teilhabe und personenzentrierte Technologien im Kontext von Menschen mit Behinderungen. Lebenshilfe-Verlag der Bundesvereinigung, S. 121–134

2023

  • Lorenz, T., Münch, L., Adair, P., Schiering, I. & Müller, S. V. (2023). Creating Routes for Landmark-Training with the CompanionApp: A Pilot User Study. In: Mensch und Computer 2023 (MuC '23). Association for Computing Machinery, New York, S. 518–523.

2022

  • Lorenz, T., Baseniak, M., Münch, L., Schiering, I. & Müller, S. V. (2022). Digitization of Landmark Training for Topographical Disorientation: Opportunities of Smart Devices and Augmented Reality. In: Proceedings of the 15th International Joint Conference on Biomedical Engineering Systems and Technologies, Volume 5: HEALTHINF, S. 727–734.

2021

  • Lorenz, T., Leopold, M., Ertas, F., Müller, S. V. & Schiering, I. (2021). Landmark Training Based on Augmented Reality for People with Intellectual Disabilities. In: Stephanidis, C., Antona, M. & Ntoa, S. (Hrsg.), HCI International 2021 – Posters. Communications in Computer and Information Science, Bd. 1421. Springer, Cham.

Praxisberichte & Handreichungen

2024

  • Müller, S. V., Förster, K., Schiering, I. & Lorenz, T. (2024). Orientierungshilfen mit der Companion-App. Wissen Hoch N.

Vorträge & Präsentationen

2025

  • Förster, K. (2025). Augmented reality-based navigation via „CompanionApp" – a usability study. EAMHID 2025: 15th European Congress of Mental Health in Intellectual Disability, Belgien, September 2025.
  • Münch,L.(2025). CompanionApp for People with Spatial Orientation Disorders – Co-Creating the App Design. EAMHID 2025: 15th European Congress of Mental Health in Intellectual Disability, Belgien, September 2025.

2023

  • Müller, S. V., Wosnitza, B. & Brikmanis-Brückner, R. (2023). Kulturelle Teilhabe im Museum – Potenziale der Digitalisierung. Inklusionskonferenz des Landes Niedersachsen, Hannover, 06.12.2023.

Projektteam

Projektleitung

Prof. Dr. Sandra Verena Müller

Dekanin

Forschungsprofessur für Digitaliät in Rehabilitation und Teilhabe, Fakultät Soziale Arbeit

Gebäude Am Exer 6, Raum 115, Wolfenbüttel

Sprechstunde während der Vorlesungszeit:
nach Vereinbarung

Prof. Dr. Sandra Verena Müller

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Projektleitung

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Projektpartner