Einsamkeit als pädagogische Herausforderung
Prof. Dr. Detlef Gaus widmete sich in seinem Forschungssemester einem gesellschaftlich hochaktuellen Thema: der Einsamkeit. Aufbauend auf früheren Arbeiten zum Spannungsfeld von Nähe und Distanz untersuchte er Einsamkeit aus einer historisch-systematischen Perspektive der Sozialpädagogik.
Dabei stellt er gängige öffentliche Diskurse infrage, die Einsamkeit vor allem als Problem darstellen. Stattdessen hebt er auch ihre grundlegende Bedeutung als Teil menschlicher Existenz hervor. In Anlehnung an Helmut Schelsky und Wilhelm von Humboldt analysiert er den Zusammenhang von Einsamkeit und Freiheit.
Ziel seiner Forschung war die Entwicklung theoretischer Grundlagen für eine „Erziehung zur Einsamkeit“. Die Ergebnisse wurden nicht nur wissenschaftlich aufgearbeitet, sondern auch praktisch vermittelt – etwa im Rahmen des interdisziplinären „Uelzener Forums“.
Ein zentraler Fachartikel erschien peer reviewed in der renommierten Pädagogische Rundschau. (externer Link, öffnet neues Fenster) Weitere Publikationen, darunter ein Sammelband zum Thema „Sorge und Pädagogik“, sind in Vorbereitung.
Social Media und seltene Erkrankungen
Prof. Dr. Antje Baumgarten untersuchte in ihrem Forschungssemester die Rolle sozialer Medien im Umgang mit seltenen Krankheiten. Im Fokus standen sogenannte „Medical Mums“, Eltern von Kindern mit schweren oder chronischen Erkrankungen, die Plattformen wie Instagram und TikTok nutzen, um ihre Erfahrungen zu teilen.
Analysiert wurden Accounts mit Bezug zu den seltenen Erkrankungen Progerie und Sanfilippo-Syndrom. Ziel war es, deren Reichweite, Sichtbarkeit und inhaltliche Gestaltung zu untersuchen.
Methodisch kombinierte die Studie quantitative Auswertungen – etwa zur Reichweite – mit qualitativen Inhaltsanalysen nach Mayring. Neben Beiträgen wurden auch Nutzerkommentare einbezogen.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Accounts eine große Reichweite erzielen und nicht nur von Müttern, sondern auch von Vätern und anderen Angehörigen betrieben werden. Daher wurde der Begriff „Medical Caregiver“ eingeführt. Viele dieser Profile erreichen als sogenannte Makro-Influencer ein breites Publikum.
Inhaltlich dominieren Einblicke in den Familienalltag, medizinische Herausforderungen und emotionale Bewältigungsstrategien. Ergänzt werden diese durch aktivistische Inhalte und vereinzelt kommerzielle Beiträge. Die Reaktionen der Community sind überwiegend unterstützend und von hoher emotionaler Beteiligung geprägt.
Ein wissenschaftlicher Artikel zu den Ergebnissen wurde bereits eingereicht und befindet sich derzeit im Begutachtungsprozess.
Forschung zwischen Suderburg und Silicon Valley
Prof. Dr. Markus A. Launer nutzte sein Forschungssemester für ein international angelegtes Projekt zum Entscheidungsverhalten in Unternehmen. Im Zentrum stand ein von ihm entwickeltes Messinstrument, das rationale und intuitive Entscheidungsprozesse differenziert analysiert.
Nach erfolgreicher Validierung in Deutschland wurde das Modell in insgesamt 15 Ländern untersucht und in mehreren Staaten wissenschaftlich bestätigt. Ein besonderer Fokus liegt auf kulturellen Einflüssen, etwa philosophischen Konzepten aus Indien oder konfuzianischen Werten in China.
Parallel dazu erforscht Launer die Rolle von Künstlicher Intelligenz bei Entscheidungsprozessen. Seine Arbeiten präsentierte er auf internationalen Konferenzen sowie bei Aufenthalten in Peking, Taipeh und Technologiezentren wie Shenzhen.
Ein weiterer Höhepunkt war sein Aufenthalt im Silicon Valley, wo er sich aktuelle Entwicklungen der Digitalwirtschaft anschaute – von KI bis autonomem Fahren.
Forschung mit globaler und gesellschaftlicher Wirkung
Die drei Forschungssemester verdeutlichen eindrucksvoll die Bandbreite wissenschaftlicher Arbeit an der Fakultät Handel und Soziale Arbeit: von grundlegender pädagogischer Theoriebildung über aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen im digitalen Raum bis hin zu global vernetzter KI- und Managementforschung.
Gemeinsam zeigen die Projekte, dass Forschung sowohl internationale Entwicklungen als auch konkrete gesellschaftliche Herausforderungen adressiert und damit wichtige Impulse für Wissenschaft, Lehre und Praxis liefert.