Am Dienstag, 27. Oktober 2026, fand auf dem Campus Suderburg der 13. Markt der Möglichkeiten des Studiengangs Soziale Arbeit (B. A.) der Ostfalia Hochschule statt. Organisiert von Susanne Kraus, stand die Veranstaltung unter dem Motto „Für Studierende: Praxisnah. Regional. Zukunftsorientiert.“ Knapp 40 soziale Träger und Einrichtungen stellten ihre Arbeitsfelder vor und kamen mit den Studierenden ins Gespräch.
Besonders deutlich wurde die Verbindung zwischen Studium und Beruf: Zahlreiche Aussteller*innen haben selbst an der Ostfalia studiert und vertreten heute ihre Arbeitgeber als Fachkräfte. Sie berichteten von ihren beruflichen Wegen, den Anforderungen ihres Arbeitsalltags und den Möglichkeiten, die sich nach dem Studium eröffnen.
Zwischen Jugendtreff und Erlebnispädagogik
Charlotte Karbach vom Albert-Schweitzer-Familienwerk (externer Link, öffnet neues Fenster) arbeitet in der Kinder- und Jugendarbeit in Scharnebeck und Bleckede. Ihr Berufsalltag ist abwechslungsreich: Sie gestaltet Angebote in offenen Jugendtreffs, organisiert Ferienprogramme und begleitet zum Beispiel Bastelprojekte sowie Kanu- und Floßfahrten. Erlebnispädagogische Aktivitäten ermöglichen Kindern und Jugendlichen, Neues auszuprobieren und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln.
Schon vor dem Studium engagierte sich Charlotte ehrenamtlich und absolvierte eine Jugendleiter*innen-Ausbildung (Juleica). Heute seien Flexibilität und Spontanität wichtige Voraussetzungen für ihre Arbeit, sagt sie. Ebenso komme es darauf an, auch in unerwarteten Situationen angemessen zu reagieren und ein gutes Gespür für Nähe und Distanz zu entwickeln. Dabei helfen ihr Kenntnisse aus den Seminaren ihres Studiums, die sie in der Praxis anwenden kann.
Ein beruflicher Neuanfang
Bastian Küntzel von der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung (externer Link, öffnet neues Fenster) entschied sich mit 29 Jahren für einen Wechsel in die Soziale Arbeit. Zuvor hatte er Fitnessökonomie studiert. Obwohl oder gerade, weil einige Familienmitglieder im sozialen Bereich tätig sind, wollte er zunächst einen anderen beruflichen Weg einschlagen. Ausschlaggebend für den Wechsel war schließlich der Wunsch, Menschen zu unterstützen.
Heute arbeitet er in einer Wohngruppe in Bad Bodenteich, in der Jugendliche unter anderem mit Essstörungen betreut werden. Auch Philip Schmieta ist dort tätig. Durch sein familiäres Umfeld kannte er die Soziale Arbeit bereits. Eine Ausbildung und verschiedene Praktika bestärkten ihn darin, ein Studium anzuschließen.
Der Arbeitsalltag in der Wohngruppe der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung verlange fachliches Wissen, die Bereitschaft zum Schichtdienst und einen professionellen Umgang mit herausfordernden Situationen, zu denen auch selbstverletzendes Verhalten gehören kann. Viele spezifische Kompetenzen würden sich erst im Berufsalltag entwickeln, erklären die beiden im Interview. Die Stiftung unterstützt ihre Mitarbeitenden deshalb mit Fortbildungen und weiteren Entwicklungsmöglichkeiten.
Bastian empfiehlt Studierenden, möglichst früh praktische Erfahrungen zu sammeln: „Praktika und die Praxisphase im Studium sind gute Gelegenheiten, unterschiedliche Arbeitsfelder kennenzulernen und herauszufinden, was zu einem passt.“
Junge Menschen auf dem Weg in ein selbstständiges Leben begleiten
Kassandra Porip und Eileen Dikhof von der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen (externer Link, öffnet neues Fenster) haben ebenfalls beide ihren Bachelor in Sozialer Arbeit an der Ostfalia am Campus Suderburg erworben. Heute arbeiten beide in der Verselbstständigungsgruppe Hagen. Dort werden junge Menschen mit Suchtproblematiken auf dem Weg in ein eigenständiges Leben begleitet.
Für beide stand schon früh fest, dass sie im sozialen Bereich arbeiten wollen. „Ich dachte mir, es ist total wichtig, dass es Menschen gibt, die sowas tun und ich brauche einen Job, der mich erfüllt. Wenn es nicht Soziale Arbeit ist, wüsste ich nicht, was es wäre“, fasst Kassandra ihre Motivation zusammen.
Wie vielfältig die Arbeit ist, zeigte sich am Informationsstand: Kassandra und Eileen stellten sogenannte Skills vor – Hilfsmittel, die Menschen mit Suchterkrankungen dabei unterstützen können, mit Anspannung oder Nervosität umzugehen. Dazu gehören etwa Duftstäbchen, Kirschkerne und spezielle Ringe. Mit einer Promillebrille konnten Besucher*innen außerdem selbst ausprobieren, wie sich die Wahrnehmung unter Alkoholeinfluss verändert (siehe Beitragsbilder).
Was aus dem Studium in der Praxis hilft
Mascha Kerstan und Luisa Lindhorst vom Caritasverband Celle Stadt und Land e.V. (externer Link, öffnet neues Fenster) gaben Einblicke in ihre Erfahrungen in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Das Studium eröffnete ihnen weitere berufliche Möglichkeiten und half ihnen, sich fachlich breiter aufzustellen.
Mascha hebt insbesondere die Praxisnähe des Studiums an der Ostfalia hervor. Praxisbezogene Lehrveranstaltungen und Gastdozent*innen aus sozialen Einrichtungen hätten ihr geholfen, die Inhalte mit dem späteren Berufsalltag zu verknüpfen. Gerade zu Studienbeginn seien manche Zusammenhänge noch nicht unmittelbar verständlich. Mit der Zeit werde jedoch deutlich, wie die verschiedenen Themen ineinandergreifen.
Neben fachlichem Wissen seien persönliche Kompetenzen entscheidend. Dazu zählen für Mascha und Luisa Flexibilität, Gelassenheit, Offenheit und die Fähigkeit, auch in unerwarteten Situationen handlungsfähig zu bleiben. Ebenso wichtig sei es, Menschen unvoreingenommen zu begegnen und sich auf unterschiedliche Lebenssituationen einzulassen.
Austausch, der Perspektiven eröffnet
Die Gespräche beim Markt der Möglichkeiten machten deutlich, wie unterschiedlich die Wege in die Soziale Arbeit verlaufen können. Ehrenamtliches Engagement, eine vorherige Ausbildung oder persönliche Erfahrungen können die Berufswahl ebenso prägen wie das Studium selbst.
Gleichzeitig zeigte sich: Das Studium vermittelt eine breite fachliche Grundlage, während sich viele spezialisierte Kompetenzen erst in der praktischen Arbeit entwickeln. Umso wichtiger sind Gelegenheiten, verschiedene Arbeitsfelder kennenzulernen und mit erfahrenen Fachkräften ins Gespräch zu kommen. Bei Fragen rund um die Organisation der integrierten Praxisphase konnte Gesary Born von der Fakultät H weiterhelfen.
Der Markt der Möglichkeiten brachte Studierende, ehemalige Absolvent*innen und soziale Einrichtungen zusammen. Die persönlichen Einblicke der Alumni machten berufliche Perspektiven greifbar und zeigten, wie vielfältig sich ein Studium der Sozialen Arbeit in der Praxis einsetzen lässt.