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Tag der Pflege: Ostfalia stärkt internationalen Austausch und Diversität

Aktuelles , , Fakultät Gesundheitswesen , Von: Prof. Maria A. Marchwacka

Prof. Maria A. Marchwacka beschreibt, wie Forschung, internationale Zusammenarbeit und transkulturelle Perspektiven die Pflegebildung an der Ostfalia prägen.

Drei Menschen an der Dogus University Istanbul.
Prof. Dr. Maria Anna Marchwacka (links), Prof. Dr. Seher Deniz Öztekin von der Dogus University Instanbul und der Erasmus-Studierende Mirac Yalcinkaya in Istanbul.  Foto: Marchwacka/Ostfalia

Nicht nur am Tag der Pflege: Pflegebildung vernetzt, divers und international denken

Pflege ist mehr als Versorgung. Sie ist Haltung. Wissenschaft. Verantwortung. Partizipation.

„You must not fritter it away in ‘fair purpose, erring act, inconstant will’ but make your thoughts, your acts, all work to the same end. That is what we call character.“ — Florence Nightingale

Eine Übergabe. Zwei Welten. Eine Frage

Es ist früh morgen. Auf einer deutschen Pflegestation beginnt die Frühschicht. Sofia – ausgebildete Pflegefachperson aus den Philippinen, heute ihr erster regulärer Dienst – steht im Übergaberaum. Die Kollegin spricht. Sofia kennt den Pflegeprozess. Sie kennt die Medikamente. Aber sie kennt nicht den Ton. Nicht die kulturellen Codes, die bestimmen, wie man „hier“ spricht, fragt, zweifelt – und trotzdem professionell bleibt.

Diese Frage ist zunehmend der Berufsalltag in der Pflegeversorgung – insbesondere in einer Gesellschaft, die längst eine Migrationsgesellschaft ist. Und nicht nur in Deutschland. Es ist ein weltweites Phänomen. Einer der Gründe, warum Diversität heute zu den drängendsten Themen der Pflegebildung gehört.

Haltung zeigen. Wissen teilen. International denken

Studierende der Fakultät Gesundheitswesen der Ostfalia tun genau das. Sie forschen nicht für die Schublade – sie bringen ihr Wissen, ihre wissenschaftliche Sensibilität und ihre Haltung auf die internationale Bühne. Ihre Beiträge entstehen aus dem Alltag einer vielfältigen, unter Druck stehenden Pflegeversorgung – und sie liefern Antworten, die gehört werden müssen.

In diesem Jahr sind Studierende und Lehrende der Fakultät gleich auf zwei bedeutenden Konferenzen vertreten: im Monat der Pflege beim Europäischen Kongress für Transkulturelle Versorgung in der Bildung der Gesundheitsberufe in Szczecin/Stettin (Polen) und im Herbst beim Kongress Lernwelten - nicht als Zuhörende sondern als aktive Mitgestalter*innen des wissenschaftlichen Diskurses. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Pflegebildung, die Studierende von Beginn an als wissenschaftliche Persönlichkeiten ernst nimmt – und ihnen Räume schafft, in denen ihre Arbeit gehört wird.

Ostfalia-Beiträge für den Europäischen Kongress der Gesundheitsberufe 2026 in Stettin:

  • Evidence-based interventions for the integration of internationally trained nurses into the German healthcare system (Adrian Kuhnke)
  • Transition to practice & staff retention following nursing training and degree programmes – a systematic qualitative review (Christina Nikwonkam, Prof. Dr. Ludger Batzdorfer)
  • An exploratory study of the need for diversity-sensitive care in general nursing education (Paula Weigand)
  • International nursing students – opportunities and challenges in nursing education (Lisa Wegehaupt, Prof. Dr. Ilka Benner)
  • AI Meets Diversity: New Perspectives for Nursing Education (Patricia Schöner, Carolin Junker, Prof. Dr. Maria A. Marchwacka)
  • Caring for Ageing Turkish Guest Workers: Implications for Nursing Education (Melike Öztürk, Prof. Dr. Bianca Steiner)
  • Diversity in Nursing Education and Practice: The Case of Germany (Prof. Dr. Günter Meyer, Prof. Dr. Maria A. Marchwacka)

Jeder Beitrag ist Ausdruck wissenschaftlicher Sensibilität für Themen, die die Pflegebildung – national wie international – heute und morgen prägen im Sinne von Madeleine Leininger: „Transcultural nursing focuses on comparative cultural care values, beliefs, and practices with the goal to help people face illness or death in culturally meaningful ways.“(„Transkulturelle Pflege richtet den Blick auf kulturelle Werte, Überzeugungen und Praktiken – mit dem Ziel, Menschen zu helfen, Krankheit und Tod auf eine Weise zu begegnen, die für sie kulturell bedeutsam ist.“)

Hierzu gehören Themen wie Diversität in Pflegeausbildung und -praxis, transkulturelle Pflege mit konkreten Konsequenzen für Curricula und Praxis, evidenzbasierte Interventionsmaßnahmen auf strukturelle Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen, der Übergang von der Ausbildung in die Praxis, Fragen der Diskriminierungserfahrung und deren Auswirkung auf Lernprozesse bis hin zum zukunftsweisenden Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Diversitätssensibilität in der Pflegebildung. 

Pflegebildung der Zukunft entsteht nicht im Hörsaal allein

Die Beteiligung an internationalen Kongressen steht exemplarisch für das strategische Selbstverständnis der Fakultät: Internationalisierung ist keine Kür, sondern Kernaufgabe einer zukunftsfähigen Pflegebildung. Bachelor- und Masterarbeiten, Promotionsprojekte und kooperative Forschungsvorhaben werden hier auf internationaler Bühne sichtbar – und in den wissenschaftlichen Diskurs eingespeist.

Begleitet von denen, die Wissenschaft vorleben

Hinter diesen Arbeiten stehen Lehrende, die mehr sind als Dozent*innen. Prof. Ludger Batzdorfer (Vertreter der Studienkommission), Prof. Dr. Ilka Benner (Studiendekanin), Prof. Dr. Bianca Steiner (Studiengangsleitung Berufspädagogik und Management in der Pflege) und Prof. Dr. Günter Meyer (Dekan der Fakultät Gesundheitswesen und Mitgestalter der Sektion Psychiatrische Pflege der DGP) begleiten, fordern und fördern – nicht im Rampenlicht, sondern genau dort, wo gute Lehre ihre stärkste Wirkung entfaltet: im Hintergrund, mit voller Kraft. In besonderer Weise verbindet Prof. Dr. Maria A. Marchwacka, Sprecherin der Sektion Bildung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft, Forschung und internationale Vernetzung: Das EU-Projekt (MultiCultiMed) zur Transkulturalität in Ausbildung der Gesundheitsberufe, das sie als konsortiales Mitglied in Deutschland leitet, stellt ausgerechnet im Monat der Pflege seine Ergebnisse vor (externer Link, öffnet neues Fenster) – ein weiteres Beispiel dafür, wie die Fakultät europäische Perspektiven in Lehre und Forschung konsequent einbindet. 

Zurück zur Pflegeperson Sofia

Sie stellt die Frage doch. Leise, aber klar. Die Kollegin hält inne. Erklärt. Wiederholt. Und plötzlich ist da etwas, das mehr ist als Übergabe: Begegnung. Genau das ist das Ziel. Nicht Anpassung. Nicht Assimilation. Sondern eine Pflegepraxis, die Diversität als Stärke begreift – und eine Pflegebildung, die dafür das Fundament legt.

Was unsere Studierenden auf nationalen und internationale Bühnen tragen, sind keine Hausarbeiten. Es sind Antworten auf echte Fragen – erarbeitet mit wissenschaftlicher Sorgfalt, Neugier und Haltung. Das verdient Anerkennung. Und es verdient Gehör, und wie Florence Nightingale es treffend formulierte: „Vergeude dein Leben nicht in halbherzigen Absichten, fehlerhaften Taten und wankelmütigem Willen – sondern lass deine Gedanken und dein Handeln auf ein gemeinsames Ziel hinwirken. Das nennen wir Charakter.

Ansprechperson

Prof. Dr. Maria Anna Marchwacka

Forschungsbeauftragte und Internationalisierungsbeauftragte, Fakultät Gesundheitswesen

Gebäude G , Wolfsburg

Prof. Dr. Maria Anna Marchwacka