Ein zweischneidiges Schwert sei es, als Frau in der Wissenschaft zu arbeiten. Darin sind sich sowohl die Protagonistinnen im Dokumentarfilm “Picture a Scientist” (USA 2020) als auch die 40 Wissenschaftler*innen im WOW! WissensOrt Wolfenbüttel einig. Diese sind der Einladung des Gleichstellungsbüros, vertreten durch Julia Weiß, zentrale Gleichstellungsbeauftragte an der Ostfalia, sowie von Jessica Ficek und Hendrik Törber vom Projekt PRoProf gefolgt, sich in lockerer Atmosphäre über das Thema Frauen in der Wissenschaft auszutauschen. Da es sich um eine hybride Veranstaltung handelt, verfolgen weitere 30 Zuschauer*innen die Veranstaltung per Videoübertragung.
Viel Licht und sehr viel Schatten: Wissenschaftlerinnen berichten
Auf der einen Seite erfüllen Forschung und Lehre und machen großen Spaß, auf der anderen Seite zeigt sich noch immer, dass es Frauen schwer haben, sich vor allem in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) einen Namen zu machen. Ihre Werkzeuge werden ungefragt genutzt, sie haben kleinere Labore und werden nicht als Professorinnen erkannt, sondern für Hilfskräfte gehalten. Das berichten die Biologin Nancy Hopkins, die Chemikerin Raychelle Burks und die Geologin Jane Willenbring.
Hopkins, Burks und Willenbring schildern eindrücklich ihre Erfahrungen, die aus systematischer Abwertung, regelmäßigen Demütigungen und sexueller Belästigung bestehen. Die Anwesenden vor Ort sind betroffen. Ganz still ist es, als Burks unter Tränen beschreibt, wie viel härter sie als “woman of colour” um Akzeptanz kämpfen muss. Als gegen Ende des Films erwähnt wird, dass der Berg in der Antarktis, der den Namen des Doktorvaters trug, der Willenbring das Leben zur Hölle gemacht hatte, unbenannt wurde, macht sich das Gefühl von Gerechtigkeit breit.
Bei Snacks und Kaltgetränken: Reger Austausch nach dem Film
Auch Professorinnen an der Ostfalia haben im Verlauf ihres Berufslebens Respektlosigkeit erlebt, die ausschließlich auf ihr Geschlecht zurückzuführen sei, berichtet etwa Dr. Michaela Huhn, Professorin für Software Engineering am gleichnamigen Institut und dezentrale Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät Informatik. Sie merkt auch an: "Jungen wird deutlich häufiger außergewöhnliche Begabung und Genialität zugeschrieben als Mädchen.“
Dr. Denis Royer, Dekan der Fakultät Wirtschaft und Professor für E-Business und Digitale Transformation, geht davon aus, dass sich die Situation in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf jeden Fall verändern wird, gingen doch viele Führungspersönlichkeiten in den Ruhestand und jüngere Professor*innen rückten nach. Zu den im Film gezeigten Vorkommnissen sagt Royer: “Ich bin froh, dass ich solche Fälle nicht persönlich kenne. Dass es diese gibt, bezweifle ich nicht.”
Dr. Denise Sommer, Inhaberin der Professur für Theorie der Kommunikations- und Medienwissenschaft am Institut für Öffentliche Kommunikation und dezentrale Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät Verkehr-Sport-Tourismus-Medien, stellt ebenfalls fest, dass “die alten Chefs” zwar langsam passé seien, gibt aber zu bedenken, dass derzeit eine Gegenbewegung zu beobachten sei. Deshalb appelliert sie, nicht damit aufzuhören, sich für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen.