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Neu an der Ostfalia: Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein beginnt Lehrtätigkeit in der Psychologie

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Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein wurde für die Professur “Differentielle und Persönlichkeitspsychologie mit Schwerpunkt Diagnostik” berufen.

Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein
Lehrtätigkeit gestartet: Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein wurde für die Professur “Differentielle und Persönlichkeitspsychologie mit Schwerpunkt Diagnostik” am Ostfalia-Standort Salzgitter berufen. Foto: hogrefe

Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein wurde für die Professur “Differentielle und Persönlichkeitspsychologie mit Schwerpunkt Diagnostik” an der Fakultät Verkehr-Sport-Tourismus-Medien berufen und hat zum Wintersemester 2026/27 seine Lehrtätigkeit aufgenommen. Vor seinem Ruf war er als Senior Research Manager beim Hogrefe Verlag tätig und hat dort angewandte Forschungsprojekte im Bereich der psychologischen Testentwicklung veranwortet. Im Interview erzählt er, worauf der Fokus seiner Professur liegt, wie zuverlässig Persönlichkeitstests unser Verhalten vorhersagen können und welche Chancen KI für die psychologische Diagnostik bietet. 

Mandy Fleer, Ostfalia-Redaktion: Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein, wo liegt der Fokus Ihrer Professur?
Prof. Dr. Jan-Philipp Freudenstein: In der Lehre vertrete ich insbesondere im Studiengang Angewandte Psychologie die Fächer Differentielle Psychologie, die sich mit Unterschieden im Erleben und Verhalten zwischen Menschen beschäftigt, Persönlichkeitspsychologie, der Beschreibung und Erklärung stabiler Eigenschaften und Charakteristika, sowie Psychologische Diagnostik, der standardisierten Erhebung und Messung von Informationen, die das Erleben und Verhalten von Menschen beschreiben oder vorhersagen. 

Und in der Forschung?
Freudenstein: Da liegt mein Interesse insbesondere auf diagnostischen Verfahren, die situative Einflüsse auf Verhalten und Erleben in querschnittlichen Erhebungen möglichst valide erfassen. Dabei untersuche ich Anwendungen in der Eignungsdiagnostik und Personalauswahl sowie allgemeine methodische Herausforderungen.

Warum haben Sie sich für dieses Forschungs- und Lehrgebiet entschieden?
Freudenstein: An Psychologie faszinieren mich insbesondere zwei Dinge: Alle Menschen unterscheiden sich und sind einzigartig. Trotzdem können wir diese Unterschiede mit allgemeingültigen Theorien relativ gut erklären. In den unendlichen Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Eigenschaften und Ausprägungen entsteht dann trotzdem die Einzigartigkeit jedes Menschen. Diese Eigenschaften können wir jedoch nicht direkt beobachten. Wir können nur durch die Beobachtung von Verhalten und dem Fragen nach Gedanken indirekt auf diese Eigenschaften schließen. 

Haben Sie ein Beispiel?
Freudenstein: Wir können einer Person nicht direkt ansehen, ob sie depressiv ist. Erst durch die Beobachtung bestimmter Verhaltensweisen und dem Vorhandensein (oder der Abwesenheit) bestimmter Gedanken, Emotionen und Gefühle schließen wir auf das Vorhandensein einer Depression. Wir sprechen in der Psychologie von latenten Konstrukten. Die Messung dieser latenten Konstrukte ist die Aufgabe der psychologischen Diagnostik und Grundlage der meisten psychologischen Fragestellungen. Ich finde es unglaublich spannend, diese große Herausforderung wissenschaftlich zu untersuchen.

Wie zuverlässig können Persönlichkeitstests vorhersagen, wie sich jemand tatsächlich verhalten wird?
Freudenstein: Durch Persönlichkeitstests können wir die Persönlichkeit relativ zuverlässig und valide erfassen. Persönlichkeitseigenschaften umfassen aber nur eine stabile Verhaltenstendenz. Das heißt, wenn wir bei einer Person feststellen, dass sie deutlich introvertierter ist als die meisten Personen, dann können wir einigermaßen genau vorhersagen, dass diese Person sich über viele Situationen und einen längeren Zeitraum hinweg weniger gesellig verhalten wird und weniger soziale Interaktionen haben wird als andere Personen. 

Stimmt diese Vorhersage dann immer?
Freudenstein: Nein, nur bedingt für einzelne konkrete Situationen. Denn jeder Mensch fluktuiert im Verhalten in einem gewissen Maß um seine Persönlichkeitsausprägungen. Wir sind also alle mal mehr oder weniger gesellig. Das liegt zum Beispiel an unseren aktuellen Gefühlszuständen oder auch an der konkreten Situation. Es könnte zum Beispiel sein, dass eine eher introvertierte Person in Situationen mit dem besten Freund oder der besten Freundin sehr gesellig und redselig ist und sich in diesen Situationen eher extrovertiert verhält. Ein klassischer Persönlichkeitstest kann deshalb nur vorhersagen, wie oft wir in der Tendenz bestimmte Verhaltensweisen bei einer Person beobachten können.

Welche Chancen bietet KI für die psychologische Diagnostik?
Freudenstein: Psychologische Diagnostik ist oft mit einem hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Beispielsweise müssen in der Testentwicklung viele Items entwickelt und getestet werden, um am Ende wenige gute Items für den eigentlichen Test zu verwenden. Oft werden in der Diagnostik auch offene Antwortformate vermieden, weil der Auswertungsaufwand zu groß wäre, obwohl die Informationen, die in einem solchen Format erfasst werden könnten, hilfreich wären. Hier hat die Forschung der letzten Jahre gezeigt, dass KI unterstützen kann und somit neue und effiziente Möglichkeiten für die Testentwicklung und -auswertung eröffnet. 

Wo liegen die Grenzen beim Einsatz von KI?
Freudenstein: Eine KI ist immer nur so gut wie der Trainingsdatensatz, auf dem das Modell basiert. In der psychologischen Diagnostik gibt es noch viele offene Fragen und ungeklärte Probleme. Wenn wir also eine Verbesserung der Diagnostik über den aktuellen Status quo anstreben, müssen wir das ohne KI schaffen. 

Was ist beim Einsatz von KI in der Diagnostik ethisch zu bedenken?
Freudenstein: KI-gestütze Diagnostik muss immer durch einen Menschen überwacht werden. Auch der Ressourcenverbrauch oder Verletzungen des Urheberrechts und geistigen Eigentums für das Training neuer KI-Modelle müssen in unsere Entscheidung, ob wir KI für Diagnostik nutzen, mit berücksichtigt werden.