Wie kann aus Trinkwasser Wärme zum Heizen von Gebäuden gewonnen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Forschungsteam der Fakultät Versorgungstechnik an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften zusammen mit verschiedenen Partnern. „Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Das betrifft auch die Heizsysteme von Gebäuden. Klassische Gas- und Ölheizungen sollen Schritt für Schritt durch Wärmepumpen ersetzt werden. Doch gerade in dicht bebauten Innenstädten fehlt oft der Platz für Erdwärmesonden oder andere erneuerbare Wärmequellen“, erklärt Prof. Dr. Lars Kühl die Ausgangslage.
Genau hier setzt das Projekt „Wärme aus Trinkwasser – sicher und praktikabel: WaTsup“ an. Entwickelt wurde es von Prof. Dr.-Ing. Jens Wagner und Prof. Dr.-Ing. Lars Kühl. Unterstützt werden sie dabei von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitenden. Projektpartner in dem Verbundvorhaben sind die IWW Institut für Wasserforschung gemeinnützige GmbH aus Mühlheim an der Ruhr, welche auch die Gesamtprojektleitung übernimmt, die Avacon Wasser GmbH aus Wolfenbüttel sowie die swb Service GmbH aus Bremen. Neben ihrer jeweiligen Expertise werden zusätzlich zwölf weitere Unternehmen aus der Versorgungswirtschaft das Projekt als assoziierte Projektpartner unterstützen.
Ostfalia-Projektleiter Prof. Dr. Jens Wagner sieht darin einen vielversprechenden, innovativen Ansatz für die Wärmewende.
„Trinkwassernetze und ‑speicher könnten künftig als Wärmequelle genutzt werden. Das Leitungsnetz ist bereits flächendeckend vorhanden und weist das ganze Jahr über eine gleichmäßige, nutzbare Temperatur auf. In Kombination mit Wärmepumpen könnte so ein Teil des innerstädtischen Wärmebedarfs zuverlässig und erneuerbar gedeckt werden“, erläutert Wagner. Einen weiteren Vorteil sieht der Ostfalia-Wissenschaftler darin, dass durch die Wärmeentnahme aus dem Leitungsnetz dem klimawandelbedingten Anstieg der Wassertemperaturen aktiv entgegengewirkt werden könne. „Bislang gibt es in Deutschland aber kaum praktische Beispiele für diesen Ansatz, vor allem wegen ungeklärter technischer Fragen und fehlenden Genehmigungsverfahren“, so Wagner.
Im Projekt wird deshalb das technische Potenzial in den Modellregionen Bremen und Lüneburg untersucht. An zwei bestehenden Anlagen sowie an einer neuen Pilotanlage soll getestet werden, wie sich die Wärmegewinnung sicher und hygienisch einwandfrei umsetzen lässt.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend in praxistaugliche Leitlinien für Betreiber einfließen, die sowohl technische und organisatorische als auch energetische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Außerdem sollen klare Empfehlungen für eine notwendige Anpassung des rechtlichen Rahmens formuliert werden.
Das Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mit rund 620.000 Euro aus Mitteln des 8. Energieforschungsprogramms gefördert und läuft über drei Jahre (bis ca. Sommer 2029).