Folge 18 des Videocasts beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Ist die Disruption durch künstliche Intelligenz ein Umbruch oder der Landfall eines Supersturms? Und wie gestalten wir eine Gesellschaft, die nicht mehr primär an Erwerbsarbeit geknüpft ist?
Modell-Ökonomen versuchen, die KI-Folgen mit Wachstumsmodellen und historischen Daten zu berechnen. Im Rückspiegel wird schnell klar: Niemals hat in der Geschichte technologischer Fortschritt die Nachfrage nach menschlicher Arbeit nachhaltig geschwächt – im Gegenteil. Aber dieses Mal könnte Arbeitslosigkeit deutlich steigen. Der Grund: Die ungeheure Geschwindigkeit der KI-Disruption führt zu einem Strukturbruch im Datensatz. Frühere industrielle Revolutionen brauchten Jahrzehnte. Experten schätzen: KI wirkt 300-mal breiter, entwickelt sich 10-mal schneller – das ist insgesamt die 3.000-fache Wirkung. Und sie erfasst alles: Branchen, Sektoren, persönliche und soziale Beziehungen.
Durch KI können viele kognitive Tätigkeiten der Mittelschichten entwertet werden – Middle- und Back-Office-Jobs könnten zum “Überschussfaktor” werden. Am Ende steht die Vision eines BIP, das fast vollständig ohne menschlichen Beitrag entsteht. So gerät eine Gesellschaft unter Druck, die Einkommen, soziale Sicherung und Anerkennung stark an Erwerbsarbeit bindet.
Keynes glaubte, Menschen werden die Früchte des Produktivitätsfortschrittes als “Muße” sinnvoll nutzen. Aber er hat die kulturelle Fähigkeit zukünftiger Generationen zu erfüllter Freizeit überschätzt. Bis heute haben Gesellschaften Produktivitätsfortschritt nicht in kürzere Arbeitszeiten übersetzt, sondern in mehr Konsum, mehr Statuswettbewerb, höhere Ansprüche. Die technische Möglichkeit von Freizeit ist eben nicht dasselbe wie die kulturelle Fähigkeit zur Muße. Und damit ist unser Problem: Viele Menschen wüssten heute nicht, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen, wenn ihnen die Finanzmittel fehlten.
Die ökonomische Schlüsselfrage lautet deshalb: Wie halten wir gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Kaufkraft und gesellschaftliche Teilhabe stabil, wenn ein Teil menschlicher Arbeit durch disruptive KI ersetzt wird? Die Debatte über Grundeinkommen ist da, nicht um Menschen zur Untätigkeit zu animieren – sondern weil selbst (teilweise libertäre) Tech Bros erkennen: Auch ein größtenteils von KI erschaffenes BIP braucht zahlungskräftige Kunden.
Genau darum geht es um in der aktuellen Videocast-Episode.