Wie fühlt es sich an, die eigene Forschung direkt im Vier-Augen-Gespräch gegenüber neugierigen Bürger*innen zu erklären? Beim „Salon der Wissenschaft“ im TRAFO Hub Braunschweig konnten zwei Forschende der Ostfalia Hochschule diese Erfahrung gleich mehrfach machen. In je drei Slots à 15 Minuten suchten Julius Look und Timo Schreiner das Gespräch mit den Gästen. Ihre Themen zu Infektionsfrüherkennung im Abwasser und guter Erziehung zwischen Alltag und Forschung stießen auf breites Interesse.
Abwasser als Frühwarnsystem: Kanaldetektive im Einsatz
Unter dem Titel „Wie kommen Kanaldetektive Keimen auf die Spur?“ gab Julius Look, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Hydrosystems and Health (CHH) der Ostfalia Einblicke in die Forschung zur Abwasseranalytik als Frühwarnsystem für Infektionen. Das Forschungsteam arbeitet daran, eine schnelle, kostengünstige und einfach anwendbare Methode zu entwickeln, mit der sich aus kommunalem Abwasser Hinweise auf innerstädtische Infektions-Hotspots gewinnen lassen. Dazu entwickeln die Forschenden spezielle Probenehmer, optimieren die Entnahmestandorte mittels Künstlicher Intelligenz und analysieren, welche Bakterien und Resistenzgene sich in den Proben finden.
„Viele Besucher*innen waren überrascht, wie viele Informationen wir aus Abwasser ableiten können“, berichtet Look. „Im Vier-Augen-Gespräch konnten wir sehr direkt darüber sprechen, wie solche Daten helfen können, Ausbrüche früher zu erkennen oder Ressourcen zum Beispiel im Gesundheitswesen gezielter einzusetzen.“ Ein bisschen Aufregung vor dem Format gehörte natürlich auch dazu, aber schon nach der ersten Runde stand für Julius Look fest: “Es ist cool, tolles Konzept.”
Gute Erziehung zwischen Alltag und Wissenschaft
Einen ebenso alltagsnahen Schwerpunkt setzte Timo Schreiner, Professor für Kinder- und Jugendhilfe an der Fakultät Soziale Arbeit der Ostfalia. In seinen Tischgesprächen ging es darum, wie Alltagserfahrungen, Werte und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Erziehung zusammenspielen. „Im Alltag erleben Eltern und Fachkräfte Erziehung oft als etwas sehr Intuitives – geprägt von eigenen Erfahrungen und kulturellen Normen“, erläutert Schreiner. „Die pädagogische Forschung bietet dazu Modelle und Theorien, die helfen, dieses Handeln zu beschreiben, einzuordnen und auch kritisch zu hinterfragen.“
Genau an dieser Schnittstelle setzte der Dialog im Salon der Wissenschaft an: Wie können Fachkräfte professionell handeln, wenn Alltagspraxis und Forschungsergebnisse nicht immer deckungsgleich sind? Welche Rolle spielen unbewusste Routinen? Und wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse so übersetzen, dass sie im Familien- oder Kita-Alltag tatsächlich nutzbar werden? Schreiner hat das Format sehr viel Spaß gemacht: “Ich freue mich total, dass es so ein ehrliches Interesse an meinem Thema gibt. Dass die Menschen wirklich wissen wollen, was eigentlich für Theorien hinter der Pädagogik im Alltag stehen.”
Salon der Wissenschaft: Dialogformat mit Vielfalt
Der „Salon der Wissenschaft“ (externer Link, öffnet neues Fenster)ist ein vom Haus der Wissenschaft Braunschweig entwickeltes Format und wird vom Verein ForschungRegion Braunschweig e.V. gemeinsam mit der Stadt Braunschweig ausgerichtet. Das Format versteht sich ganz bewusst als Veranstaltung, die wissenschaftliche Einrichtungen und Stadtgesellschaft auf Augenhöhe zusammenbringt und zeigt die große Bandbreite der Forschung in der Region. Rund 30 Forschende verschiedener Institutionen und Fachbereiche diskutierten mit den Gästen zu Themen wie Artenvielfalt, Digitalisierung, Klimaschutz, Gesundheit und Kultur.