Wie lässt sich Wasser als klimafreundliche Wärmequelle nutzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Fachtagung Tag der Versorger der Fakultät Versorgungstechnik am 8. Mai 2026 in der Aula an der Salzdahlumer Straße am Ostfalia-Campus Wolfenbüttel. Unter dem Titel "Wärme aus Wasser" steht die thermische Nutzung von Grund-, Trink-, Fluss-, See- und Fördewasser sowie Abwasser im Mittelpunkt.
Thema hat an Bedeutung gewonnen
Zum Auftakt betont Prof. Dr.-Ing. Oliver Büchel, Dekan der Fakultät Versorgungstechnik: "Dass so viele Teilnehmende erschienen sind, zeigt, dass das Thema Wärme aus Wasser inzwischen in Wissenschaft und Praxis an Bedeutung gewonnen hat." Wasser sei zwar unscheinbar, besitze aber durch seine physikalisch-chemischen Eigenschaften ein großes Potenzial für eine klimaneutrale Wärmeversorgung.
Das sehen auch die Studierenden der Fakultät so, zum Beispiel Ole Mertins (21). Er sagt: "Deutschland steht vor einer Transformation, und in der Ressource Wasser stecken noch viele ungenutzte Möglichkeiten. Mich interessiert bei der Nutzung von Wasser zur Wärmegewinnung vor allem die damit verbundene Abkühlung und deren Auswirkungen auf Biotope und die dort lebenden Organismen."
Tolle Gelegenheit zum Austausch
Student Tim Langer (21) freut sich über die Gelegenheit, sich im Rahmen der Tagung mit Expert*innen aus Kommunen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen auszutauschen. "Ich interessiere mich vor allem für das Thema Wärme aus Abwasser, das im ersten Vortrag behandelt wird." In diesem stellt Dr. Hans-Otto Weusthoff von der Stadtentwässerung Hannover die Wärmegewinnung in zwei Großklärwerken vor.
Weusthoff: "Wir können aus Faulgas Strom gewinnen. Das machen wir in Herrenhausen mit einer Effizienz von 85 Prozent. Dabei fällt so viel Wärme an, dass wir unseren eigenen Wärmebedarf vollständig decken können." Zusätzlich werde noch Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist, die aus der thermischen Verwertung der jährlich rund 56.000 Tonnen Klärschlamm stammt.
Wärmegewinnung aus Trinkwasser
Bei der Tagung geht es jedoch nicht nur um Lösungen, sondern auch um Abwägung. Denn: Nicht jeder Ansatz kommt ohne Herausforderungen. So behandelt etwa Dr. Beate Stawiarski von der DVGW-Landesgruppe Nord mögliche Risiken bei der Wärmegewinnung aus Trinkwasser. Diese Form der Wärmegewinnung sei notwendig, um die Klimaziele erreichen zu können. Stawiarski erläutert die Ergebnisse einer Studie, wonach das Risiko von Verunreinigungen als gering einzustufen ist.
Auch übergeordnete Perspektiven rücken am "Tag der Versorger" in den Fokus. So spricht Dipl.-Ing. Christian Seidel (TU Braunschweig) darüber, welches Potenzial Flüsse und Seen für die Wärmeversorgung ganzer Städte bieten und wie sich solche Ansätze in bestehende Infrastrukturen integrieren lassen. Dieses Thema stößt bei Charlotte Stegel (21) auf besonderes Interesse. Sie sagt: "Ich komme aus Bremen und da gibt es ein entsprechendes Projekt."
Praktischer Nutzen steht im Fokus
Für die Studentin der Energie- und Gebäudetechnik im Praxisverbund bietet die Tagung die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen kennenzulernen und diese mit ihrer eigenen beruflichen Praxis zu verbinden. "Wärme aus Wasser ist ein hochaktuelles Thema, das auch meinen Arbeitsalltag betrifft. Und da möchte ich mich natürlich weiterbilden, was die neuen Entwicklungen und Projekte angeht", sagt sie, und ist damit nicht die einzige, die die Tagung als direkten Bezug zur eigenen Zukunft versteht.
Genau diesen Praxisbezug betont auch Fachtagungsleiter Prof. Dr.-Ing. Lars Kühl, der das Institut für energieoptimierte Systeme (EOS) leitet, das den “Tag der Versorger” seit vielen Jahren ausrichtet. Er fasst den Anspruch so zusammen: “Am Ende haben wir einen Überblick darüber, welche technischen Möglichkeiten bestehen und welchen Nutzen der Wärmeentzug aus Wasser haben kann."