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Ostfalia-Studierende schreiben Wikipedia-Artikel statt Hausarbeiten

Aktuelles , , Fakultät Informatik , Von: Mandy Fleer

Studierende der Ostfalia schreiben statt Hausarbeiten Wikipedia-Artikel und schaffen damit öffentliches Wissen mit echtem Mehrwert.

Zwei Studierende sitzen vor einem Bildschirm.
Studierende der Ostfalia schreiben Wikipedia-Artikel und bringen so ihr Wissen direkt in die Öffentlichkeit. Foto: Marek Kruszewski/Ostfalia

Wie entsteht Wissen und welchen Wert hat es über das Studium hinaus? Im Wahlpflichtfach „Wikipedia, Wikis, Wissensmanagement“ an der Fakultät Informatik am Ostfalia-Campus Wolfenbüttel gehen Studierende genau dieser Frage nach. Statt klassischer Hausarbeiten verfassen oder überarbeiten sie Artikel für die Wikipedia und leisten damit einen sichtbaren Beitrag zum freien Wissen.

Lernen durch Mitgestalten

Der von Prof. Dr. Peter Riegler initiierte Kurs verfolgt einen innovativen Ansatz: Studierende werden von passiven Nutzenden der Wikipedia zu aktiven Autor*innen. Die Studierenden wählen ihre Themen selbst – von Informatik über Popkultur bis hin zu regionalen Inhalten. So entsteht eine große thematische Vielfalt: Artikel wie Alligator Alcatraz, SpaceX Crew-11 oder das Figurentheater Fadenschein wurden im Rahmen des Kurses neu erstellt oder grundlegend überarbeitet.

Sichtbare Ergebnisse mit Wirkung

Der Unterschied zu klassischen Prüfungsleistungen ist deutlich spürbar: Die erstellten Inhalte verschwinden nicht in der Schublade, sondern sind öffentlich zugänglich und werden tatsächlich genutzt. Einzelne Artikel erreichen täglich zahlreiche Aufrufe, in Spitzenzeiten sogar mehrere Tausend. Zwei Beiträge aus dem Kurs wurden sogar auf der Wikipedia-Hauptseite unter der Rubrik „Schon gewusst?“ hervorgehoben. Innerhalb der Community ist das eine besondere Auszeichnung.

„Das motiviert enorm“, berichtet Informatik-Student Jacobo Coxall. „Man schreibt nicht nur für eine Bewertung, sondern für die Welt. Das Wissen bleibt bestehen und kann von anderen genutzt werden.“

Neue Kompetenzen im Studium

Neben dem Schreiben selbst erwerben die Studierenden wichtige Schlüsselkompetenzen. Dazu gehören insbesondere Recherchefähigkeiten, der kritische Umgang mit Quellen sowie das Formulieren neutraler, belegbarer Aussagen. „Man muss genau prüfen, welche Quellen man verwenden darf und wie man Aussagen belegt. Das ist anspruchsvoll, aber man lernt dabei unglaublich viel“, erzählt Coxall.

Freies Wissen als gesellschaftliche Aufgabe

Neben den fachlichen Lernzielen verfolgt das Projekt auch eine gesellschaftliche Dimension. Freies, zugängliches Wissen steht zunehmend unter Druck – sowohl politisch als auch technologisch. „Als Hochschulen können wir uns dieser Entwicklung nicht entziehen“, betont Riegler. „Wir sollten Räume schaffen, in denen Studierende lernen, Wissen kritisch zu reflektieren und aktiv mitzugestalten.“ Der Kurs versteht sich daher auch als Beitrag zur Förderung von Medienkompetenz, Diskussionskultur und gesellschaftlicher Verantwortung.

Ein Modell für die Zukunft

Der Kurs wurde von der Wiki Education Foundation unterstützt und ist Teil einer größeren Initiative zur Stärkung der Hochschullehre in der Wikipedia. Es dient als Pilotprojekt und stößt auch an anderen Hochschulen auf Interesse.

Für viele Studierende bleibt die Erfahrung nachhaltig: Einige arbeiten auch nach dem Kurs weiter an Wikipedia-Artikeln oder beginnen eigene Projekte. „Wenn man einmal gesehen hat, dass ein Thema noch nicht gut erklärt ist, denkt man schnell: Das kann ich verbessern“, so Jacobo Coxall.

Der Wikipedia-Kurs an der Ostfalia zeigt, wie Lehre praxisnah, gesellschaftlich relevant und nachhaltig gestaltet werden kann. Studierende erwerben nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern schaffen gleichzeitig einen echten Mehrwert für die Öffentlichkeit und für sich selbst.

Ansprechperson

Prof. Dr. Peter Riegler

Gebäude Am Exer 2, Raum 059, Wolfenbüttel

Sprechzeiten (Präsenz oder online): Nach Vereinbarung (Terminbuchung (externer Link, öffnet neues Fenster)), während der Vorlesungszeit auch Donnerstag 13:00-14:00 in Präsenz

Prof. Dr. Peter Riegler