Zum fünften Mal bietet die Ostfalia mit ihrem Startup-Lunch Gründer*innen eine Plattform. Im Mittelpunkt stehen diesmal internationale Gründungsgeschichten, kulturelle Vielfalt und Menschen, die mit ihren Ideen etwas bewegen.
Durchs Programm führt Janina Deeke, Gründerin von Bunt gesagt (externer Link, öffnet neues Fenster), die vor ihrer Selbstständigkeit als bilinguale Moderatorin und Rednerin sieben Jahre lang auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hat. Sie eröffnet die Veranstaltung mit einem Hinweis auf die besonderen Herausforderungen, vor denen internationale Gründer*innen stehen: “Zwischen einer Idee und einem ersten Schritt liegt manchmal eine gehörige Portion Mut. Erst recht, wenn man das in einem anderen Land, einer anderen Sprache oder einer anderen Kultur macht.”
Dass die Ostfalia dabei helfen kann, macht Prof. Dr. Ina Schiering, Vizepräsidentin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer, in ihrer offiziellen Begrüßung deutlich. Sie sagt: "Für uns an der Ostfalia sind in diesem Zusammenhang zwei Aspekte besonders wichtig. Zum einen sind wir sehr stolz darauf, dass wir vor rund drei Jahren mit GRÜNDEN@OSTFALIA eine Initiative zum Aufbau eines Gründungsprogramms gestartet haben. Wir unterstützen Start-ups dabei, ihre Ideen weiterzuentwickeln und in die Tat umzusetzen. Denn während die Welt ihre Produkte, Ressourcen und Ideen heute nach Wolfenbüttel bringt, haben auch Ideen aus unserer Region das Potenzial, international etwas zu bewegen. Unser zweiter Schwerpunkt ist das Netzwerk SONNECT, das Gründer*innen mit Partnern zusammenbringt, die sie auf ihrem Weg begleiten.“
Erster Impuls: Bárbara Matys Moraes de Macedo vom Aquarela Frauengruppe e. V.
Wie wichtig Netzwerke sind, um Menschen nicht nur zusammenzubringen, sondern auch Zugehörigkeit zu schaffen, zeigt Bárbara Matys Moraes de Macedo vom Aquarela Frauengruppe e. V. (externer Link, öffnet neues Fenster) im ersten Impulsvortrag des Startup-Lunchs. Ihr Verein wurde vor fünf Jahren von einer kleinen Gruppe von Frauen aus Brasilien gegründet, die andere Migrantinnen unterstützen wollten. Heute engagieren sich mehr als 240 Mitglieder aus über 20 Nationen bei Aquarela. "Wir sind ganz schnell gewachsen“, sagt Matys Moraes de Macedo. Und durch gemeinsame Projekte mit Organisationen wie zum Beispiel der Ostfalia habe der Verein bislang mehrere Tausend Menschen erreicht.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehe, Frauen miteinander in Kontakt zu bringen und ihnen Möglichkeiten zum Austausch zu bieten. “Wir machen viele Projekte und Veranstaltungen, wo Frauen sich kennenlernen und zum Beispiel Deutsch lernen können.” Zugleich biete der Verein aber auch Raum für die eigene Sprache und kulturelle Identität, was ein wichtiger Teil des Ankommens in der neuen Heimat sei.
Zweiter Impuls: Thea Maykl und Katie Pushkina von WeNest Buildings
Um eine neue Heimat geht es auch beim zweiten Impulsvortrag, den Architektin Thea Maykl und Business-Strategin Katie Pushkina halten. Sie haben mit WeNest (externer Link, öffnet neues Fenster) ein Unternehmen gegründet, das nachhaltiges Bauen neu denkt. Statt auf den CO₂-intensiven Baustoff Beton setzen die beiden auf natürliche, erdbasierte und kreislauffähige Materialien. Dabei verbinden sie traditionelle Lehmbauweisen mit modernen Technologien wie künstlicher Intelligenz, parametrischem Design und industriellem 3D-Druck. So wollen sie neue Wege für eine ressourcenschonende Architektur eröffnen.
Pushkina erklärt: “Wie schon in der Antike gewinnen wir die Erde, die wir für unsere Bauvorhaben brauchen, direkt aus dem Boden unter unseren Füßen. Wir untersuchen sie und ergänzen, wenn nötig, mit Additiven wie zum Beispiel Myzel, Sisal oder Zimt. So wie Vögel ihre Nester aus den Materialien ihrer Umgebung bauen – deshalb auch unser Name WeNest –, erschaffen wir unsere Häuser aus dem, was bereits vor Ort vorhanden ist, und drucken dann Schicht für Schicht mit dem 3D-Drucker aus."
Im Panel Talk: Sebastian Döring, Alvine Umland und Mariana Solorzano
Im Panel Talk sprechen dann Alvine Umland, Gründerin von Umland (externer Link, öffnet neues Fenster), Mariana Solorzano, Gründerin von Sprachschule Aktiv (externer Link, öffnet neues Fenster) & Programa Médicos Latinos (externer Link, öffnet neues Fenster) und Sebastian Döring, Gründer von Lilian Labs (externer Link, öffnet neues Fenster), über ihre Erfahrungen bei der Unternehmensgründung. So erzählt zum Beispiel Solorzano, die im Alter von 22 als Ärztin nach Deutschland kam, dass es schon immer ihr Wunsch gewesen sei, ein eigenes Business zu haben. Die Gründung einer Sprachschule war für sie naheliegend, weil die Kooperation mit einer schon existierenden Einrichtung nicht optimal lief. Da war für sie klar: “Ich muss das selber machen. Das war zwar nicht mein Plan, ich bin Oberärztin im Krankenhaus, aber ich wusste, wie es funktionieren muss.”
Alvine Umland, die aus Kamerun stammt, bietet ebenfalls Sprachunterricht an. Ihr Geschäftsmodell umfasst allerdings noch weitere Bereiche, die dem Austausch zwischen Kamerun und Deutschland dienen. Umland gibt Französisch- und Deutschkurse, vermittelt Arbeits- und Fachkräfte, macht Studien- und Integrationsberatung, begleitet und vermittelt Reisen, und sie vertreibt Kaffee und Kakao aus ökologischem und nachhaltigem Anbau. Das Verkaufen landwirtschaftlicher Produkte ihrer Familie, beispielsweise Erdnüsse auf dem Markt, gehörte für sie schon als Kind zum Alltag. Sie lacht und sagt: “Das hatte mit Kinderarbeit nichts zu tun, es war einfach eine Selbstverständlichkeit, im Familienbetrieb mitzuhelfen, und es hat mir auch viel Spaß gemacht."
Sebastian Döring gibt Einblicke in sein Unternehmen Lilian Labs, das er gemeinsam mit zwei Mitstudierenden in Braunschweig gegründet hat. Das Unternehmen entwickelt und betreibt ein digitales System zur Wasseranalyse, das wichtige Wasserwerte schnell misst und automatisch dokumentiert. Zum Einsatz kommt es unter anderem in Schwimmbädern und bei der Trinkwasserkontrolle. Döring weist darauf hin, dass Interdisziplinarität ebenso wie Internationalität herausfordernd sein kann, denn es könne leicht zu Missverständnissen kommen, wenn ein Elektrotechniker mit einem Physiker oder einem Chemiker spreche. Döring: “Man redet nicht selten aneinander vorbei.”
Gefragt, welche Tipps er als erfahrener Gründer für zukünftige Entrepreneure hat, empfiehlt Döring, möglichst unterschiedliche Leute zusammenzubringen, “also nicht nur mit internationalen Erfahrungen und Beziehungen, sondern auch unterschiedliche Charaktere. Denn das bringt eine gewisse Vielfalt ein, die dann dazu führt, dass man sich an den richtigen Stellen auch mal hinterfragt.”