ZuKUNSToff – Zirkularität von Kunststoffen im Alltag erleben
Kunststoff verstehen: Wertstoff und Schadstoff zugleich
Ein Fischernetz soll möglichst lange halten. Eine Verpackung soll leicht sein. Ein medizinisches Produkt muss zuverlässig und hygienisch funktionieren. Genau darin liegt die Stärke von Kunststoff: Er lässt sich an unterschiedlichste Anforderungen anpassen und ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Gleichzeitig stellt der Umgang mit Kunststoffen Umwelt und Gesellschaft vor große Herausforderungen: Besonders dann, wenn Kunststoffprodukte nach ihrer Nutzung nicht in geeignete Materialkreisläufe zurückgeführt werden, können sie zu langfristigen Umweltbelastungen beitragen.
Im Projekt ZuKUNSToff entwickelte die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften gemeinsam mit dem Science Center phaeno in Wolfsburg anschauliche und interaktive Vermittlungsangebote zum Thema Kunststoffkreisläufe. Ziel war es, wissenschaftliche Erkenntnisse für ein breites Publikum erlebbar zu machen und ein Verständnis für die Nutzung, Wiederverwertung und gesellschaftliche Bedeutung von Kunststoffen zu fördern.
Das Forum Kunststoff: Forschung erleben und Zusammenhänge verstehen
Mit dem Forum Kunststoff ist im phaeno ein Ausstellungsbereich entstanden, der unterschiedliche Perspektiven auf den Werkstoff zusammenführt. Er zeigt, weshalb Kunststoffe für zahlreiche Anwendungen wertvoll sind und warum ihre Beständigkeit, Materialvielfalt und Verbreitung zugleich Herausforderungen für Umwelt und Recycling darstellen.
Herzstück des Forums ist der Kunststoffkomet, eine künstlerische Installation, die durch die Rückmeldungen der Besuchenden wächst. Anhand von vier möglichen Reaktionen setzen sich die Besuchenden damit auseinander, wie sie auf die Herausforderungen im Umgang mit Kunststoffen reagieren würden. Ihre Antworten werden durch farbige, 3D-gedruckte Elemente sichtbar und lassen die Installation zu einem gemeinschaftlich wachsenden Kunstwerk werden.
Ergänzt wird die Installation durch drei Stationen:
- Beständigkeit von Kunststoffen: Anhand verschiedener Stadien von Fischernetzen wird sichtbar, wie ein langlebiger Werkstoff durch Nutzung und Alterung zu Mikroplastik werden kann.
- Vielfalt von Kunststoffen: Aufgeschnittene Alltagsgegenstände zeigen, wie komplexe Materialkombinationen aufgebaut sind und weshalb fest verbundene Kunststoffschichten das Recycling erschweren können.
- Ikonen aus Kunststoff: Historische Gegenstände verdeutlichen, wie Eigenschaften von Kunststoffen – etwa ihr geringes Gewicht, ihre Formbarkeit und Haltbarkeit – neue Produktformen und Anwendungen ermöglichten und die industrielle Massenproduktion prägten.
So verbindet das Forum technische Informationen mit anschaulichen Objekten und der Frage, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Kunststoffen künftig aussehen kann.
Vom Wissen zum Ausprobieren: Das Zukunftslabor Kunststoff
Im Zukunftslabor Kunststoff können Besucher*innen die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten des Materials selbst erkunden. Praktische Stationen vermitteln, wie Kunststoffe untersucht, sortiert und für die Wiederverwertung vorbereitet werden können.
Dazu gehören beispielsweise das Erkennen von Materialien mithilfe eines Infrarot-Scanners, Experimente zur Wahrnehmung und Untersuchung von Kunststoffen sowie praktische Erfahrungen mit Sortierung und Wiederverarbeitung. Kreative Aktivitäten zeigen darüber hinaus, wie gebrauchte Materialien und alte Fischernetze weitergenutzt werden können.
Ergänzend bietet das phaeno den Schulworkshop „Ist das Kunststoff oder kann das weg?“ an. Schüler*innen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 setzen sich dabei mit den Eigenschaften von Kunststoffen, der Wertstofftrennung und den Herausforderungen des Recyclings auseinander. Durch das Zerkleinern und die erneute Verarbeitung von gebrauchtem Kunststoff erleben sie beispielhaft, wie aus einem Abfallmaterial etwas Neues entstehen kann.
Zirkularität gemeinsam weiterdenken
ZuKUNSToff zeigt, dass eine funktionierende Kreislaufwirtschaft nicht allein von geeigneten Recyclingverfahren und Materialtechnologien abhängt. Ebenso wichtig ist, wie Kunststoffe im Alltag genutzt, entsorgt und wiederverwertet werden und wie Menschen und Organisationen Entscheidungen über ihren Umgang mit Ressourcen treffen.
Um diese Zusammenhänge erfahrbar zu machen, wurden partizipative Formate wie die Zukunftspostkarten, die „Versteigerung der letzten Kohle“ und die „Schatzkammer 2080“ entwickelt. Sie eröffnen Besuchenden die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Dabei geht es nicht darum, eine einzige richtige Antwort zu vermitteln, sondern komplexe Zusammenhänge besser einzuordnen und eigene Vorstellungen eines zukunftsfähigen Umgangs mit Ressourcen zu entwickeln.
Forschung trifft Praxis
ZuKUNSToff wurde von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften gemeinsam mit dem phaeno Science Center in Wolfsburg umgesetzt. Das Projekt verbindet Materialforschung und Recyclingexpertise mit Wissenschaftskommunikation und der praktischen Vermittlung in einer öffentlich zugänglichen Lernumgebung.
Ausgangspunkt waren unter anderem Erkenntnisse aus dem Forschungs- und Transferprojekt REVFIN („Prevention, reduction and recycling of fishnet pollution in Vietnamese coastal waters“), das sich mit Strategien gegen Kunststoffabfälle aus Fischernetzen und -seilen in vietnamesischen Küstengewässern beschäftigt. Diese Forschung bildet einen fachlichen Hintergrund für die Auseinandersetzung mit den Eigenschaften von Kunststoffen, ihrer Nutzungsdauer und ihren Möglichkeiten der Wiederverwertung.
Die Ausstellungsinhalte und Prototypen wurden in einem ko-kreativen Entwicklungsprozess erarbeitet, an dem neben der Ostfalia und den Kurator*innen des phaeno auch die Arbeitsgruppe Interaktive Medien sowie Studierende und ehemalige Studierende beteiligt waren. So entstand ein interdisziplinärer Ansatz, der wissenschaftliche Inhalte mit Gestaltung, praktischer Erprobung und verständlicher Vermittlung verbindet.
Förderung
ZuKUNSToff wurde im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Zirkularität im Alltag“ der VolkswagenStiftung gefördert. Das Projekt wurde von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften gemeinsam mit dem phaeno Science Center entwickelt und umgesetzt.
Projektleitung und Kooperation
Projektleitung
Prof. Dr. phil. habil. Harald Rau
Professur für Kommunikationsmanagement
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Campus Salzgitter
Praxispartner
phaeno (externer Link, öffnet neues Fenster) gGmbH – Science Center Wolfsburg
Alexandra Schautz, Kuratorin Biologie und Leitung der Besucher*innen-Labore
Fachliche Zusammenarbeit
Institut für Recycling, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Campus Wolfsburg; Professur für Kommunikationsmanagement, Campus Salzgitter; Arbeitsgruppe Interaktive Medien (externer Link, öffnet neues Fenster) sowie Studierende und ehemalige Studierende der Ostfalia.
Projektleitung
Prof. Dr. phil. habil. Harald Rau
Gebäude A, Raum A.EG.38, Salzgitter
KomMa - Professur für Kommunikationsmanagement
Büro Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: A.EG.37 (CoWorking-Space), A.EG.40, A.EG.42