Studium, Jugendarbeit und Einsätze in Notsituationen: Hanna Hübinger studiert Kindheitspädagogik und Gesundheit am Ostfalia-Standort Wolfsburg und hat mit elf Jahren angefangen, sich beim Technischen Hilfswerk (THW) zu engagieren. Heute ist sie selbst für die Jugendarbeit zuständig. Für ihr Engagement wurde sie mit dem BRAWO-Gemeinwohl-Preis ausgezeichnet.
Mandy Fleer, Ostfalia-Redaktion: Hanna, du engagierst dich beim THW. Was genau machst du da?
Hanna: Ich bin mit elf Jahren als Junghelferin eingetreten und habe mit 16 Jahren die Grundausbildung gemacht. Mit 18 Jahren darf man dann mit in die Einsätze fahren – seitdem bin ich aktive Einsatzkraft. Außerdem engagiere ich mich in der Jugendarbeit. Nachdem ich für mein Studium nach Wolfenbüttel gezogen bin, wurde ich hier zur Ortsjugendbeauftragten berufen. Jugendarbeit mache ich zusätzlich auch noch auf Bundesebene.
Wie bist du als Kind zum THW gekommen?
Hanna: Eine Freundin hat mich damals gefragt, ob ich mitkommen möchte. Ich habe es ausprobiert und war direkt begeistert. Die Technik hat mich fasziniert, weil ich damit vorher noch keine Berührungspunkte hatte. Und auch die Aussicht, Menschen zu helfen, fand ich toll.
Hast du in all den Jahren mal überlegt, aufzuhören?
Hanna: Nein. Nur ganz am Anfang, als ich das erste oder zweite Mal dort war. Da habe ich plötzlich gedacht, ich muss mit elf Jahren schon in die Einsätze fahren und habe Angst bekommen. Ich wurde dann aber beruhigt, dass ich noch lange Zeit habe, mir das zu überlegen.
Du engagierst dich viel in der Jugendarbeit. Was macht dir daran am meisten Spaß?
Hanna: Ich weiß noch, wie begeistert ich selbst als Kind war. Die Zeltlager und den Zusammenhalt zu erleben, fühlt sich einfach schön an. Es ist ein tolles Hobby, das Disziplin, Teamgeist und demokratische Werte vermittelt. Das möchte ich jetzt weitergeben.
Du bist auch als Einsatzkraft aktiv. Was gehört dabei zu deinen Aufgaben?
Hanna: Ich bin als Bergungshelferin tätig. Zu meinen Aufgaben gehört dann, nach vermissten Personen zu suchen, Wände abzustützen oder Trümmer zu beseitigen. Bei einem Einsatz in Wolfenbüttel haben wir zum Beispiel mehrere Häuser abgestützt und Zugänge geschaffen, damit weiter nach einer vermissten Person gesucht werden konnte.
Wie fühlt es sich an, wenn du zu einem Einsatz fährst?
Hanna: Aufregung ist eigentlich immer dabei, weil man nie genau weiß, was einen erwartet. Mein erster Einsatz mit Menschenleben in Gefahr war besonders intensiv. Wir waren innerhalb von fünf Minuten vor Ort, weil wir direkt in der Nähe waren. Geplante Einsätze sind inzwischen dagegen schon ziemlich routiniert für mich.
Wie viel Zeit nimmt dein Ehrenamt neben dem Studium ein?
Hanna: Sehr viel. In den vergangenen Jahren waren es jeweils mehr als 1.000 Stunden im Jahr für die regulären Dienste, Übungen, Zeltlager und andere Veranstaltungen. Zusätzlich bereite ich zu Hause die Jugenddienste vor oder nehme an Videokonferenzen teil. Man muss es schon wollen, es fließt wirklich viel Zeit hinein.
Wie bekommst du Studium und Ehrenamt unter einen Hut?
Hanna: Mein Studium fällt mir relativ leicht, weil mich die Inhalte interessieren. Trotzdem ist jedes zweite Wochenende durch das THW verplant. Es hilft auch, dass mein Partner selbst beim THW ist und deshalb Verständnis für das Engagement hat.
Was bedeutet dir die Auszeichnung mit dem BRAWO-Gemeinwohl-Preis?
Hanna: Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Ehrenamt wird nicht so häufig gewürdigt, und wenn, dann eher innerhalb des eigenen Verbandes. Deshalb ist es etwas Besonderes, wenn das Engagement auch nach außen wahrgenommen wird.
Was würdest du Studierenden mitgeben, die überlegen, sich ebenfalls zu engagieren?
Hanna: Einfach ausprobieren. Man kann immer erst einmal hingehen und reinschnuppern. Man muss auch nicht so viel Zeit investieren wie ich. Wichtig ist vor allem, etwas zu finden, das einem Spaß macht.
Mit dem BRAWO-Gemeinwohl-Preis würdigen die Volksbank BRAWO, das EngagementZentrum als gemeinwohlorientierte Tochtergesellschaft der Bank sowie die Ostfalia Hochschule seit 2021 jährlich Studierende, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich für andere einsetzen. Die nächste Bewerbungsphase für den Preis startet im März 2027.