Das Chemienetzwerk Harz (externer Link, öffnet neues Fenster) hat sich kürzlich zum sechsten Innovationstag am Ostfalia-Campus Salzgitter getroffen. Es verbindet Unternehmen aus der Chemiebranche und verwandten Branchen in Harz und Vorharz sowie Institutionen wie die Ostfalia Hochschule, die TU Clausthal (externer Link, öffnet neues Fenster) oder die Wirtschaftsförderung Region Goslar (externer Link, öffnet neues Fenster). Angewandte Forschung auf den Feldern Kreislaufwirtschaft und Produktionstechnik stand besonders im Fokus: von recycelbaren Kunststoff-Fischernetzen über biobasierte Baustoffe aus Pilzmyzel bis zu automatisiertem 3D-Druck.
Prof. Dr. Ina Schiering begrüßte als Vizepräsidentin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer der Ostfalia die Teilnehmenden in Salzgitter-Calbecht. Sie hob die Bedeutung von gemeinsamer Forschung und Wissenstransfer für die Wirtschaft hervor, die in der Region an Einrichtungen wie der Open Hybrid Lab Factory in Wolfsburg beispielhaft gelinge.
Der Dekan der Fakultät Verkehr-Sport-Tourismus-Medien, Prof. Dr. Marc-Christian Ollrog, erklärte die historische Verbindung zwischen dem Hochschulstandort Salzgitter und der Chemieindustrie im Harz. Denn beide haben ihre Wurzeln im Bergbau. Wo heute mehr als 1.700 Studierende lernen, wurde bis 1963 auf der Grube “Hannoversche Treue” Eisenerz gefördert.
Zehn Jahre Chemienetzwerk Harz - Plattform für Austausch, Innovation und Sichtbarkeit
Dr. Carsten Steffin, Erster Vorsitzender des Chemienetzwerks Harz, blickte auf die zehn Jahre seit Gründung zurück: “Wir haben drei Ziele: Chemie und Metallurgie in der Region stärken, Unternehmen und Forschung venetzen, Innovation fördern. Unser Innovationstag zeigt, dass wir erfolgreich sind”. Das Netzwerk habe zudem Weiterbildungsangebote zu Arbeitssicherheit, Gesundheitsmanagement und Datenschutz etabliert, Nachwuchsgewinnungskampagnen umgesetzt und die Chemieunternehmen als Arbeitgebermarken positioniert. “Auch in der fernen Landeshauptstadt Hannover ist wahrnehmbar: In der Harzregion gibt es Wertschöpfung aus Chemie. Wir können mehr als Tourismus."
Forschende der Ostfalia stellen Projekte zu Kreislaufwirtschaft und aus der Produktionstechnik vor
Nach Steffins Rückblick rückte das Thema Innovation in den Blickpunkt. Drei Forschende vom Institut für Recycling der Fakultät Fahrzeugtechnik am Ostfalia-Campus Wolfsburg stellten ihre Projekte aus den Feldern Kreislaufwirtschaft und Werkstofftechnik vor:
- Prof. Dr.-Ing. Max Ehleben zeigte mit dem Projekt REVFIN Chancen und Herausforderungen beim Kunststoffrecycling von Fischernetzen aus Vietnam. Bilder und Befunde von seinem Forschungsaufenthalt in Südostasien machten deutlich, wie viel Meeresmüll durch Recycling vermieden werden könnte.
- Prof. Dr.-Ing. Dennis Backofen präsentierte Perspektiven für die Kreislaufwirtschaft von wasserstoffgeführten Systemen, die bei der industriellen Skalierung von Wasserstoffanwendungen direkt mitgedacht wird.
- Prof. Dr. Ingo Johannsen erschloss mit seinen Forschungsergebnissen zum Myzel eine innovative Anwendung biobasierter Rohstoffe. Myzel bezeichnet das feingliedrige Wurzelnetzwerk eines Pilzes, das in Verbindung mit pflanzlichen Reststoffen als Faserverbundwerkstoff zum Beispiel bei der Restaurierung von Fachwerkhäusern zum Einsatz kommt.
Weiterer Input kam aus der Fakultät Maschinenbau am Ostfalia-Campus Wolfenbüttel. Prof. Dr. rer. nat. Marcus Menzel vom Institut für Produktionstechnik präsentierte ein Konzept für die Echtzeit-In-Situ-Erkennung der Filamentform beim 3D-Druck mittels optischer Ellipsenanpassung.
Schließlich sprach Dipl.-Ing. Sandra Brunner-Hütter vom Ingenieurbüro IB-SBH Service & Consult über effiziente und modulare Prozessautomatisierung. Organisiert und moderiert wurde der Innovationstag von Netzwerkmanagerin Angelika Lucht und Prof. Dr. Dirk Gunther Trost, der sich für die Ostfalia im Chemienetzwerk Harz engagiert.